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Der hohe Gaspreis macht Sorge

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Von: Tobias Ketter

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Alexander Steinberg, Geschäftsführer der Spedition Edgar Graß, hat große Sorgen. Viele seiner Lastkraftwagen fahren nämlich mit teurem Flüssigerdgas. Wegen des starken Preisanstiegs will der Firmenchef im April wieder vermehrt auf Dieselfahrzeuge setzen.
Alexander Steinberg, Geschäftsführer der Spedition Edgar Graß, hat große Sorgen. Viele seiner Lastkraftwagen fahren nämlich mit teurem Flüssigerdgas. Wegen des starken Preisanstiegs will der Firmenchef im April wieder vermehrt auf Dieselfahrzeuge setzen. © Tobias Ketter

Die Brummis der Spedition Edgar Graß fahren mit teurem Flüssigerdgas

Beselich -Der Ukraine-Krieg treibt die Kraftstoff- und Gaspreise in die Höhe. Besonders stark davon betroffen ist die Transportbranche. Die Unternehmen müssen derzeit mit deutlich gestiegenen Ausgaben zurechtkommen. Existenzängste haben deshalb auch Betriebe, die auf alternative Antriebe setzen. Zu ihnen gehört die Spedition Edgar Graß aus dem Beselicher Ortsteil Schupbach. Die Firma hat nämlich große Teile ihres Fuhrparks im Jahr 2018 auf Flüssigerdgas (LNG) umgestellt. Geschäftsführer Alexander Kay Steinberg berichtet, was die Preiserhöhung für Folgen für sein Unternehmen hat und was nun getan werden muss, um wieder ein Gleichgewicht auf dem Markt herzustellen.

"Uns wurde erklärt, dass LNG eine Brückentechnologie ist, um Kohlenstoffdioxid einzusparen", sagt Steinberg, der mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt. Vonseiten der Politik habe es bei der Umstellung auf eine Flüssigerdgas-Flotte eine Förderung in Höhe von 40 Prozent gegeben und die LNG-Lastkraftwagen seien von der Maut befreit worden. "Dadurch sind wir wirtschaftsfähig geblieben. Man muss nämlich bedenken, dass ein LNG-Fahrzeug deutlich teurer und auch 700 bis 800 Kilogramm schwerer als ein Dieselfahrzeug ist", erklärt der Firmenchef. Dadurch werde auch die Nutzlast reduziert.

Betankt wurden die Lastkraftwagen zunächst übrigens nur im Ausland, da es in Deutschland keine LNG-Tankstellen gab. Dies habe sich aber in den vergangenen Monaten und Jahren geändert, so dass mittlerweile rund 50 solcher Tankstellen in der Bundesrepublik genutzt werden können. Steinberg hat im Limburger Stadtteil Offheim sogar ein eigene Tankstelle gebaut, die im Dezember 2021 in Betrieb ging.

48 der rund 70 Fahrzeuge der Spedition fahren mittlerweile mit Flüssigerdgas. Eigentlich sollten zeitnah elf weitere dazukommen. Doch dieses Vorhaben hat Steinberg nun zunächst auf Eis gelegt, weil Flüssigerdgas so teuer geworden ist. "Im März lag der Preis bei 350 Euro pro Megawattstunde", sagt der Geschäftsführer. Damit habe sich der Preis in der Spitze im Vergleich zum Beginn des Jahres 2021 um 2500 Prozent gesteigert. "Starke Preissteigerungen gab es aber auch schon im vergangenen Winter, also vor dem Krieg. Damals mussten etwa 180 pro Megawattstunde bezahlt werden", erklärt Steinberg.

LNG ist deutlich teurer als Diesel

Das Hauptproblem bei der Preiserhöhung sei die "immer weiter auseinandergehende Schere" zwischen den Kosten für Dieselkraftstoff und LNG. Laut dem Firmenchef war Diesel und Flüssigerdgas vor einigen Monaten noch etwa gleich teuer. Durch den sehr starken Anstieg der Kosten für LNG habe sich das aber nun geändert. Steinberg rechnet damit, dass der Netto-Gaspreis an den Tankstellen im April zwischen drei und vier Euro pro Kilogramm liegen wird. Damit wäre LNG fast doppelt so teuer wie Diesel.

Eben durch diesen Preisunterschied sind LNG-Fahrzeuge im Vergleich zu Lastkraftwagen, die mit Diesel fahren, nicht mehr wettbewerbsfähig. Steinberg fordert, dass die Politik dem entgegenwirken muss. "Beispielsweise könnte die Maut-Befreiung, die bis Dezember 2023 gilt, verlängert und zusätzlich eine Tonne mehr Ladekapazität erlaubt werden", so der Schupbacher. Er sei bei der Umstellung auf Flüssigerdgas dem Rat des Staates gefolgt, um etwas für die Nachhaltigkeit zu tun. Dies habe nun existenzbedrohende Folgen. Die Politik müsse deshalb jetzt durch Unterstützungen zeigen, dass sie hinter dem Projekt steht. "Ohne diese Hilfen haben wir ein riesengroßes Problem, denn durch die Preiserhöhung entstehen pro Jahr Mehrkosten im siebenstelligen Bereich und diese sind unmöglich durch unsere Arbeit wieder reinzuholen", ist sich der Geschäftsführer sicher. Er rät übrigens generell Speditionen davon ab, derzeit auf alternative Antriebe zu setzen. Das Risiko sei zu hoch.

Dieselfahrzeuge sollen angemietet werden

Um in den kommenden Wochen über die Runden zu kommen, werden aktuell auf dem Firmengelände im Beselicher Ortsteil Schupbach zehn bis zwölf bereits aussortierte Dieselfahrzeuge wieder flott gemacht. "Ich habe diese glücklicherweise sicherheitshalber behalten und nicht schon verkauft, so dass sie ab April eingesetzt werden können", sagt Steinberg. Darüber hinaus bemüht der Geschäftsführer sich intensiv darum, weitere Dieselfahrzeuge anzumieten. "Das muss ich tun, damit wir im kommenden Monat ausliefern können", berichtet der Firmenchef der Spedition Edgar Graß.

Wie es in den darauffolgenden Monaten genau weitergehen wird, vermag Steinberg nicht zu beantworten. Er befürchtet allerdings, dass die Nachfrage nach Flüssigerdgas künftig steigen wird, was zugleich den Preis noch weiter in die Höhe treiben könnte. tobias ketter

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