Büchereileiter Jürgen Schühler inmitten der Bücherkisten, in denen preiswerter Stoff zum Schmökern schlummert.
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Büchereileiter Jürgen Schühler inmitten der Bücherkisten, in denen preiswerter Stoff zum Schmökern schlummert.

Literatur zu kleinen Preisen

Brechen: Hier werden Bücherfreunde glücklich

  • vonRobin Klöppel
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Sonntags kann in der Bibliothek in dem kistenweise gespendeten Lesestoff gestöbert werden

Niederbrechen -Das aus 29 ehrenamtlichen Helfern bestehende Team der Bücherei Niederbrechen möchte auch in Corona-Zeiten, dass möglichst viele Menschen unkompliziert und günstig an Bücher kommen können. Darum läuft gerade über mehrere Wochen, immer zu den Büchereiöffnungszeiten sonntags von 9.30 bis 12 Uhr, ein Bücherflohmarkt. Bei diesem haben die Gäste die Auswahl aus hunderten von in Kisten verpackten und von Bürgern gespendeten Büchern. Jugendbücher, Fantasyromane, Krimis, Sachbücher, aber auch tolle Spiele gibt es für ein paar Euro freiwillige Spende.

Büchereileiter Jürgen Schühler sagt, dass die Bücherei normalerweise im Rahmen der Brecher Märkte zwei Mal im Jahr im alten Rathaus einen Flohmarkt veranstalte. Doch die Märkte fielen ja aktuell wegen Corona aus. Von daher finde derzeit alternativ ein Bücherflohmarkt in dem Raum im Büchereigebäude in der Jakob Herlth-Straße 2 statt, den sonst die Pfarrgemeinde für ihre Sitzungen nutze. Anmelden für eine halbe Stunde stöbern können sich alle Interessierten über die Webseite der Bücherei www.buecherei-niederbrechen.de. Die nächste Öffnungszeit kommenden Sonntag ist offiziell bereits ausgebucht, da sich zum Coronaschutz immer nur eine Person oder ein Hausstand auf dem Flohmarkt aufhalten soll. Wie Schühler anmerkt, kann es sich für kurzfristig Entschlossene aber lohnen, während den Öffnungszeiten einfach mal unter (0 64 38) 92 34 37 in der Bücherei anzurufen. Wenn sich spontan eine Lücke ergibt, lässt das Team dann gerne noch einen Bücherfreund kurzfristig noch zusätzlich herein.

"Wir finden am Telefon auch eine Lösung für diejenigen, wie manche älteren Leser, die keine Möglichkeit haben, Termine online zu buchen", sagt der Büchereileiter. Er freut sich immer über Spenden gut erhaltener Bücher. Denn alles, was er davon nicht für die Leihe in der Bücherei gebrauchen kann, könne über den Flohmarkt weiterverkauft werden. Die Leser kommen so sehr günstig zu spannenden Büchern und die Bücherei erzielt zusätzliche Einnahmen, mit denen sie wieder neue Medien anschaffen kann. "Unser Ziel ist es ja nicht, mit der Bücherei Geld zu verdienen, sondern dafür zu sorgen, dass jeder, der möchte, Bücher lesen kann", berichtet Schühler. Und Bücher, die 20 Euro oder gar deutlich mehr kosten, die könne sich eben nicht jeder Bürger selbst kaufen. Von daher sei die Anmeldung und Ausleihe in der Bücherei kostenlos.

Mehr Ausleihen während Corona

Wie der Besuch der Bücherei zeigt, nutzen sie nicht nur Brecher Bürger, sondern durchaus aufgrund ihres spannenden Bestandes auch begeisterte Leser aus dem Umland. Der Büchereileiter sagt: "Letztes Jahr ist in Coronazeiten die Zahl der Ausleihen sogar um zehn Prozent gestiegen." 10 354 Ausleihen wurden im vergangenen Jahr insgesamt vorgenommen. Man sieht an den Zahlen auch, dass 2020 die Kinder durch teilweise geschlossene Schulen und Kindergärten mehr als sonst daheim waren. Bei Kinder- und Jugendbüchern stiegen die Ausleihzahlen um 18 Prozent. Bei Kinderhörspielen ging die Zahl der Ausleihen um 32 Prozent nach oben, bei Gesellschaftsspielen gar um 80 Prozent. Die Angebote für Kinder und Jugendliche machten also insgesamt 50 Prozent der Ausleihen aus. Das zeige, wie wichtig Büchereiarbeit für Leseförderung sei, weiß Schühler. Insgesamt über 9000 Medien stehen in Brechen zur Ausleihe bereit, über 700 davon wurden im letzten Jahr davon erst neu angeschafft. Corona hat laut Büchereileiter für Einschränkungen im Ausleihbetrieb gesorgt, nicht aber dafür, dass er dauerhaft zum Erliegen kam. So können die Leser, wie er berichtet, sich online über den Katalog Bücher aussuchen, die sie dann während der Öffnungszeiten abholen können. Diese sind derzeit auf die Sonntagvormittage beschränkt, weil es für die ehrenamtlichen Mitarbeiter nach Aussagen des Büchereileiters mit hohem zeitlichen Aufwand verbunden ist, alle Online-Bestellungen zu bearbeiten und die Bücher für die Abholer herauszusuchen.

Schühler stellt klar, dass auch unter Corona-Bedingungen niemand als Leser ausgeschlossen werden soll, der nicht dazu in der Lage ist, Bücher online zu reservieren. Wer Probleme damit hat und Bücher braucht, soll einfach während der Öffnungszeiten in der Bücherei anrufen.

Die Kunden finden das Engagement der Bücherei klasse. Petra Ehlig kauft gerne Bücher auf dem Flohmarkt, weil neue Bücher sonst sehr teuer sind. "Wenn ein Buch gut ist, kaufe ich es mir aber trotzdem gerne", sagt sie. Dennoch findet sie auch die Ausleihmöglichkeit wichtig, denn irgendwo ist ja auch daheim der Platz beschränkt. Allerdings komme sie meistens nur im Urlaub zum Lesen und dieser fehle ihr jetzt in Corona-Zeiten. Denn derzeit nutze sie ihre Freizeit, um für ältere Menschen einzukaufen.

Manuela Knauf ist dankbar, dass es die Bücherei gibt, denn man könne ja nicht jedes Buch selbst kaufen. In Coronazeiten ohne große private Freundestreffen hat sie mehr Zeit, "und im Fernsehen kommt sowieso nichts Gescheites". Beim Flohmarkt hat sie die große Auswahl, denn Knauf schafft nach eigenen Angaben 75 Bücher im Jahr.

Veronika Hosemann findet es klasse, denn hier bekommt sie Bücher preiswert und nicht so abgriffen wie auf normalen Flohmärkten. "Ich lese querbeet, von zeitgenössischen Themen bis zu einem lustigen Roman", erzählt sie. Hosemann schafft ein Buch pro Woche.

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