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Betten, die nie benutzt wurden

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Von: Sebastian Semrau

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Mittlerweile sind die Feldbetten in der Halle in Dietkirchen wieder abgebaut. Genutzt wurden sie in den drei Monaten nicht.
Mittlerweile sind die Feldbetten in der Halle in Dietkirchen wieder abgebaut. Genutzt wurden sie in den drei Monaten nicht. © Stefan Dickmann

Zahl der Ukraine-Flüchtlinge in Limburg und Umgebung sinkt. Auch Kommunen profitieren von sinkenden Zahlen.

Limburg-Weilburg -Noch am 18. März sollte alles ganz schnell gehen: Das Land Hessen hatte damals dem Landkreis Limburg-Weilburg ganze vier Tage Zeit gegeben, um eine Notunterkunft für bis zu 1000 Geflüchtete zu errichten. Dass der Kreis dann ein paar Tage länger brauchte, um neben 955 Feldbetten auch sanitäre Anlagen und Zelten zum Essen aufzubauen, war am Ende auch völlig egal. Denn gut drei Monate später verschwinden nun schon die Reste der Unterkunft aus dem Gebäude in Dietkirchen, in dem vorher das große Impfzentrum des Kreises untergebracht war. Geschlafen hat den Feldbetten übrigens nie jemand. Und weil die Einrichtung nie in Betrieb gegangen ist, war das mit der Erstaufnahme in Hessen beauftragte Regierungspräsidium Gießen auch nie zuständig, wie dessen Sprecher Thorsten Haas berichtet.

"Nach derzeitigem Stand brauchen wir die Unterkunft nicht", sagt Haas. Die hessische Erstaufnahmeeinrichtung habe eine Kapazität für 7203 Menschen, davon seien aktuell nur 2663 belegt. Dazu kommen 1000 Plätze in Alsfeld im Vogelsbergkreis, von denen 334 belegt sind. Dies ist die einzige Notunterkunft, die auf Geheiß des Landes errichtet worden ist und weiterhin in Betrieb bleibt.

Das Land begründet dies mit zurückgehenden Zugangszahlen ukrainischer Kriegsflüchtlinge. Schon Mitte Mai habe man darüber informiert, dass zum 11. Juni die Notunterkünfte in Sporthallen geschlossen werden, sagt Benjamin Crisolli , Sprecher des hessischen Innenministeriums. Die Einrichtung im Landkreis Limburg-Weilburg wurde weiter als Puffer und im ,Standby-Modus' vorgehalten." Was das gekostet hat - das Land zahlt - könne er noch nicht mitteilen, erklärt Crisolli.

Da der weitere Kriegsverlauf nicht prognostizierbar sei, könne er auch noch nicht sagen, ob die Notunterkünfte noch einmal gebraucht werden. Man erinnere sich nur an die Impfzentren, die Ende des Sommers 2021 geschlossen wurden und schon bald wieder neu eröffnet werden mussten. Von der Notunterkunft in Dietkirchen auf jeden Fall ist schon fast nichts mehr übrig. Der Mietvertrag mit dem Eigentümer endet zudem nach Angaben von Kreissprecher Jan Kieserg bereits am 30. Juni. Sie weiter für Kreiszwecke zu nutzen, "geben die Zahlen nicht her".

2200 Ukrainer

im Kreis registriert

Insgesamt sind nach Angaben der Kreisverwaltung bisher rund 2200 Geflüchtete aus der Ukraine im Landkreis Limburg-Weilburg registriert worden. 159 von ihnen haben laut Jan Kieserg den Kreis bereits wieder verlassen. Aktuell würden dem Kreis pro Monat rund 80 weitere Flüchtlinge zugewiesen. Die Hälfte davon übernehme der Kreis selbst, die anderen werden den Kommunen zugeteilt, im Wesentlichen nach der Einwohnerzahl. Bei der Verteilung werde ebenfalls berücksichtigt, welche Vorleistungen von der Kommune bereits geleistet wurden, beispielsweise durch in Privathaushalten untergebrachte Flüchtlinge oder bereits bestehende Gemeinschaftsunterkünfte. Diese Kooperation verlaufe größtenteils reibungslos, berichten Landrat Michael Köberle (CDU) und der Fachdienstleiter Migration des Landkreises, Dirk Schmidt.

