Mit den Fahnen beider Länder und einem zu diesem Anlass gebastelten Wegweiser in die südwestfranzösische Stadt grüßen Bürgermeister Frank Groos (Mitte) und Mitglieder des Organisationskomitees aus Brechen zum deutsch-französischen Tag nach Le Barp. Beide Kommunen arbeiten auf eine offizielle Partnerschaft hin.
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Mit den Fahnen beider Länder und einem zu diesem Anlass gebastelten Wegweiser in die südwestfranzösische Stadt grüßen Bürgermeister Frank Groos (Mitte) und Mitglieder des Organisationskomitees aus Brechen zum deutsch-französischen Tag nach Le Barp. Beide Kommunen arbeiten auf eine offizielle Partnerschaft hin.

Brechen streckt die Fühler aus

928 Kilometer bis zu den Freunden in Le Barp

  • vonUrsula Königstein
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Zum deutsch-französischen Tag am Freitag wird der Wille zur Partnerschaft noch einmal bekräftigt

Der 22. Januar ist ein wichtiger Tag für die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Dieses geschichtsträchtige Datum, den deutsch-französischen Tag, nehmen die neuen Partnerschaftskomitees der Gemeinde Brechen und der französischen Stadt Le Barp zum Anlass, Grüße und gute Wünschen zum neuen Jahr auszutauschen und ihren Willen zur Gründung einer Partnerschaft zu bekräftigen.

"Le Barp 928 Kilometer" kündet ein neuer Wegweiser an der Ecke Friedrichstraße/Rathausstraße in Niederbrechen. Die große Entfernung betrachten aber weder die Vertreter der südwestfranzösischen Stadt noch die der Gemeinde Brechen als Hindernis für eine künftige Partnerschaft. Nach ersten virtuellen Treffen des Brechener Organisationskomitees und des schon im vergangenen Jahr in Le Barp gegründeten Partnerschaftskomitees bildet der deutsch-französische Tag am heutigen 22. Januar den Rahmen für eine erste gleichzeitige Aktion.

Treffpunkt

im "Hydepark"

Während in Le Barp, abhängig von den Covid-Bedingungen, ein Infostand am Rande des Markts geplant ist, haben sich die Brechener im "Hydepark" vis-à-vis des Rathauses in Niederbrechen getroffen, um zusammen mit einem Bild mit den Fahnen beider Länder, dem Anbringen des Wegweisers nach Le Barp und einigen Grußworten und guten Wünschen für das Jahr 2021 die französische Stadt und ihre Bewohner zu grüßen und für ein gutes Gelingen des Vorhabens zu werben.

Der deutsch-französische Tag wird seit 2003, dem 40. Jahrestag des Elysée-Vertrags, begangen. "Wir erklären den 22. Januar zum ,Deutsch-Französischen Tag". Wir wünschen, dass dieser Tag künftig in allen Einrichtungen unserer Bildungssysteme der Darstellung unserer bilateralen Beziehungen, der Werbung für die Partnersprache und der Information über Austausch- und Begegnungsprogramme sowie über die Möglichkeiten des Studiums und der Beschäftigung im Partnerland gewidmet wird" heißt es in der von Präsident Jacques Chirac und Bundeskanzler Gerhard Schröder damals unterzeichneten Erklärung. An einem anderen 22. Januar, 2019, 56 Jahre nach der Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags, unterschrieben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron den Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit und Integration, den Vertrag von Aachen. Der deutsch-französische Tag steht jedes Jahr unter einem anderen Thema. In diesem Jahr wird insbesondere an das vor 150 Jahren geschlossene Friedensabkommen erinnert, mit dem in Frankfurt das Ende des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 besiegelt wurde.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat von Le Barp beschlossen, eine Partnerschaft mit der Gemeinde Brechen einzugehen und im Dezember ein Partnerschaftskomitee gegründet. Die neue Bürgermeisterin Blandine Sarrazin hatte sogar im Vorfeld ihrer Wahl diese Partnerschaft als eines ihrer wichtigen politischen Vorhaben bezeichnet. Auch die Brechener Gemeindevertretung steht dem Vorhaben positiv gegenüber, wenn auch noch kein offizieller Beschluss gefasst wurde. Positive Rückmeldungen gab es auch von Brechener Vereinen, Schulen und Kirchengemeinde, die Bürgermeister Frank Groos angeschrieben hatte, um deren Interesse an einer Partnerschaft mit Le Barp zu erkunden.

