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"Verkehrssicherheit ist nicht diskutabel"

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Von: Robin Klöppel

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Bürgermeister Michael Franz (links) war sauer. Bürger sollen seinen Aussagen nach Krawall angedroht haben.
Bürgermeister Michael Franz (links) war sauer. Bürger sollen seinen Aussagen nach Krawall angedroht haben. © Robin Klöppel

Bürgermeister Franz sauer nach Drohung

Beselich -123 Festmeter Buchen hat HessenForst als Forst-Dienstleister der Gemeinde Beselich im Naherholungsgebiet auf dem Beselicher Kopf im Bereich des Sportplatzes Niedertiefenbach gefällt. Da den Bürgern die Hintergründe nicht bekannt waren, hat dies zu großem Unmut bei Teilen der Bevölkerung geführt. Darum fand Donnerstag gegen Abend ein Ortstermin satt, zu dem der örtliche Heimat- und Verschönerungsverein eingeladen hatte. "Den hatten wir dem Vorsitzenden René Keul angeboten", sagte Bürgermeister Michael Franz (CDU).

Es war auch eine große Abordnung von HessenForst präsent, die den zahlreich erschienenen kritischen Bürgern die Hintergründe der Maßnahme erläuterte. Bürgermeister Franz zeigte sich zu Beginn der Veranstaltung verärgert über die Art und Weise der geäußerten Kritik. Er lasse es nicht zu, dass seine Mitarbeiter als "Mörder" bezeichnet würden und ihm Internet zu Krawallen aufgerufen werde. Franz findet es unakzeptabel, wenn Leute, die weder Forstwirtschaft studiert hätten noch die Hintergründe der Baumfällung kennen würden, Mitarbeiter der Verwaltung und von HessenForst auf solch extreme Weise angehen würden. Er habe sogar überlegt, aufgrund von Drohungen die Behörden einzuschalten.

Franz gab sich aber auch selbstkritisch und sicherte den Bürgern zu, bei künftigen Maßnahmen die Bevölkerung vorher zu informieren, insofern das zeitlich möglich sei. "Ich habe aber vollstes Vertrauen in die Arbeit von HessenForst", betonte Franz. Ohne den Forstdienstleiter würde der Beselicher Wald nicht so gut aussehen.

Baum stürzt

aufs Vereinsheim

Es sei aber auch wichtig, der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Was kranke Bäume anrichten könnten, habe man letzte Woche gesehen, als bei Sturm ein Baum in das Vereinsheim des Musikzuges Heckholzhauen gefallen sei und großen Schaden angerichtet habe. Dr. Henrik Horn, Leiter des Forstamtes Weilburg, zeigte sich froh, mit den Bürgern in direkten Dialog treten zu können. Horn sagte, dass sich die Zeiten einfach geändert haben und die Menschen von früher vieles nicht gewohnt seien. "Als ich studiert habe, war der Klimawandel auch noch weit weg", sagte der Forstamtsleiter.

Doch dann komme es plötzlich zu drei extremen Sommern in Folge. "Drei Trockenjahre gehen an unseren Wäldern nicht spurlos vorüber", erklärte Hendrik Horn. Selbst stolzen Buchen machten diese Probleme. Aktuell schlage HessenForst darum auch kaum Frischholz ein, weil man überwiegend damit beschäftigt sei, sich um die Verkehrssicherung zu kümmern und Schadholz aus den Wäldern zu schaffen. So stellte der Forstamtsleiter klar, dass die Buchen in Niedertiefenbach nichts aus wirtschaftlichen Gründen gefällt worden seien. Die Buchen hätten einfach Sonnenbrand bekommen, den sie nicht verkraftet hätten. Dann seien Pilze in die Buchen eingedrungen und diese dadurch kaputtgegangen.

Revierförster Hubertus Ruttmann erinnerte daran, dass im Spätsommer letzten Jahres schon einmal Bäume in diesem Gebiet aus Verkehrssicherungsgründen hätten entfernt werden müssen, "wenn auch nicht in diesem Ausmaß". Das große Problem sei die Südosthanglage. Hier brenne die Sonne. Wenn eine Tagestemperatur von 40 Grad zu verzeichnen sei, könnten die Stämme bis zu 70 Grad heiß werden. "Die Pilze haften sich an und zerstören dann die Bäume", so der Revierförster. Mittlerweile laufe der Verfall viel schneller als aus früheren Zeiten gewohnt. Früher habe es mehrere Jahre gedauert, mittlerweile teils nur noch wenige Monate, berichtete Ruttmann. Der Revierförster versicherte, dass hier habe schnell gehandelt werden müssen. "Hier sind schon Äste heruntergefallen", sagte er.

In diesem Bereich würden sich täglich Dutzende von Menschen aufhalten, Sportler, Spaziergänger und Besucher des Friedhofes. "All diese Menschen haben ein Anrecht auf Sicherheit", sagte Ruttmann: "Hier war drei Tage Sturm. Folglich hätten Autos beschädigt werden und auch Menschen verletzt werden können. Wer soll dafür die Verantwortung übernehmen?"

Jürgen Stroh von HessenForst meinte in Richtung der Bürger, dass er verstehen könne, dass es nicht gerne gesehen werde, wenn sich das Ortsbild verändere, "aber Verkehrssicherheit ist nicht diskutabel". Jeder Waldbesitzer sei für seine Bäume verantwortlich. Bürgerliste-Gemeindevertreter Norbert Bandur wollte wissen, wie es denn mit dem Wald hier weitergehe. Ruttmann sagte, dass jetzt erst einmal Stopp sei, doch auch in Zukunft die Bäume weiter im Auge behalten werden müssten. Horn sagte, dass bereits natürliche Verjüngung erkennbar sei. robin klöppel

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