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Anwohner beklagen den Gestank, der vom Kompostwerk Niederstein-Nord ausgeht.

Beselich

Kompostwerk: In Heckholzhausen stinkt es

Der Gestank, der vom Kompostwerk Niederstein-Nord ausgeht und von dem vor allem die Bürger von Heckholzhausen seit Jahren die Nase mehr als voll haben, soll spätestens Mitte 2019 deutlich weniger sein. Bis dahin soll die gesamte Anlage komplett eingehaust werden. Der Landkreis lässt sich das rund drei Millionen Euro mehr kosten.

Den Heckholzhausern stinkt die Kompostieranlage vor den Toren des Ortes – und zwar mächtig. Das machten die knapp 40 Bürger deutlich, die zur Info-Veranstaltung am Donnerstagabend gekommen waren. Eingeladen hatten die Gemeinde Beselich und der Landkreis Limburg-Weilburg. Die Verantwortlichen wollten darüber berichten, wie man dem Gestank Herr werden will, der seit Jahrzehnten die Heckholzhauser, gelinde gesagt, stinkig macht.

Von akutem Brechreiz, berichteten die Zuhörer, von Beschwerdeanrufen beim Regierungspräsidium, die ins Leere liefen, und von ihrer Hoffnungslosigkeit, dass sich an der Situation jemals etwas ändern wird. Aber es werde sich etwas ändern, kündigte Helmut Jung an, der Erste Kreisbeigeordnete. Der Landkreis habe sich bei der anstehenden und vom Regierungspräsidium geforderten Ertüchtigung der Anlage für die große – und teure – Lösung entschieden. Will heißen: Die gesamte Anlage wird mit einem geschlossenen Gebäude überbaut. Die Abluft wird deutlich intensiver gefiltert und die Arbeitsabläufe werden so verändert, dass das Material stärker verrottet und damit geruchsärmer ist, bevor es verladen wird.

Außerhalb der Halle soll nur noch grobes und nicht stinkendes Material gelagert werden. Das geruchsintensive feine Material werde unmittelbar nach der Zerkleinerung in die geschlossene Halle gebracht.

Die Kosten für den Landkreis erhöhen sich dadurch von ursprünglich geplanten drei bis vier Millionen Euro auf 6,7 Millionen Euro. Die Erlaubnis dafür wolle er sich am Montag von der Betriebskommission holen, kündigte Kreisbeigeordnete Jung an. Er glaubt, dass es ihm gelingen werde, die Mitglieder von Ausgabe zu überzeugen. Regierungspräsidium, Landkreis und Gemeinde haben jeweils eigene Gutachter engagiert, welche die Planung für die Ertüchtigung des Kompostwerks noch einmal unter die Lupe nehmen.

Ganz geruchsfrei werde die Anlage nie sein, betonte Michael Koch, Geschäftsführer der Herholz-GmbH, der Betreiberfirma des Kompostwerks. Aber sowohl die Intensität des Gestanks als auch die Zeiträume, in denen etwas zu riechen sei, würden sich deutlich reduzieren. Ein Fachbüro habe für fast ganz Heckholzhausen errechnet, dass es nur noch in etwa 85 bis 170 Stunden im Jahr zu einer Geruchsbelästigung kommen werde. Eine Stunde ginge übrigens schon dann in die Statistik ein, wenn es nur sechs Minuten lang stinke.

Vorsichtig kalkuliert könne die dann ertüchtigte Anlage im Juni 2019 in Betrieb genommen werden, erklärte Reiner Hofmann von der mit der Planung beauftragten Redwave Waste GmbH. Vieles hänge davon ab, wann die Baugenehmigung des Regierungspräsidiums vorliege, sagt Koch. Während der etwa halbjährigen Bauphase müsse die Anlage vier Monate lang stillgelegt werden, was nicht im Sommer passieren könne, wenn das meiste Material angeliefert werde.

„Sie müssen noch mindestens ein Jahr mit dieser Anlage leben“, sagte Helmut Jung, der Verständnis für ein „gesundes Misstrauen“ der Bürger zeigte. Um die Belastung bis zur Inbetriebnahme der ertüchtigten Anlage zu reduzieren, sei bis dahin die Menge reduziert worden, die pro Jahr verarbeitet werden darf: von 36 000 auf 25 500 Tonnen pro Jahr. Das sei im Wesentlichen das, was alleine der Landkreis anliefere, so Michael Koch.

Und was passiert, wenn es trotzdem weiter stinkt, wollte ein Zuhörer wissen. Dann bliebe nur die Möglichkeit, die Jahresmenge noch ein weiteres Mal zu reduzieren, antwortete Geschäftsführer Koch.

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