Die Bürgermeister Frank Groos (Brechen), Silvia Scheu-Menzer (Hünfelden), Mario Koschel (Weilmünster), Erste Beigeordnete Monika Baumann (Selters), Bürgermeister Matthias Rubröder (Villmar) und Verbandsgeschäftsführer Matthias Fink (von links) vor dem provisorischen Zulaufpumpwerk, das den Weiterbetrieb der Anlage während der Umbauphase sichert.
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Die Bürgermeister Frank Groos (Brechen), Silvia Scheu-Menzer (Hünfelden), Mario Koschel (Weilmünster), Erste Beigeordnete Monika Baumann (Selters), Bürgermeister Matthias Rubröder (Villmar) und Verbandsgeschäftsführer Matthias Fink (von links) vor dem provisorischen Zulaufpumpwerk, das den Weiterbetrieb der Anlage während der Umbauphase sichert.

In Niederbrechen wird ordentlich investiert

Brechen: 27 Millionen Euro für die Klärwerk-Zukunft

  • vonRobin Klöppel
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Die Anlage des Abwasserverbands Goldener Grund wird in vier Jahren modernisiert.

Niederbrechen -Vier Jahre wird es dauern, bis die Kläranlage Niederbrechen des Abwasserverbands Goldener Grund für insgesamt 27 Millionen Euro Investitionskosten in zwei Stufen saniert, modernisiert und auf 38 000 Einwohnervergleichswerte ausgebaut ist. Das wurde bei einem Ortstermin gestern deutlich, an dem neben Verbandsvorsteherin Silvia Scheu-Menzer und ihrem Stellvertreter Frank Groos Vertreter der weiteren beteiligten Kommunen Selters, Villmar und Weilmünster sowie Mitglieder der Verbandsversammlung teilnahmen.

Warum die Anlage eine solch hohe Reinigungskapazität braucht, obwohl nur 20 000 Einwohner aus den Kommunen Brechen und Hünfelden sowie die Dörfer Weyer, Münster und Wolfenhausen dranhängen? Zum einen soll die neue Anlage laut Verbandsgeschäftsführer Matthias Fink 30 Jahre halten, so dass ein Einwohnerzuwachs in Zukunft mitberücksichtigt werden muss, zum anderen hängen natürlich auch Gewerbetriebe an der Anlage dran.

Zuschüsse aus Berlin und Wiesbaden

Das Land Hessen gewährt seinen Angaben nach einen Zuschuss von 2,1 Millionen Euro für Phosphorentziehung der Bund weitere 760 000 Euro, da die Anlage auch energetisch auf den neuesten Stand gebracht wird. Statt 700 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr sollen künftig nur noch 400 000 verbraucht werden.

Was den Bau auch aufwendig und kompliziert macht, ist dass die Abwasserklärung während der Umbauzeit natürlich kontinuierlich weiterlaufen muss. Drei Gründe gab es, dass Matthias Fink den beteiligten Kommunen empfahl, die teuren Arbeiten jetzt durchführen zu lassen. Zum einen sind die gesetzlichen Reinigungsanforderungen deutlich höher geworden, gerade war die Pflicht betrifft, Phosphor aus dem Wasser herauszufiltern. Der zweite Grund ist die für die Zukunft benötigte höhere Kapazität der Anlage. Zudem sei seit dem Bau der Anlage 1980 an den Betonteilen nichts mehr gemacht worden, so dass hier einfach eine Sanierung fällig sei, wie der Geschäftsführer weiß. "Die Verfahrenstechnik ist im Großen und Ganzen jetzt immerhin 40 Jahre alt", erinnerte Matthias Fink.

vergrößert werden

Sollten die Einwohnerzahlen und Reinigungsanforderungen ans Abwasser die kommenden Jahre noch einmal deutlich steigen, hat der Abwasserverband noch ein freies Teilstück auf dem Gelände in der Hinterhand, so dass die Anlage noch vergrößert werden könnte, wie die Hünfeldener Bürgermeisterin Scheu-Menzer weiß. Matthias Fink erläuterte, das die anstehenden Arbeiten über mehrere Jahre intensiv planerisch vorbereitet worden seien und verschiedene nationale und europaweite Ausschreibungen hätten durchgeführt werden müssen.

Im ersten Bauabschnitt werden die Bauwerke Zulaufpumpwerk, Sandfang und Eindicker saniert und mit neuer Maschinentechnik ausgerüstet. Außerdem werden die Rechenanlage und die Schlammentwässerung vollständig neu gebaut. Diese Arbeiten werden mehrere Monate, bis ins Frühjahr 2021 dauern. Matthias Fink: "Da die Funktionen dieser Behandlungsschritte auch während der Sanierung unbedingt aufrechterhalten werden müssen, wurden zunächst aufwendig Provisorien eingerichtet. Ein oberirdisches Pumpwerk mit Umgehungsleitung sowie eine Einrichtung zum Grobstoffrückhalt, dies mit provisorischer Stromversorgung, sind bereits in Betrieb. Störungen könnten, so der Geschäftsführer, auch außerhalb der üblichen Dienstzeiten behoben werden. Die Arbeiten seien an mehreren Stellen gleichzeitig begonnen worden, um zügig voranzukommen.

Für den ersten Bauabschnitt seien Aufträge in Gesamthöhe von 5,7 Millionen Euro vergeben worden. Die Bauarbeiten für den zweiten Abschnitt werden in Kürze beauftragt und sollen noch im laufenden Jahr beginnen. In diesem zweiten Bauabschnitt wird die komplette biologische Reinigungsstufe mit Belebungsbecken und Nachklärbecken neu gebaut. Hierfür wird auch, ohne das benachbarte Naturschutzgebiet zu berühren, der Wirtschaftsweg entlang der Kläranlage weiter nach Osten verlegt, um ausreichend Platz für die neuen Bauwerke zu schaffen. Außerdem wird ein komplett neuer Verfahrensschritt, die sogenannte Klärschlamm-Faulung, errichtet. Hierbei wird der entstehende Klärschlamm, die sogenannte Klärschlamm-Faulung, so behandelt, dass Faulgas gewonnen wird, das in einem Blockheizkraftwerk zu Strom und Wärme umgewandelt wird. Ziel ist es, aus Faulgas mindestens 70 Prozent des gesamten Energiebedarfs der Anlage zu gewinnen.

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