Vierspuriger Ausbau der B49

Start für die neue Brücke

Die Arbeiten an der Limburger Lahntalbrücke werden täglich von Tausenden Augen beobachtet, was sich dagegen im Kerkerbachtal etwas abseits der B49 vollzieht, geschieht nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nur der hoch aus dem Tal ragende Baukran ist von der Bundesstraße zu sehen.

Mit 53 Millionen Euro ist es der teuerste Abschnitt des vierspurigen Ausbaus, der derzeit zwischen der Mülldeponie in Beselich und der Kläranlage in Allendorf gebaut wird. Die neuen Fahrbahnen führen schon von beiden Seiten in Richtung Kerkerbachtal. Allerdings klafft zwischen den beiden Enden noch eine erhebliche Lücke, die durch eine Brücke über den Bach geschlossen werden soll. Die Kosten allein für das Brückenbauwerk beziffert Projektleiter Roland Schön von Hessen Mobil auf 13,5 Millionen Euro.

Es ist nicht nur der teuerste Abschnitt des vierspurigen Ausbaus im Landkreis Limburg-Weilburg, sondern auch der einzige, der sich von der bestehenden Trasse entfernt. Die übrigen Abschnitte zwischen Ahlbach und Löhnberg sind jeweils entlang der alten Trasse auf vier Spuren ausgebaut worden. Es gibt einen guten Grund für die Verlegung, die Bewohner von Heckholzhausen sollen vor dem Verkehrslärm geschützt werden, deshalb wird die neue Brücke mit einem Abstand von 700 Metern zum Dorf gebaut. Der Abstand ist so groß, dass das Bauwerk ohne Lärmschutz auskommt.

Das neue Bauwerk wird sich dem umgebenden Gelände stärker angepassen als die alte Brücke. 275 Meter wird das Bauwerk von Widerlager zu Widerlager lang und es verläuft in einer leichten Kurve. Die einzelnen Brückenfelder werden zwischen 46 und 65 Meter lang sein, die Brücke wird einmal 30,6 Meter breit sein und ein Quergefälle von fünf Prozent aufweisen. Die Fahrbahn wird in einer Höhe von maximal 23 Metern über dem Tal verlaufen. Die bestehende Brücke am Ortsrand von Heckholzhausen weist eine maximale Höhe von rund 30 Metern auf. Seit Angang der 1960er Jahre dient sie dem Verkehr. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten die Fahrzeuge auf der Bundesstraße durch den Ort.

Der Überbau der neuen Brücke wird als Trog ausgebildet, der eine Außenhöhe von 3,15 Meter aufweisen wird. Auch diese Brücke wird ebenso wie die Autobahnbrücke über das Lahntal aus zwei getrennten Trögen bestehen. Jeder Trog ruht auf rechteckigen Pfleilern. Sechs Achsen gibt es, die jeweils aus vier Pfeilern bestehen.

Nach Angaben von Andreas Göltl von Hessen Mobil sind aufwendige Gründungsarbeiten notwendig, um den Pfeilern und Widerlagern die notwendige Standfestigkeit zu geben. Bis zu 30 Meter tief reichen die Gründungspfähle in das Erdreich, das ist in dem Bereich der Brücke sehr unterschiedlich. „Fels, toniger Boden, geschichtetes Material, das ist alles zu finden“, macht Göltl deutlich. Die schwierigen Bodenverhältnisse waren mit den Bohrungen, die im Vorfeld unternommen wurden, allerdings schon klar.

Die Gründungsarbeiten werden noch bis ins Frühjahr hinein andauern, so Roland Schön. Für die einzelnen Pfeilerachsen seien ganz unterschiedliche Anzahlen an Bohrpfählen notwendig, die Gründung für drei Pfeilerachsen steht noch aus.

Auf der Schupbacher Seite sind die Arbeiten schon weiter vorangeschritten. Dort laufen die Arbeiten für das Widerlager der Brücke. Der Standort für das Widerlager auf der anderen Seite des Kerkerbachs ist ebenfalls schon vorbereitet, allerdings ist dort noch kein Beton geflossen.

Zwischen Pfeilern und Überbau werden Lager aus Stahl zum Einsatz kommen, anders als an der neuen Lahntalbrücke, an der die Pfeiler fest mit dem Überbau verbunden werden. Die neue Kerkerbachtalbrücke, so machen es Göltl und Schön deutlich, wird in einem

Taktschiebeverfahren

errichtet. Auf der Schupbacher Seite wird jeweils ein 36 Meter langes Stück Überbau betoniert und dann mit hydraulischer Kraft verschoben. Der „Arbeitsplatz“, um die einzelnen Abschnitte zu fertigen, ist vorbereitet.

Nach Angaben der Mitarbeiter von Hessen Mobil werden die Arbeiten den Verkehr auf dem Radweg durch das Kerkerbachtal nicht oder nur wenig beeinträchtigen. Der Weg verläuft zwar mitten durch die Baustelle, muss aber offen gehalten werden, da über ihn auch die Kläranlage von Heckholzhausen erreicht wird.

Um die Lücke über den Kerkerbach, den die schweren Baumaschinen derzeit mit Hilfe eines provisorischen Übergangs überqueren, zu schließen, werden die bereits fertig gestellten Fahrbahnen als Baustraßen und damit zur Anlieferung genutzt. Nach Angaben von Sonja Lecher von Hessen Mobil soll die neue Brücke im

Frühjahr 2018

für den Verkehr freigegeben werden. Der Verkehr wird erst dann über das Bauwerk laufen, wenn beide Fahrbahnen zur Verfügung stehen. Bis dahin muss die alte Brücke über das Kerkerbachtal noch ihre Aufgabe erfüllen.

Das Brückenbauwerk und die Verlegung der B-49-Trasse hat auch Auswirkungen auf die Straße zwischen Schupbach und Heckholzhausen. Sie wird im Bereich der Brücke von ihrem bisherigen Verlauf abweichen. jl

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