Beide Kommunen passen von Größe und Struktur gut zusammen. Das südwestfranzösische Le Barp, im Département Gironde und in der Region Nouvelle-Aquitaine knapp 40 Kilometer von Bordeaux entfernt gelegen, hat rund 5410 Einwohner, mehr als 50 Vereine und feiert sogar Kirmes. Auch hat die Region Nouvelle-Aquitaine seit vielen Jahren eine Partnerschaft mit dem Land Hessen. Daher unterstützt die hessische Landesregierung Partnerschaften mit Kommunen in dieser Region Frankreichs. An der "Via Turonensis", dem Weg von Tours zum Jakobsweg gelegen, passieren jedes Jahr viele Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela den Ort.

Erlebnisse

aus dem Krieg

In einer ersten gemeinsamen Videokonferenz stellten die Vertreter beider Kommunen viele Gemeinsamkeiten in den Vorstellungen und Plänen für eine mögliche Partnerschaft fest. Hauptziel ist es unter anderen, den Austausch auf vielen Gebieten zu fördern: Schulen, Sport- und kulturtreibende Vereine, soziale und wirtschaftliche Bereiche, Entwicklung gemeinsamer Projekte der Bürger und Informationen über die jeweils anderen Länder und die europäische Zusammenarbeit, um nur diese zu nennen. An erster Stelle aber sollen die Begegnungen der Menschen - Familien, Gruppen, Vereinen, Schülern - stehen. Auch die Förderung der jeweiligen Sprachen soll einen wichtigen Platz einnehmen. Nicht fehlen durften in den von französischer Seite aufgezeigten Möglichkeiten gemeinsame kulinarische Veranstaltungen. Persönliche Begegnungen verhindert derzeit noch die Corona-Pandemie.

Schon lange werden in Brechen deutsch-französische Verbindungen gepflegt. Am Anfang standen vor mehr als fünf Jahrzehnten die Begegnungen der katholischen Jugend aus Niederbrechen und dem nordfranzösischen Lens, die besonders dem damaligen Pfarrer Karl Bernhardt am Herzen lagen. Seine Erlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg und insbesondere aus der Hölle von Verdun ließen ihn zu einem Vorreiter der Aussöhnung zwischen den beiden Ländern werden. Aus den damaligen Begegnungen sind Freundschaften für das ganze Leben entstanden.

Die Versöhnung nach den Kriegen war auch dem früheren Brechener Bürgermeister Josef Kramm und seinem Kollegen Robert Laluc aus Brimont in der Champagne ein Herzensanliegen. Der später in Russland gefallene Oberbrechener Soldat Josef Ricker hatte aus dem Frankreich-Feldzug von 1940 die Fahne der Feuerwehr von Brimont mit nach Hause gebracht.

Zeichen der Versöhnung

Mit dem Einverständnis seiner Familie wurde die Fahne am 20. Oktober 1973 als Zeichen der Versöhnung in einer Feierstunde in Oberbrechen an eine Abordnung aus Brimont der Gemeinde zurückgegeben. Leider ist die Verbindung nach Brimont im Laufe der Jahre eingeschlafen.

Bis heute gepflegt wird die nur kurze Zeit später aufgenommene Verbindung zwischen Werschau und Courcy, dem Nachbarort von Brimont, die maßgeblich mit auf Betreiben des früheren Bürgermeisters Pierre Barré zustande gekommen war. Regelmäßige Begegnungen zwischen den teilnehmenden Familien zu Pfingsten und zwischendurch halten diese Freundschaft auch ohne offizielle Verschwisterung lebendig. Dies soll auch so bleiben, wenn eine offizielle Partnerschaft mit Le Barp abgeschlossen würde. Darin sind sich alle Beteiligten einig. Im Gegenteil sollen sich, so der Wunsch, beide Verbindungen ergänzen und voneinander profitieren. Ursula Königstein

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