+
Perspektivwechsel: Zehn Wochen lang lernte Lara Müller das Bankenwesen in Ruanda kennen.

Reiz des Sparens

KSK-Studentin leistet Entwicklungshilfe für Banken in Ruanda

Zehn Wochen arbeitete Lara Müller im Auftrag der Kreissparkassen-Stiftung in der ruandischen Hauptstadt Kigali, um beim Auf- und Ausbau des Bankenwesens in dem ostafrikanischen Land mitzuhelfen. Die 21-jährige Frau aus Beselich-Obertiefenbach absolviert derzeit ein duales BWL-Studium. Wie man Menschen, die kein Geld haben, den Spargedanken einpflanzen, an Kreditgeschäfte heranführen und wie in Ruanda das duale Ausbildungssystem etabliert werden kann, darüber sprach Lara Müller mit Redakteurin Anken Bohnhorst-Vollmer.

Zehn Wochen arbeitete Lara Müller im Auftrag der Kreissparkassen-Stiftung in der ruandischen Hauptstadt Kigali, um beim Auf- und Ausbau des Bankenwesens in dem ostafrikanischen Land mitzuhelfen. Die 21-jährige Frau aus Beselich-Obertiefenbach absolviert derzeit ein duales BWL-Studium. Wie man Menschen, die kein Geld haben, den Spargedanken einpflanzen, an Kreditgeschäfte heranführen und wie in Ruanda das duale Ausbildungssystem etabliert werden kann, darüber sprach Lara Müller mit Redakteurin Anken Bohnhorst-Vollmer.

NNP: Kindern und Jugendlichen den Spargedanken nahezubringen, das war der Auftrag, mit dem Sie nach Ruanda gegangen sind. Wie geht das? Sparen, wenn man kaum etwas hat?

LARA MÜLLER: Konkret ist das natürlich schwierig, weil gerade die ländliche Bevölkerung und die Arbeiter kein oder sehr wenig Geld haben. Um leben zu können, bleibt bei den meisten am Ende des Monats nichts übrig. Wenn jeder von ihnen einen Euro im Jahr – das entspricht etwa 1000 Ruanda-Francs – sparen kann, ist das schon viel. Deshalb stimmt es: Bei unserer Arbeit geht es erst mal darum, überhaupt Verständnis für den Spargedanken zu wecken.

Bei einem Euro ist die Verzinsung ja dann auch überschaubar.

LARA MÜLLER: Richtig. Zinsen kennen die meisten Menschen in Ruanda tatsächlich nicht. Dass man Geld hat, das man nicht für den täglichen Bedarf braucht und auf ein Sparkonto einzahlt, ist überwiegend unbekannt.

Und trotzdem soll die Bevölkerung sparen? Worin besteht da der Reiz?

LARA MÜLLER: Wir versuchen klarzumachen, dass Sparen langfristig sinnvoll ist. Deshalb versuchen wir bereits Kindern und Jugendlichen bewusst zu machen, dass man eben nicht dauerhaft von der Hand in den Mund leben muss, sondern auch die eigene wirtschaftliche Zukunft mitgestalten kann. Grundlage dafür ist eine gute Schulbildung und dann eine gute Berufsausbildung. Wir tragen dazu bei, indem wir in Ruanda das duale Ausbildungssystem etablieren und fördern wollen.

Berufsschule und betriebliche Ausbildung wie bei uns?

LARA MÜLLER: Die Berufsausbildung in Ruanda läuft ganz anders als bei uns – jedenfalls im Bankensektor: Wir haben uns bemüht zu zeigen, dass es wichtig ist, während der Ausbildung verschiedene Abteilungen und Arbeitsplätze innerhalb des Betriebs kennenzulernen, auch wenn die Ausbildung in der Regel nur zehn Monate dauert.

In welcher Sprache kommunizieren Sie in Ruanda? Auf Englisch, Französisch oder in der Landessprache Kinyarwanda?

LARA MÜLLER: Überwiegend Englisch und Französisch, das die meisten Bankangestellten in Ruanda verstehen und sprechen. Trotzdem ist es wichtig für uns, Mitarbeiter vor Ort zu haben, die ruandische Wurzeln haben, die landestypischen kulturellen Eigenarten kennen und Kinyarwanda sprechen. Schließlich schulen wir Ausbilder und konzipieren Lehrpläne. Es geht im Bankensektor ja nicht nur um Buchhaltung und Finanzpläne, sondern auch um Kundenservice. Das ist vielen Dienstleistern in Ruanda noch nicht klar. Der Gedanke, dass es auf Servicequalität ankommt, ist noch nicht sehr verbreitet. Geschäftsabschlüsse oder Geldgeschäfte werden anders abgewickelt: Ein Wort zählt, ein Handschlag gilt.

Auch bei Kreditgeschäften?

LARA MÜLLER: Die Kreditgeschäfte in Ruanda spielen sich in ganz anderem Rahmen ab als bei uns. Im Gegensatz zu hier gibt es dort Hunderte von Mikrofinanzinstituten, kleine genossenschaftlich organisierte Banken, sogenannte Saccos. Einige sind spezialisiert und wickeln zum Beispiel nur Geschäfte mit Frauen ab oder sind nur in einem Dorf aktiv. Die meisten Saccos beschäftigen nur einen oder zwei Mitarbeiter.

Rentabel ist das aber nicht, oder?

LARA MÜLLER: Überhaupt nicht. Die Wirtschaftlichkeit ließe sich erheblich steigern, wenn Saccos fusionieren würden. Auch hier versuchen wir zu unterstützen, indem länderübergreifende Treffen von afrikanischen Mikrofinanzverbänden fördern und organisieren. Für den Bankensektor bedeutet dieser Austausch von Ideen und Ressourcen eine Bündelung der Kräfte. Für das Land ist das positiv. Das Projekt, mit dem die Kreissparkasse zur Weiterentwicklung des Bankensektors in Ruanda beitragen will, ist auf fünf Jahre angelegt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare