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Inga Fabrizius vom Einwohnermeldeamt in Elz ist auch zuständig fürs Fundbüro; da liegt seit Oktober ein reiterloser Sattel und wartet auf seinen Besitzer.

Herrenlose Habseligkeiten

Bilanz in drei Fundbüros: Kleinteile und sonstige Kuriositäten

Schlüssel, Geldbörse, Kleidungsstücke und Fahrräder, das ist zum Jahresbeginn das Inventar in den Fundbüros von Hadamar und Dornburg. Elz hat noch mehr zu bieten. Hier wurde vor einigen Monaten ein Pferdesattel abgegeben. Einen Besitzer gibt es bislang nicht.

Was tatsächlich passiert ist, wie der Sattel im Feld landete, ob er entsorgt oder von einem Pferd abgeworfen wurde, das wird man vielleicht nie erfahren, meint Inga Fabrizius. Die junge Mitarbeiterin im Einwohneramt der Gemeinde Elz ist nicht nur für die Bürger, sondern auch für deren Fundstücke zuständig. Und dazu gehört seit Herbst vergangenen Jahres ein cognacfarbener Pferdesattel, der eines Tages in ihr Büro geschleppt wurde. Ein alltäglicher Fund sei das nicht gewesen, sagt Inga Fabrizius.

Normalerweise finden sich Schlüssel, Geldbörsen, Brillen und verlorene oder liegengelassene Kleidungsstücke. Aber ein echter, knapp zehn Kilogramm schwerer Pferdesattel ist durchaus eine Rarität. Noch verwunderlicher sei allerdings, dass bislang niemand den ledernen Sitz suchte. Man habe sich in der Reithalle des Ortes erkundigt und im Reitverein nachgefragt. Nichts. Auch über die Herstellerfirma konnte man keinen Besitzer ermitteln. „Seltsam ist das“, sagt Inga Fabrizius. Man werde abwarten.

Herrenloses Prüfgerät

Allerdings gehen auch andere ungewöhnliche Dinge verloren, für die sich niemand zu interessieren scheint. Zum Beispiel ein Betonprüfgerät, das im Dornburger Fundbüro abgegeben wurde, berichtet der zuständige Sachbearbeiter Michael Stahl. Auch dieser Gegenstand in Laptop-Größe ist eine Besonderheit. Weshalb man ein teurer Spezialgerät nicht vermisst und bemüht ist, es wiederzufinden, bleibt unerklärlich. Auch in Dornburg gilt ansonsten: Schlüssel, Handys und Geldbeutel und im Augenblick ein Paar Rollerskates sind das Inventar des Fundbüros. Irgendwo bleiben die Dinge liegen, werden aufgesammelt und bei der Gemeinde abgegeben. Längst nicht alle Teile werden von ihren Besitzern abgeholt.

Sechs Monate ist die Aufbewahrungsfrist für die Fundsachen. Danach wird der Finder benachrichtigt. Der darf dann die Fundsache als Eigentum behalten – „wenn er will“, erklärt Hartmut Will vom Ordnungsamt Hadamar. In der Fundkammer der Fürstenstadt ist derzeit ein kleiner Fahrradkeller eingerichtet mit aufgegebenen Drahteseln. Nicht alle Räder sind intakt, könnten aber vermutlich wieder hergerichtet werden. Was aus ihnen wird? Zunächst bleiben sie in der Fundkammer. Denn die Drahtesel würden ebenso wie andere Fundsachen ein halbes Jahr aufbewahrt, sagt Will. Anschließend wird entschieden, was aus ihnen wird.

Geld wieder aufgetaucht

In Elz überlege man, eine Versteigerung von nicht abgeholten Fundgegenständen durchzuführen, berichtet Inga Fabrizius. Spätestens dann könnte auch der Pferdesattel einen Besitzer finden. Aber vielleicht melde sich vorher noch jemand, sagt die Frau vom Einwohnermeldeamt, „und die Sache geht doch noch gut aus“. So wie in der Adventszeit, als eine Dame völlig aufgelöst im Rathaus erschienen sei, erinnert sich die Sachbearbeiterin. Die Frau hatte 200 Euro für einen guten Zweck spenden wollen, den Geldbetrag aber verloren. Verzweifelt sei sie gewesen, sagt Inga Fabrizius, bis zwei Tage später eine Mutter mit dem Geld ins Fundbüro kam. Ihre Kinder hatten die Scheine gefunden und abgegeben. Für die Besitzerin war das vermutlich ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, sagt Fabrizius.

Die Finder bekamen ihren Finderlohn, der bei Geldbeträgen bis 500 Euro fünf Prozent der gefundenen Summe beträgt. Und obendrauf, fügt die Verwaltungsexpertin hinzu, erhielten die Kinder eine Tafel Schokolade von der glücklichen Besitzerin.

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