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Tobias Eckert (stehend) und Jörg Sauer (links daneben) waren Gastredner der SPD

Politischer Aschermittwoch

Jörg Sauer hat Verständnis für Schüler-Demonstranten

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Das Themenspektrum beim politischen Aschermittwoch der Beselicher SPD war breitgefächert. Im Mittelpunkt standen auch die Straßenbeiträge.

Rappelvoll war der Saal bei der Politischen Aschermittwochsnachlese der Beselicher SPD in der Obertiefenbacher Gaststätte „Nassauer Hof“. SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Jahn berichtete dort, dass es für die Sozialdemokraten wichtig sei, dass die halbe Jugendpflegerstelle in Beselich zeitnah wieder besetzt werde. Mittelfristig sei die Ausweitung auf eine volle Stelle das Ziel. Die SPD würde sich auch wünschen, wenn künftig auch in Niedertiefenbach und Schupbach Jugendräume eröffnen würden. Was Jahn gut fände, ist, wenn in Beselich künftig mehr auf regionale Energieerzeugung gesetzt werde. Jahn denkt, dass bisher noch nicht genug getan werde und es noch einige Flächen im Gemeindegebiet auf Gemeinschafts- und Feuerwehrhäusern geben würde, die für Solarenergie genutzt werden könnten.

Grundsteuer hoch

Als gute Entscheidung bezeichnete es Michael Jahn, ab dem 1. Januar in Beselich die Straßenbeiträge abzuschaffen. Früher mussten auch in Beselich Anlieger bei einem Straßenausbau in ihrer Wohnstraße teilweise Tausende von Euro auf einmal an Beiträgen zahlen, was gerade alleinstehende Rentner oft überforderte. Das fehlende Geld in der Kasse möchte sich Beselich dann durch eine Erhöhung der Grundsteuer um 40 Prozentpunkte wieder hereinholen. „In ein paar Jahren wollen wir dann schauen, ob die zusätzlichen Ausgaben hier für einen Ausgleich ausreichen“, kündigte Jahn an. Als weiteren wichtigen Punkt zu mehr Familienfreundlichkeit in Beselich bezeichnete er die Abschaffung der Kita-Gebühren für Beselicher Kinder. Hier könne irgendwann die Abschaffung der Gebühren auch für Krippenkinder das Ziel sein.

Der künftige Erste Kreisbeigeordnete Jörg Sauer (SPD) meinte, dass es wichtig sei, dass sich für unsere Gesellschaft wieder mehr Menschen engagierten. Wenn keiner mehr etwas tue, könne alles aus dem Ruder laufen. Jüngere Generationen hätten nur Frieden, Freiheit und Wohlstand erlebt. Dass das aber immer so weitergehe, sei nicht selbstverständlich. Sauer erklärte beispielsweise, dass Trinkwassermangel in Zukunft ein großes Problem werden könne. Der Klimawandel sei hier feststellbar. Wenn es künftig nur noch so heiße Sommer wie 2018 gebe, würden viele Quellen versiegen.

Eine anwesende Lehrerin verteidigte die streikenden Schüler. Das seien in Limburg nicht die, die sich unterrichtsfrei erschleichen wollen, sagte sie. Die Teilnehmer seien meist richtig gute Schüler, die sich viele Gedanken machten. Und sie fragten auch, was in den versäumten Unterrichtsstunden gemacht werde, um den Stoff eigenständig nachzuholen. Sauer sagte dazu: „Ich finde es toll, dass wir viele junge Menschen haben, die sich Gedanken machen und nicht nur von Party zu Party ziehen. Diese gilt es, zu unterstützen“.

Mehr für Insekten tun

in Versammlungsteilnehmer meinte, dass man viele kommunale Flächen nutzen könne, um zusätzliche Blühstreifen anzulegen und aktiv mehr für den Insektenschutz zu tun. Sauer möchte das Thema aufgreifen.

Der künftige stellvertretende Landrat erklärte auch, dass in der Region mehr für bezahlbaren Wohnraum getan werden müsse. Das regele der Markt nicht von allein. Wenn er beispielsweise Mietpreiserhöhungen in Limburg und Bad Camberg sehe, könne das durch Rentenerhöhungen nie kompensiert werden. Von daher dürften Kommunen nicht ihre Flächen verhökern, sondern selbst entwickeln und bezahlbare Wohnungen nach Bedarf schaffen.

Sauer erklärte auch, dass es für unser Land wichtig sei, künftig wieder zwei große Parteien mit klar unterscheidbaren Programmen zu haben. Doch wenn die SPD mal eigene Gedanken öffentlich mache, berichteten die Medien gleich von Streit in der großen Koalition. Unabhängig von Koalitionsvereinbarungen müsse aber die SPD weiter öffentlich deutlich machen, wofür sie stehe. SPD-Landtagsabgeordneter und –Unterbezirksvorsitzender Tobias Eckert findet Schülerdemos wie „Friday For Future“ wichtig. Leider sei für solche Themen wie Klimaschutz im normalen Lehrplan viel zu wenig Raum. Eckert ist sich sicher: „Unsere Jugend ist nicht unpolitisch. Sie hat nur Probleme mit großen Organisationen.“

Eckert forderte die Bürger auch auf, zur Europawahl zu gehen, weil ein starkes Europa mit Mindestlöhnen und gleicher Besteuerung von internationalen Unternehmen für Chancengleichheit wichtig sei. Die SPD ist laut Eckert dafür, Straßenbeiträge landesweit abzuschaffen. Denn alles andere sei eine Ungleichbehandlung von Bürgern. Das Land müsse dann allen Kommunen eine an Straßenkilometern orientierte jährliche Investitionspauschale zahlen. Eckert forderte auch mehr Respekt für ehrenamtliche Kommunalpolitiker. Denn es sei für unsere Gesellschaft wichtig, dass sich auch künftig Menschen um die Politik vor Ort kümmerten. Sauer meinte, Kritik in sachlicher Form vorgetragen sei natürlich immer willkommen.

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