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Armin Müller (links) und Jan Höhler (rechts) zeigen dem Europaparlamentarier Michael Gahler die modernen Stallungen.

Bauernhof

Ein Bauernhof zum Anfassen: Der Milchviehbetrieb der Höhlers setzt auf regionale Vermarktung

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Der EU-Abgeordnete Michael Gahler (CDU) besichtigte gemeinsam mit dem Kreisbauernverband den Lindenhof.

Bauern haben es heutzutage nicht leicht: Sie hätten wenig Lobby und würden häufig zu Unrecht an den Pranger gestellt. Das sagte der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Armin Müller, im Gespräch mit dem hessischen CDU-Europaabgeordneten Michael Gahler. Die beiden besuchten gemeinsam den Lindenhof von Bernhard und Angelika Höhler in Niederbrechen. Müller berichtete, dass der Kreisbauernverband sich unter anderem stark für Blühstreifen einsetze, um Rückzugsräume und Nahrungsquellen für Insekten zu schaffen. Bedenklich sieht der Chef des Kreisbauernverbands verschärfte Nitrat- und Güllerichtlinien. Sie machten kleinen und mittelgroßen Betrieben wirtschaftlich erheblich zu schaffen. Landwirt Burkhard Hölz bestätigte dies: Kleinere Betriebe könnten sich nicht ständig teure Betriebsumstellungen leisten. 30 Prozent der Schweinezüchter überlegen laut Müller derzeit, ob eine Fortführung ihres Betriebs überhaupt noch Sinn mache.

Machtwort gefordert

Der stellvertretende Kreisvorsitzender Bernd Schäfer ärgerte sich über immer mehr bürokratischen Aufwand für die Landwirte. Müller fordert, dass Angela Merkel (CDU) als Bundeskanzlerin in Berlin dringend mal ein Machtwort sprechen müsse. Es könne nicht sein, dass die Landwirtschaft betreffende Themen nicht die Landwirtschafts-, sondern die Umweltministerin verhandle. Armin Müller kritisierte, dass in der Landwirtschaft veröffentlicht werde, welcher Betrieb Fördermittel in welcher Höhe bekomme. Dies gebe es in keiner anderen Branche. Damit würden Landwirte in ihrem Umfeld an den Pranger gestellt.

Regionaler geht nicht

Michael Gahler sagte, dass das Berufsfeld des Landwirts im Europaparlament so gut wie kein anderes vertreten sei. Oft sei das Problem nicht die Regelung der Europäischen Union, sondern ihre Umsetzung in den Mitgliedsländern. Wenn Deutschland bei gewissen Themen einen Entscheidungsspielraum habe, seien Probleme lösbar. Er könne nichts für Probleme, die durch Politik auf Bundes- und Landesebene verursacht würden, sagte Gahler. Müller hatte beispielsweise moniert, dass es immer schwieriger werde, Baugenehmigungen für Stallungen im Außenbereich zu erhalten. Der Chef der heimischen Bauern lobte, dass Betriebe wie der Lindenhof hervorragende Arbeit leisteten. Der Hof der Höhlers besäße eine hervorragende Milchqualität und vermarkte an die regionale Molkerei Schwälbchen. Die eigene Gülle werde in der eigenen Biogasanlage verwendet, berichtete Müller. Regionaler gehe es also gar nicht. Bernhard Höhler berichtete, dass früher das Wirtschaften auf dem Lindenhof ein ganz anderes gewesen sei, bevor der Betrieb 1958 ins Feld aussiedelte. Drei Generationen hätten damals noch von 13 Kühen, zehn Zuchtsauen und 15 Hektar Fläche gelebt. Mit der Schweinezucht wurde nach der Aussiedlung aufgehört. Heute hat der Betrieb eine Fläche von 261 Hektar. Auf 94 Hektar wird aktuell Weizen, auf 40 Raps und auf 73 Silomais angebaut. Hauptstandbeine sind Milcherzeugung und Jungviehaufzucht. 510 Tiere befinden sich im Stall, Kühe, ihre Kälber und ein Bulle. Bullenkälbchen werden nach zwei Wochen an einen Mastbetrieb weiterverkauft. Eine deutsche Holstein-Kuh gibt im Jahr durchschnittlich 11 425 Kilo Milch und erreicht eine Lebensleistung von 34 048 Kilo. Höhler erzählte, dass die Kühe teilweise sogar von Bullensperma aus den USA und Kanada besamt würden, um frisches Blut in den Bestand zu bringen. Juniorchef Jan Höhler erklärte, dass sich die Tiere in ganzjähriger Stallhaltung befinden würden. „Für die Milchkühe wurde 2003 ein neuer fünfreihiger Laufstall mit Tiefboxen, Gummibodenbelag, Schieberentmistung, gedämmtem Dach und Seitenrollos erbaut. Im Dezember 2009 wurde ein zweiter Stall in Betrieb genommen.“

Bernhard Höhler findet Vorurteile über Landwirte schade. „Wir sind ganz normale Menschen, keine Tierquäler“, sagt er. Müller ergänzte, dass es sich hier um „Fünf-Sterne-Ställe“ handle. Die Tiere würden durch die automatische Stallreinigung sauber stehen. Sie seien im Sommer wie im Winter keinen extremen Temperaturen ausgesetzt.

Ein weiteres Standbein des Betriebes ist die Biogas- und Solarstromerzeugung. Der Familienbetrieb beschäftigt derzeit drei Mitarbeiter und drei Auszubildende. Müller lobte, dass der Betrieb Höhler ein vorbildlicher Ausbildungsbetrieb sei. Der Kreislandwirt findet es gut, dass sich wieder mehr junge Menschen für den Beruf des Landwirtes interessieren, die durch die Familie nicht vorgeprägt seien. Von den drei Auszubildenden auf dem Lindenhof habe vorher keiner einen landwirtschaftlichen Hintergrund gehabt.

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