Die Bürgerinitiative Hengen kämpft seit Jahren gegen den Kalkbruch. Nun gibt es Ärger um ein Gutachten.
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Die Bürgerinitiative Hengen kämpft seit Jahren gegen den Kalkbruch. Nun gibt es Ärger um ein Gutachten.

Wasserversorgung gefährdet?

Kalkbruch Hengen in Beselich: Heftige Kritik an Gutachten

  • vonRobin Klöppel
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Ausschüsse beschließen Stellungnahme und behalten sich rechtliche Schritte vor.

Beselich -Schaefer Kalk gibt in Sachen Schaffung eines neuen Kalkbruchs in der Gemarkung Schupbach im Bereich "Hengen" nicht auf. Nachdem sich eine örtliche Bürgerinitiative und bei einer Bürgerbefragung die klare Mehrheit der Schupbacher Bürger gegen das Projekt ausgesprochen hatte, hatte die Gemeindevertretung dem Verkauf der für die große Lösung benötigten Gemeindeflächen nicht zugestimmt.

Jetzt bastelt das Diezer Unternehmen an einer kleinen Lösung, wozu die Gemeinde Beselich als Träger öffentlicher Belange vom Regierungspräsidium (RP) Gießen gehört wird. Deren Hauptkritikpunkt: Der Kalkabbau könnte die Wasserversorgung im Gemeindegebiet stören. Das von der Gemeinde beauftragte Büro Müller-BBM aus Linsengericht hat nun seine Stellungnahme in einer gemeinsamen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses (HFA) sowie des Umweltausschusses im Bürgerhaus Obertiefenbach vorgelegt. Der Umweltausschuss entschied sich dazu, sich dieser anzuschließen.

Dies tat anschließend auch der HFA, der anstelle der Gemeindevertretung aufgrund der Dringlichkeit endgültig entscheiden durfte, einstimmig. Laut Beschluss betrachtet die Gemeinde die Stellungnahme aber nur als vorläufig und behält sich rechtliche Schritte zum Thema Auswirkung des Abbaubetriebs auf die Trinkwasserversorgung vor.

Der Schwerpunkt der Ausschussberatungen lag auf dem hydrogeologischen Gutachten. Denn es ist nach Auffassung der Abgeordneten nicht auszuschließen, dass sich das Projekt von Schaefer Kalk gerade für die Ortsteile Ober- und Niedertiefenbach als sehr problematisch für die künftige Trinkwasserversorgung erweisen könnte. Michael Kortner vom Büro Müller-BBM kritisierte, dass die Aussagen dazu im Gutachten von Schaefer Kalk nach wie vor nicht messtechnisch belegt seien, sondern alleine aus Erfahrungen im Steinbruch "Schneelsberg" zwischen Steeden und Hofen beruhen würden.

Aussagen müssen

hinterfragt werden

Der Sachverständige stellte klar, das die Aussagen zur Schutzfunktion und Dichte des Kalksteins hinterfragt werden müssten. Die Konsequenz einer fehlerhaften Einschätzung liege, so Kortner, darin, dass Einflüsse von außen ungefiltert ins Trinkwasser eindringen könnten. "Wünschenswert wäre hier ein weiterer Prüfantrag durch die genehmigende Behörde im weiteren Verlauf des Verfahrens." Die Behörde sollte hier, so Kortner, eigenen Sachverstand einbringen. Derzeit befinde sich das Verfahren immer noch in der Prüfung der Vollständigkeit.

Verärgert zeigten sich die Ausschussmitglieder darüber, dass derselbe Gutachter von Schaefer Kalk ohne neue Erkenntnisse seine klaren Aussagen zum Ausschluss von Auswirkungen aus dem ersten Gutachten im überarbeiteten Gutachten relativiert habe. Dies geschah, nachdem die Gemeinde diese im Januar durch das Büro Müller-BBM hatte überprüfen lassen und eine entsprechende Stellungnahme an das RP abgegeben hatte. SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Jahn kritisierte deutlich: "Am 30. Januar waren Auswirkungen ausgeschlossen." Jetzt werde das alles wieder relativiert und das neue Statement laute: "Gucken wir mal, was passiert - und wenn etwas passiert, müssen wir eben reagieren."

Der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste Beselich, Bernd Litzinger, monierte, "dass es sich wie ein roter Faden durch alle Gutachten durchzieht, dass Messdaten nicht vorgelegt werden". Der Vorsitzende des Umweltausschusses, Andreas Geis (CDU), ärgerte sich darüber, dass der Schaefer-Gutachter seine Bewertung ohne neue Erkenntnisse einfach abgeändert hatte. "Wie geht der Regierungspräsident mit der Glaubwürdigkeit eines solchen Gutachters um?"

Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Dr. Theo Schneider, stellte kritisch fest: "Der Gutachter hat sich hier wohl ertappt gefühlt." Und Thomas Eller (CDU) schimpfte: "Hier fühlen wir uns als Gemeinde nicht ernstgenommen."

Die Firma Schäfer Kalk hatte ihre ersten Antragsunterlagen grundlegend überarbeitet und am 24. April beim Regierungspräsidium wieder neu eingereicht. Das RP hatte der Gemeinde Beselich zunächst eine Frist zur Stellungnahme bis zum 8. Juni gesetzt. Da die Gemeindevertreter aber bis dahin die Unterlagen noch nicht weitergeleitet bekommen hatten, konnte Bürgermeister Michael Franz (parteilos) beim RP eine Fristverlängerung bis nach der Ausschusssitzung erreichen.

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