Feldwegekauf

Schaefer Kalk will um Hengen kämpfen

Auch wenn die Beselicher Gemeindevertretung in anderthalb Wochen einen Verkauf von Feldwegen an die Firma Schaefer Kalk verweigern sollte, werde das Unternehmen den Kampf um den geplanten Kalksteinbruch Hengen nicht aufgeben. Das sagte Geschäftsführerin Heike Horn auf Anfrage dieser Zeitung. Ohne die Feldwege der Gemeinde kann der Steinbruch nicht eröffnet werden.

„Der geplante Steinbruch Hengen ist von so großer Bedeutung für das Werk in Steeden, dass wir auf jeden Fall einen neuen Anlauf machen würden.“ Heike Horn, Geschäftsführerin von Schaefer Kalk, lässt keinen Zweifel daran, dass das Unternehmen um sein Projekt kämpfen wird – auch wenn die Beselicher Gemeindevertretung ihm in ihrer Sitzung am 18. Juni zunächst einmal eine Absage erteilen sollte. Das könnte sie, indem sie den Verkauf von Feldwegen der Gemeinde an Schaefer Kalk verweigert. Ohne die Feldwege mit einem Kaufpreis von etwa 30 000 Euro kann der Steinbruch nicht eröffnet werden. Das ist so und das bleibt wohl auch so, bestätigt Horn. Den Steinbruch irgendwie um die Wege herum anzulegen, sei keine Option. „Da brauchen Sie sich nur einmal die Lage anzuschauen.“

Aus in zehn Jahren

Ohne Feldwege also kein Steinbruch Hengen. Und ohne Steinbruch Hengen kein Werk in Steeden – das hatte die Geschäftsführung von Schaefer Kalk schon vor Monaten deutlich gemacht. Da es in vertretbarer Entfernung zum Werk kein anderes Kalkvorkommen gebe, das abgebaut werden könne, gebe es ohne Hengen in etwa zehn Jahren keine Berechtigung mehr für das Werk in Steeden. Es würde geschlossen, die Arbeitsplätze von rund 70 Menschen aus der Region wären weg. Aber Heike Horn gibt sich kämpferisch: „Wir werden mit Sicherheit ein Werk wie Steeden nicht ohne Weiteres schließen.“ Will heißen, im Zweifel macht Schaefer Kalk einen neuen Anlauf, die Feldwege zu kaufen. Möglich machen das die Hessische Gemeindeordnung (Paragraf 54) und die Geschäftsordnung (Paragraf 15) der Beselicher Gemeindevertretung. Danach kann ein abgelehnter Antrag nach einem Jahr erneut gestellt werden. Eine Option, von der die Firma Gebrauch machen will, bestätigt Horn.

Aus Sicht von Schaefer Kalk sei das wohl nachvollziehbar, sagt Bernd Litzinger, der Vorsitzende der Fraktion der Bürgerliste in der Gemeindevertretung. Für Beselich und die Stimmung in der Bevölkerung wäre das aber „wirklich bedenklich“. Schon jetzt gehe ein Riss durch die Bürgerschaft, „teilweise sogar durch Familien“. Wenn das Thema weiter auf der Tagesordnung bleibe, könnten Wunden nicht heilen und manifestiere sich die Spaltung. „Das wäre das Schlimmste an der Sache und sollte mitbedacht werden.“ Dr. Theo Schneider, Fraktionsvorsitzender der CDU, und sein SPD-Amtskollege Michael Jahn halten sich zum jetzigen Zeitpunkt mit Stellungnahmen zurück. Zunächst wolle er die Bürgerbefragung am kommenden Sonntag abwarten, sagte Schneider. Die sei aufregend genug, ergänzt Jahn.

Hohe Beteiligung erhofft

Schneider hofft auf ein hohe Beteiligung bei der Bürgerbefragung – und auf ein deutliches Ergebnis entweder für oder gegen den Verkauf der Feldwege. Damit liegt er auf einer Linie mit Bürgermeister Michael Franz, der noch ein Stück weiter geht. Er hoffe, dass sich die Gemeindevertretung bei einem deutlichen Ergebnis auch an den so artikulierten Bürgerwillen in der Gesamtgemeinde halte. Grundlage sei allerdings eine hohe Beteiligung bei der Abstimmung. Franz spricht von mindestens 25 Prozent der Abstimmungsberechtigten. Deshalb habe er vorgeschlagen, die Bürgerbefragung gemeinsam mit der Landtags- und Landratswahl im Oktober durchzuführen. So wäre eine hohe Beteiligung einigermaßen sicher gewesen. Zur Ankündigung von Schaefer Kalk wollte Franz zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.

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