Das Anwesen Bergstraße 25-27 in Niederbrechen ist komplett umgebaut. Der neue Teil rechts fügt sich harmonisch ins Fachwerk-Ensemble ein. Im Hintergrund ist die Niederbrechener Kirche St. Maximin zu sehen.
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Das Anwesen Bergstraße 25-27 in Niederbrechen ist komplett umgebaut. Der neue Teil rechts fügt sich harmonisch ins Fachwerk-Ensemble ein. Im Hintergrund ist die Niederbrechener Kirche St. Maximin zu sehen.

3000 Euro Prämie

Ausgezeichnet: Der Niederbrechener Dorfkern

Die Gemeinde Brechen ist Träger des ersten Preises im Landeswettbewerb "Zusammen gebaut - Zukunft im ländlichen Raum".

Brechen -Das gelb-grünlich-graue Fachwerkgebäude fällt auf. Nicht rot-weiß, auch nicht schwarz-weiß, wie man es öfters sieht. Nein, eine besondere Tönung, die ins Auge springt. Liebevoll restauriert beherbergt es das Architekturbüro Dreier. Die Farbgebung der Außenfassade findet sich innen in den Büroräumen wieder. Wer einen Blick in weitere Gebäude, in Wohnräume wirft, sieht, dass Leben im Fachwerk anders ist als in einem Neubau. Und dennoch: Es hat nicht nur Charme. Wer sich für ein solches Gebäude entschieden hat, liebt das gute Raumklima, die Durchlüftung. Es wurde schon damals mit Sinn und Verstand gebaut. Wer sich heute vornimmt, ein altes Fachwerkhaus in Ordnung zu bringen, steht oft vor einer Mammut-Aufgabe - je nach Bausubstanz und möglichen Umbauten.

In Brechen ist das schon lange so: Wenn im Niederbrechener Ortskern ein Gebäude leer steht (oder leer zu stehen droht), fällt das Stephan Dreier auf, der selbst zugezogen ist und sich als Architekt die Aufgabe gestellt hatte, sein eigenes Haus umzubauen. Es folgten Tipps an die Nachbarschaft und ein reger, fruchtbarer Austausch. Erfahrungen mit alten Gebäuden wachsen im Laufe der Jahre. Und ebenso die Liebe zu dem, was da entsteht.

Jahrzehntelange sehr gute Arbeit

Ein wenig Eigennutz ist auch dabei: Sorgt Stephan Dreier doch so dafür, dass sein eigenes Wohnumfeld schöner wird. Dafür schaut er sich die Häuser an, gibt Tipps, wie schon vor Jahrzehnten dem damaligen Brecher Bürgermeister Bernhard Königstein. So lange ist es schon her, dass die Gemeinde sich dafür entschied, das erste Gebäude selbst zu erwerben und einen potenziellen Käufer zu finden, der es in Ordnung bringt.

Königsteins Nachfolger Werner Schlenz und jetzt Frank Groos setzen die Reihe fort. Die jeweilige Gemeindevertretung weiß, was sie an diesem ehrenamtlichen Engagement hat und würdigt es entsprechend. Eine weitere Anerkennung hat dieser Einsatz nun aus dem Landeswettbewerb "Zusammen gebaut - Zukunft im ländlichen Raum" erfahren. Staatssekretär Dr. Martin Worms hat am Montag zum Abschluss seiner Tour zu den vier preisgekrönten Projekten den Ortskern Niederbrechen besucht und mit den Beteiligten die Plakette der Landesinitiative "+Baukultur" in Hessen angebracht.

Getragen von einer beispielhaften kommunalen und ehrenamtlichen Zusammenarbeit wird gemeinsam an der Wiederbelebung der Ortsmitte gearbeitet - davon konnte sich der Staatssekretär überzeugen. Nach und nach wird der alte Ortskern saniert, und neue Bewohner haben Einzug gehalten. Auch Raum für kulturelle Veranstaltungen und Feierlichkeiten ist entstanden. Damit hat das Projekt einen von zwei ersten Preisen gewonnen, die mit jeweils 3000 Euro dotiert sind.

Regionale Bautradition

"Mit einer zeitgemäßen Gestaltung und regionaler Bautradition haben es die Preisträger geschafft, attraktive und vitale Orte mit eigener Identität zu schaffen. Die Plaketten weisen nun zusätzlich auf die vorbildhaften und zukunftsweisenden Projekte hin und rücken die Bauten vor Ort dauerhaft in den Blickpunkt", erklärte Worms.