Am Ende müssten die Städte und Gemeinden aber selbst entscheiden, wie sie die zugewiesenen Flüchtlinge unterbringen. Das könnten auch Containerlösungen sein, wenn die Container offiziell genehmigt seien. Die meisten Flüchtlinge seien allerdings privat untergekommen. Etwa 300 Personen würden nach derzeitigem Stand in Gemeinschaftsunterkünften der Kommunen und des Landkreises leben. Insgesamt bezeichnet Schmidt die aktuelle Lage als relativ entspannt. Der Landkreis musste in den Monaten davor mit deutlich höheren Zahlen umgehen, bis zu 100 zugewiesenen Flüchtlingen pro Woche.

Er hat sich auch selbst um weitere Gemeinschaftsunterkünfte gekümmert und betreibt beispielsweise über die kreiseigene GAB die Unterkunft in der Weilburger Jugendherberge. Dort gibt es 70 Plätze, von denen derzeit 34 belegt sind. Es leben dort ausschließlich Personen aus der Ukraine. "Die angekündigten 18 Personen, die dem Landkreis am Dienstag zugewiesen werden, sind ebenfalls für diese Jugendherberge vorgesehen", sagte Kreissprecher Kieserg gestern.

Eichelberghalle genutzt,

sonst Leerstand

Für die Kommunen bedeutete die Flüchtlingszuweisung ebenfalls einer Herausforderung. Einige richteten auch Dorfgemeinschaftshäuser zur Unterbringung her. Wirklich von Geflüchteten genutzt wird die Eichelberghalle in Aumenau. "Dort waren maximal 26 Personen, immer große Familien, untergebracht", berichtet Villmars Bürgermeister Matthias Rubröder (CDU). Die Kommunen sei weiter auf der Suche nach Wohnungen oder Häusern, um die Menschen dort unterbringen zu können. "Wir hoffen, die Unterbringung in der Eichelberghalle bis Ende Juli auflösen zu können", sagt Matthias Rubröder.

Denn natürlich haben die kommunalen Gebäude eigentlich einen anderen Zweck. Das sieht auch Waldbrunns Bürgermeister Peter Blum (parteilos) so. Dort wurde Mehrzweckhalle in Hintermeilingen zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert, allerdings nie als solche genutzt. "Wir hatten sonst keine andere Möglichkeit", verweist Peter Blum auf die deutlich höher erwarteten Zahlen. Nun wolle man die nächste Monatsmeldung abwarten, um dann zu entscheiden, ob man die Notunterkunft wieder abbaue.

In Hadamar ist man diesen Schritt bereits gegangen. Die Mehrzweckhalle in Niederzeuzheim sei bereits wieder leergeräumt, sagt Bürgermeister Michael Ruoff (CDU). "Vereine, Dorfgemeinschaft und Grundschule können sie wieder nutzen." Auch die Niederzeuzheimer Mehrzweckhalle war nie belegt. Dennoch sieht Michael Ruoff auch positive Effekte. "Es war wie eine Katastrophenschutz-Übung." Einige Dinge habe man angeschafft, alles eingelagert. "Wir können die Notunterkunft in drei Tagen wiederherstellen."

So weit soll es allerdings nicht kommen. Hadamar habe sein Soll bisher privat erfüllt, berichtet Bürgermeister Ruoff. Dazu komme, dass das Wohnhaus des ehemaligen Wasserwerkers für bis zu 15 Personen hergerichtet worden sei. Und auch eine städtische Wohnung sei frei.

Damit ist man zumindest auf leicht steigende Zahlen vorbereitet. Wie sich der Krieg und die Flüchtlingszahlen entwickeln, kann ja niemand vorhersagen. Kommunen und Landkreis befänden sich aber weiterhin in regelmäßigem Austausch, betont Dirk Schmidt, der noch einen weiteren Faktor nennt, auf den man keinen Einfluss habe. Denn es sei ja unklar, wie viele Privatmenschen mit Flüchtlingen im Haus oder der Wohnung irgendwann als Gastgeber wieder abspringen. Bisher sei es aber von Landkreis-Seite noch kein Problem, Ukrainer dann anderweitig unterzubringen. Es komme auch nur ganz selten zu Konflikten zwischen Flüchtlingen und Privatgastgebern. "Ich bin dankbar für die große zivile Hilfsbereitschaft", sagt Landrat Köberle.

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