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Kurz nach 17 Uhr zündete das Unternehmen im Steinbruch Schneelsberg 2603 kg Spengstoff.

Schaefer Kalk

Sprengung zum Hören und Fühlen

Aus etwa 750 Metern Entfernung konnten Besucher am Freitag eine Sprengung im Steinbruch Schneelsberg Nordost verfolgen. Das Angebot kam von der Firma Schaefer Kalk, deren geplanter Steinbruch Hengen bei Schupbach auf Widerstand trifft. Die Bürger sollten sich so einen Eindruck von den zu erwartenden Geräuschen und Erschütterungen machen können.

Es hatte was von Volkswandertag: Bei strahlendem Wetter trafen sich 70 gut gelaunte Menschen, darunter viele Kinder, auf freiem Feld. Der Treffpunkt lag etwa 750 Meter von dem Punkt im Steinbruch Schneelsberg Nordost, wo gegen 17 Uhr eine Sprengung angesagt war.

780 Meter soll – wenn es nach Schaefer Kalk geht – einmal die kürzeste Distanz zwischen dem geplanten Steinbruch Hengen bei Schupbach und den nächsten Wohnhäusern sein. Und da in der Bevölkerung Sorge vor den zu erwartenden Begleiterscheinungen herrscht, sollten sie sich schon einmal einen Eindruck verschaffen können, was im Falle des Falles auf sie zukäme. Einen Teil der Gruppe hatte es noch näher an den Steinbruch herangezogen. Sie wollten die Sprengung von einem Aussichtspunkt aus beobachten, die an der anderen Stelle nur zu hören sein wird.

Eine Vorentscheidung, ob der geplante Steinbruch tatsächlich eröffnet werden kann, fällt am 18. Juni. Dann entscheidet die Beselicher Gemeindevertretung, ob die Gemeinde unbedingt benötigte Flächen an Schaefer Kalk verkauft. Die Bevölkerung ist in dieser Frage gespalten. Während die einen eine Zerstörung des Landschaftsbildes verhindern wollen und vor Lärm, Staub und Schäden durch die Erschütterungen warnen, wollen die anderen die Arbeitsplätze in der Region erhalten und sehen nicht zuletzt die finanziellen Vorteile für die Gemeinde. Als aus dem Funkgerät eines Mitarbeiters von Schaefer Kalk zu hören ist, wie abgefragt wird, ob die Wege rund um den Steinbruch „sicher“, also menschenleer sind, wird es ganz still. Alle lauschen, alle warten auf den großen Knall. Der kommt dann auch und ist gewaltig. Er kommt aus 39 Bohrlöchern mit einer Tiefe von 11,5 Metern. In jedem Bohrloch stecken bis zu 80 Kilo Sprengstoff. Der Rums vom Freitag hat rund 16 000 Tonnen Gestein gelöst. So beeindruckend der Knall ist, so schnell ist er auch wieder vorbei.

„Ich habe keine Erschütterung gespürt“, sagt hinterher Beselichs Bürgermeister Michael Franz, der sich selber einen Eindruck verschaffen will. Es sei gut, dass Schaefer Kalk diese Möglichkeit angeboten habe. Außer ihm sind nur drei Gemeindevertreter da, allerdings ist ein Termin um 17 Uhr für Werktätige nur schwer einzurichten. Auch die Bürgerinitiative ist nur schwach vertreten. Imke Sanders-Seidler ist weniger von dem Knall als von der Nähe des Steinbruchs beeindruckt. „Ich hatte nicht erwartet, dass Hengen so nah sein könnte“, sagt sie. Die Geräusche durch die Sprengung an sich seien nicht so dramatisch, die seien ja auch jeweils schnell vorbei. Aber die Arbeiten im Steinbruch anschließend seien störend. Das Beladen der Lkw und der Abtransport des Gesteins sorgten für einen dauerhaften Geräuschpegel.

Der war auch vor Ort hörbar, Schaefer Kalk führte seine Besucher dazu an den schon erwähnten Aussichtspunkt direkt über dem Steinbruch. „Wir wollen nichts verschweigen, natürlich ist ein Steinbruch mit Emissionen verbunden“, sagte Geschäftsführerin Heike Horn. Aber womöglich stellten die Besucher an diesem Tag auch fest, dass die Belästigungen nicht so dramatisch sind, wie mancher sich das ausgemalt habe. Zudem arbeite man daran, die Geräusche weiter zu reduzieren. So solle das durchdringende Gepiepse, das die Lkw beim Rückwärtsfahren machen, durch ein Schnarren ersetzt werden. Die Ladeflächen sollen sukzessive mit Gummi ausgekleidet werden. Entsprechende Gespräche mit den beauftragten Firmen liefen schon, sagt Horn. Sie stand, wie auch ihr Geschäftsführer-Kollege Kai Schaefer während und nach der Sprengung für Fragen zur Verfügung.

Gemeindevertreterin Clara Klankert (CDU) tut sich auch nach der Sprengung schwer mit der Entscheidung für oder gegen den Verkauf der Flächen an Schaefer Kalk. „Ich kann nur hoffen, dass sich viele Beselicher an der Bürgerbefragung – aus allen Ortsteilen – beteiligen werden.“ Das Ergebnis werde wohl für viele ihrer Kollegen den Ausschlag geben.

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