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Georg Leber (Dritter von rechts) bei einem Besuch in der Obertiefenbacher Heimatstube im Jahr 1998.

Bundesminister in vielen Funktionen

Von Beselich in die Sphären der hohen Politik

Georg Leber wäre am Mittwoch 100 Jahre alt geworden. Heimatstube Obertiefenbach erinnert an sein Leben.

Beselich -Am Mittwoch, 7. Oktober, würde der wohl bekannteste Sohn Obertiefenbachs beziehungsweise Beselichs 100 Jahre alt werden: Georg Leber wurde am 7. Oktober 1920 in Obertiefenbach geboren und starb am 21. August 2012 in Schönau am Königssee. Er war Gewerkschaftsführer und SPD-Politiker sowie Bundesverkehrsminister (1966-72), Bundespostminister (1969-72), Bundesverteidigungsminister (1972-78) und Bundestagsvizepräsident (1979-83).

Leber wurde als Sohn des Maurers Jakob Leber und der Hausfrau Elisabeth, gebürtige Geis, in der Steinbacher Straße 126 in Obertiefenbach geboren und wuchs dort auf. Er besuchte die Volksschule von 1927 bis 1935 in Obertiefenbach und gehörte der katholischen Konfession an. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und anschließend eine Maurerlehre. Im Zweiten Weltkrieg war er von 1939 bis 1945 Funker bei der Luftwaffe, zuletzt als Unteroffizier.

Nach 1945 arbeitete er im Baugewerbe und trat 1947 der Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden bei. 1949 wurde er hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär in Limburg. Im Juli 1952 wurde er in den Hauptvorstand dieser Baugewerkschaft berufen und war von 1955 bis 1957 Zweiter Vorsitzender sowie schließlich von Oktober 1957 bis 1966 deren Bundesvorsitzender. Zudem war er Mitglied des Bundesvorstands des Deutschen Gewerkschaftsbundes und des geschäftsführenden Vorstands des Internationalen Bundes der Bau- und Holzarbeiter sowie Präsident des gemeinsamen Ausschusses der Gewerkschaften in der Bau- und Holzwirtschaft in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

Ein herausragendes Ereignis in seiner Gewerkschaftstätigkeit war der Besuch des US-Präsidenten J. F. Kennedy am 26. Juni 1963 auf dem außerordentlichen Gewerkschaftstag der Bau-Steine-Erden in West-Berlin. Dort überreichte Leber dem überraschten Kennedy einen Blumenstrauß von den Genossen aus Ost-Berlin, obwohl sie seit August 1961 die Berliner Mauer trennte. Anschließend fuhr der US-Präsident zum Rathaus Schöneberg, wo er bei seiner Rede das Zitat "Ich bin ein Berliner" aussprach.

Leber war von 1957 bis 1983 Mitglied des Deutschen Bundestags. Von 1961 bis 1966 war er Mitglied des SPD-Fraktionsvorstandes, von 1979 bis 1983 Bundestagsvizepräsident. Vom 27. Februar 1958 bis zum 25. Februar 1959 war er zugleich Mitglied des Europäischen Parlaments. Am 1. Dezember 1966 übernahm er das Amt des Bundesministers für Verkehr. In dieser Zeit entstand der umgangssprachlich nach ihm benannte "Leber-Plan", der die Verlagerung des Transports von Massengütern von der Straße auf die Bahn vorsah. Das Amt als Bundesverkehrsminister behielt er auch nach Bildung der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt im Oktober 1969. Im Kabinett Brandts leitete er in Personalunion auch das Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen. Am 7. Juli 1972 übergab er beide Ministerien an Lauritz Lauritzen und wurde Nachfolger von Helmut Schmidt als Bundesminister der Verteidigung.

Zum Ehrenbürger

ernannt

Georg Leber heiratete 1943 Erna-Maria Wilfing. Aus dieser Ehe stammt sein Sohn Manfred. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete er 1985 Katja Vojta. Leber wohnte zuletzt in Schönau am Königssee im Berchtesgadener Land. Sein Hobby war das Malen. In der Städelschule in Frankfurt befasste der sich insbesondere mit dem Impressionismus. Seine letzte Ruhestätte fand Georg Leber auf dem Bergfriedhof von Berchtesgaden.

Neben hohen nationalen und internationalen Auszeichnungen ernannte ihn die Gemeinde Obertiefenbach im Juni 1969 zu ihrem Ehrenbürger. Während seiner Auszeichnung in der Mehrzweckhalle fuhren hunderte von Laster in einem Korso durch den Ort, um gegen den "Leber-Plan" zu protestieren.

Die Gemeinde Beselich gab nach einstimmigem Beschluss der Gemeindevertretung und nach Zustimmung des Kreisausschusses des Landkreises Limburg-Weilburg der Sporthalle Obertiefenbach am 12. Dezember 2015 den Namen "Georg-Leber-Halle" und würdigte damit posthum die Verdienste des verstorbenen Ehrenbürgers ihrer Gemeinde. Georg Leber hat nie die Verbindungen zu seinem Heimatort abbrechen lassen. Bei seinem Bruder Willibald und seiner Familie war er häufig zu Besuch.

Besonders nahe stand Leber dem Sängerchor Frohsinn (SCF), in dem er bereits in jungen Jahren Mitglied war. So stand er als Gewerkschaftschef an Fastnacht 1966 bei einer Kappensitzung des SCF auf der Bühne mit der damals in Obertiefenbacher wohnenden jungen Sängerin Mary Roos. Die Heimatstube Obertiefenbach besuchte er im Jahr der Neueröffnung 1998 und überließ einige interessante Exponate. Das letzte Mal trat er in seinem Heimatort in der Öffentlichkeit beim Fest zum 125-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr im Juli 2005 auf.

Bonner Politik zu

Besuch in der Heimat

Vielen Obertiefenbachern ist sein 60. Geburtstag, den er am 7. Oktober 1980 in der Mehrzweckhalle feierte, in bleibender Erinnerung. Die große Bonner Politik (darunter Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Hans Apel, Richard von Weizäcker, Richard Stücklen), die Hessische Landesregierung (Ministerpräsident Holger Börner mit fünf Ministern und Albert Osswald), führende Gewerkschafter, Bundeswehr-Generäle und -Stabsoffiziere, Vertreter von Wirtschaft, Medien und Kirche, Kommunalpolitiker und Schulkameraden waren neben seiner Familie und Verwandten zugegen. In seiner Dankesrede ging er auf die Verbindung der vielen bekannten Gäste zu seinem Heimatort wie folgt ein: "Zehntausende Mal bin ich in meinem Leben gefragt worden, jetzt zu meinem 60. zeige ich denen mal, wo Obertiefenbach liegt."

Die Heimatstube Obertiefenbach bietet eine Vielzahl von Exponaten zum Obertiefenbacher Ehrenbürger in ihrer Ausstellung, wie Presseartikel, Bulletins, Briefe an Leber von internationalen Persönlichkeiten sowie Fotos und verliehene Auszeichnungen. red

Öffnungszeiten

Die Obertiefenbacher Heimatstube "Alte Schule", An der Kirche 7, ist an jedem zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet; das nächste Mal am Sonntag, 11. Oktober.

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