In Niederbrechen geht das Ganze weiter. Die Gemeinde hat wieder zwei Häuser gekauft und einen potenziellen Interessenten gefunden. Ein Ehepaar aus Oestrich-Winkel im Rheingau beabsichtigt, das Gebäude Rathausstraße 19 zu erwerben, von der Substanz her schlechter als das Nachbargebäude 21, eine ehemalige, umgebaute Scheune. Das Ehepaar möchte das kleinere Gebäude, das früher einmal das Haus des Schultheißen war, kaufen und sanieren, für die Dauer des Umbaus als Mieter ins Nachbargebäude ziehen. Die Niederbrechener Gemeindevertretung hat dafür gerade grünes Licht gegeben.

Gemeinschaft und Zusammenkommen

Bei seiner Runde durch den Ort nutzte Staatssekretär Worms die Gelegenheit auch dazu, die individuell erlebten Auswirkungen der Corona-Pandemie anzusprechen. "Die ausgezeichneten Projekte bieten Räume der Gemeinschaft und des Zusammenkommens. Gerade dies war in den vergangenen Monaten nur eingeschränkt möglich. Ich hoffe sehr, dass die ausgezeichneten Räume sich alsbald mit Leben füllen."

41 Projekte aus dem ländlichen Raum wurden 2019 für den Wettbewerb eingereicht. "Das Spektrum reichte von Neugestaltungen von Ortszentren, Bauten für Gastronomie und Tourismus bis hin zum Wohnungsbau. Vielfach thematisierten die Beiträge den Umgang mit denkmalgeschütztem Bestand und neuen Nutzungskonzepten, vor allem für große Gebäude, die für kleine Kommunen und die Bauherren vor Ort immer eine besondere Herausforderung darstellen. Aber auch viele Neubauten waren unter den eingereichten Projekten. Die ländlichen Räume bieten mitunter mehr Freiheiten für die Umsetzung ungewöhnlicher Ideen, zugleich ist es häufig schwieriger, engagierte Personen und Institutionen zu finden, die dauerhaft in die Zukunft kleiner Orte investieren", sagte Worms. Baukultur sei ein Schlüssel für vitale Gemeinden und eine hohe Lebensqualität auf dem Land. Auch deshalb seien Wettbewerbe wie der hessische Landeswettbewerb "Zusammen gebaut" so wichtig. "So schaffen wir ein Forum für dieses wichtige Thema."

41 Projekte wurden 2019 eingereicht, Brechen freut sich über den ersten Preis

Seit dem Jahr 2007 haben es sich die Initiatoren der Landesinitiative "+Baukultur" in Hessen auf die Fahnen geschrieben, für den bewussten Umgang mit der gebauten Umwelt bei Veranstaltungen, Wettbewerben oder Publikationen im Land Hessen zu werben. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen.

Das fünfte Auszeichnungsverfahren in der Reihe "Zusammen gebaut" der Landesinitiative "+Baukultur" in Hessen widmete sich den Zukunftschancen der ländlich geprägten Räume. Ortsteile, Dörfer und Kleinstädte sollen als attraktive und lebendige Lebensräume erhalten bleiben beziehungsweise weiterentwickelt werden.

Bereits im Februar zeichnete Staatssekretär Worms in Wiesbaden die besten Bauprojekte des Landeswettbewerbs "Zusammen gebaut" im Namen der Landesinitiative "+Baukultur" in Hessen aus, die nun zusätzlich durch die Plaketten sichtbar in den Orten als herausragende Beiträge zur Baukultur erkennbar sind. 41 Projekte aus dem ländlichen Raum wurden 2019 für den Wettbewerb eingereicht.

Die drei weiteren ausgezeichneten Projekte, die "Alte Schmiede" in Kalbach-Uttrichshausen im Landkreis Fulda, der Amanahof in Amöneburg im Landkreis Marburg-Biedenkopf und das Fachwerkmusterhaus Wohnen in der Stadt Wanfried im Werra-Meißner-Kreis, hatte Finanzstaatssekretär Dr. Martin Worms bereits vergangene Woche besucht, um mit den Projektbeteiligten die Plaketten der Landesinitiative "+Baukultur" an die Bauwerke anzubringen.

Weitere Informationen zum Wettbewerb finden Interessierte im Internet unter der Adresse www.baukultur-hessen.de.

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