+
Stolz präsentieren Julian und Dario Brandhoff ihren Gewinn.

Traditionelles Brezelwürfeln in Hünfelden-Kirberg

Wer braucht schon Wurst? In Kirberg geht’s um die Brezel

In Hünfelden-Kirberg wird das Katerfrühstück für Neujahr nicht gekauft, sondern erspielt: Die Freiwillige Feuerwehr richtet seit 1984 das sogenannte Brezelwürfeln aus. Die Kirberger sind davon so begeistert, dass manche schon lange vor dem offiziellen Beginn da sind.

Die Ersten sind schon eine Stunde vor dem offiziellen Beginn ins Feuerwehr-Gerätehaus gekommen. Wenn das alljährliche Brezelwürfeln stattfindet, scheinen die Hünfeldener es kaum erwarten zu können. „Die Leute kommen wirklich Jahr für Jahr ein klein wenig früher“, sagt auch Bärbel Leukel. Als Pressewartin der Freiwilligen Feuerwehr Kirberg ist sie schon seit dem Morgen des Silvestertags mit den Vorbereitungen beschäftigt.

Auch über die Fakten zum begehrten Hefegebäck weiß sie genau Bescheid: Die Zahl der gewonnenen Brezeln ist seit Jahren konstant.

Das Brezelwürfeln habe über die Jahre hinweg nichts von seiner Anziehungskraft verloren: In geselliger Runde treffen sich hier Gäste aus ganz Hünfelden, wetteifern um den besten Wurf an einem der Tische oder lassen einfach bei einem frisch gezapften Bier das Jahr Revue passieren. „Es ist wie ein riesiges Familientreffen“, sagt eine Besucherin. „Hier trifft man Menschen, die man das ganze Jahr nicht gesehen hat.“ Auch die Feuerwehren der Nachbarorte kommen jedes Jahr gerne zu Besuch – in Hünfelden wird Gemeinschaft auch zwischen den Verbänden und Vereinen groß geschrieben.

Tatsächlich füllt sich die Halle zum frühen Nachmittag beachtlich schnell: Schon kurz vor zwei Uhr kann der erste Tisch das spannende Spiel um die Brezel aufnehmen. Und schon bald den ersten Gewinner einer „großen“ Brezel küren.

Ob der oder die Glückliche die Beute für das Katerfrühstück am Neujahrsmorgen mit nach Hause nehmen will oder nicht, bleibt den Siegern selbst überlassen. „Wir haben immer hundert kleine und dreißig große Brezeln an der Ausgabestelle vorrätig“, sagt Bärbel Leukel. Die Anzahl der Gewinner übersteige diese Zahl jedoch schon seit Jahren bei Weitem: 2015 wurden 171 kleine und 59 große Brezeln, also insgesamt 230 der Hefegeflechte „verspielt“. Deshalb gelten die Gutscheine, die die Sieger bekommen, noch einen Monat weiter.

Das Brezelwürfeln ist durch den Einfallsreichtum der Organisatoren immer mehr gewachsen. Die Floriansjünger bewirten ihre Gäste auch mit selbst gebackenem Kuchen und frischem Kaffee. Im angeschlossenen Aufenthaltsraum können Besucher das Feuerwehrjahr 2016 im wahrsten Sinne des Wortes vor dem Auge vorbeiziehen lassen: In einer Dia-Show präsentieren die Kirberger hier ihre Erfolge bei den zahlreichen Meisterschaften dieses Jahres sowie amüsante Einblicke in die Zeltlager der Jugendfeuerwehr und in andere fröhliche Zusammenkünfte.

Während die einen in der Vergangenheit schwelgen, stellen viele jüngere Besucher anderorts in der Halle schon erste Spekulationen für 2017 an: Beim Wachsgießen ergeben sich fantasievolle Gebilde, die von Charlotte Hofmann und ihrem Team zusammen mit den Kindern interpretiert werden. „Das sieht aus wie ein Fisch!“, ruft ein Junge. Der Blick in die Liste mit den Symbolen lüftet das Geheimnis: Dem kleinen Hellseher steht im nächsten Jahr ein warmer Geldregen ins Haus.

Ob sich diese Hoffnung bewahrheitet, steht am heutigen Tage zwar noch in den Sternen. Die kleine Brezel darf der glückliche Gewinner jedoch noch im alten Jahr mit nach Hause nehmen.

Ein letzter Tipp für all jene, denen das Glück am Silvesternachmittag nicht hold war: Am 7. Januar geht es auch in Hünfelden-Dauborn um die Brezel. An diesem Tag ziehen die dortigen Floriansjünger mit ihrem Brezelwürfeln nach. Natürlich statten die Kirberger ihren Kollegen dann den Gegenbesuch ab.

Bis 5. Februar haben die Gewinner Zeit, ihren Gutschein bei Kassenwart Arndt Preußer in der Mainzer Landstraße 6 abzugeben. Die bestellten Brezeln können dann am jeweils folgenden Samstag zwischen 10.30 Uhr und 11.30 Uhr im Feuerwehrhaus in Kirberg abgeholt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare