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Der Biber ist auf dem Vormarsch

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Er ist ein hervorragender Schwimmer und hilft bei der Renaturierung von Flüssen. Auch an der Lahn breiten sich Biber immer weiter aus. In den kommenden Jahren werden sie wohl auch in den Kreis Limburg-Weilburg kommen.
Er ist ein hervorragender Schwimmer und hilft bei der Renaturierung von Flüssen. Auch an der Lahn breiten sich Biber immer weiter aus. In den kommenden Jahren werden sie wohl auch in den Kreis Limburg-Weilburg kommen. © Karl Mock

Die Ansiedlungsbemühungen waren erfolgreich: Laut Biberbericht leben in Hessen derzeit rund 450 Biber – Tendenz steigend. Auch an der Lahn haben sich die Nager niedergelassen.

Von Julia Bloching

Jetzt im Frühling sind sie wieder auf Wanderschaft. Die knapp ein Meter großen Gesellen mit dem dichten Fell, der Stupsnase und dem flachen, nackten Schwanz, auch Kelle genannt. Zwei Jahre lang bleiben junge Biber in der Regel bei ihrer Familie. Dann müssen sie sich ein eigenes Revier suchen. „Biber wandern so lange, bis sie ein geeignetes Plätzchen gefunden haben, bis zu 100 Kilometer weit“, erklärt Landschaftsarchitektin Gertrud Fuchs von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium (RP) Gießen. Geeignet bedeutet für einen Biber zum einen die Nähe zu einem Gewässer und zum anderen der Zugang zu Kräutern, Gräsern, Wurzeln, Mais, Zuckerrüben oder Obst. Auch Weidenbäume haben die Tiere gern.

Die Ufer der Lahn bieten also durchaus gute Bedingungen dafür, dass Biber sich dort niederlassen. Bisher wurden einige Exemplare im Wetzlarer Raum gesichtet. Bis in den Kreis Limburg-Weilburg sind die Nager offenbar noch nicht vorgedrungen. „Aber der Biber ist auf dem Vormarsch“, lautet die Auskunft aus dem RP Gießen. Er werde sich in den kommenden Jahren in Mittelhessen voraussichtlich weiter verbreiten.

„Man darf ihn auch hier erwarten“, sagt auch Dr. Jörg Rau, stellvertretender Vorsitzender des BUND-Kreisverbands. Biber, erinnert sich Rau, „haben früher dazugehört“. Eingriffe des Menschen in deren natürlichen Lebensraum führten Mitte des vergangenen Jahrhunderts dazu, dass Biber zu bedrohten Tierarten wurden. Sie sind heute streng geschützt. Früher, erzählt Rau, wurde ihr dichtes Fell unter anderem als Rohstoff für die Herstellung von Hutfilz verwendet. Auch das Fleisch der Biber sei von den Menschen verzehrt worden – sogar in der Fastenzeit, nachdem die Kirche sie kurzerhand zu Fischen erklärt habe.

Um den Biberbestand wieder zu erhöhen, wurde vor einigen Jahrzehnten damit begonnen, Tiere auszuwildern. Vor etwa 25 Jahren, berichtet Gertrud Fuchs, wurden im Spessart sechs Biberpaare ausgesetzt. Daraus hätten sich bis heute mehr als 300 Tiere entwickelt und weiter ausgebreitet. In Südhessen seien auch aus Franken eingewanderte Biber anzutreffen, so Fuchs.

Die Landschaftsarchitektin wirbt um Verständnis für die Nager. Mit dem Bau von Dämmen und dem Aufstauen von Bächen trage der Biber zur Schaffung von naturnahen Feuchtgebieten bei. Denn an Gewässern, an denen Biber gerne leben, siedeln sich auch viele andere Tiere und Pfanzen an. Und diese wiederum sorgen dafür, dass Flüsse, Seen und Bachauen im ökologischen Gleichgewicht sind. Biber, berichtet Fuchs, seien friedliebend. Bissschäden könne durch das Anbringen von Hasendraht oder Elektrozäunen vorgebeugt werden. Und wenn landwirtschaftliche Wege in genügendem Abstand zu Flussufern angelegt werden, kann der pelzige Baumeister auch dort keinen Schaden anrichten.

Natürliche Feinde haben die Nager kaum. „Fühlen sie sich bedroht, tauchen sie ab“, erklärt Fuchs. Der Eingang zum Bau liegt immer unter Wasser. Der größte Feind der Biber ist immer noch der Mensch, insbesondere der Autofahrer. Denn bei ihren Touren über Land, werden nicht wenige der behäbigen Wanderer überfahren.

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