Tim, Roger, Susanne und Jana Egenolf freuen sich über die Auszeichnung durch Thorsten Schmitt und Herbert Friedrich.
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Tim, Roger, Susanne und Jana Egenolf freuen sich über die Auszeichnung durch Thorsten Schmitt und Herbert Friedrich.

Naturschutz

Brechen: Reitanlage ist ein Paradies für Schwalben

  • vonRobin Klöppel
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Auszeichnung für Roger Egenolf. Die Nester dürfen nicht entfernt werden.

Brechen -Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, heißt ein altes Sprichwort. Wenn es aber schon an die 70 Brutpaare mit Nachwuchs sind wie bei der Reitanlage Egenolf in Oberbrechen, dann ist das schon eine Auszeichnung als "Schwalbenfreundliches Haus" wert. Denn nirgendwo in Brechen gibt es so viele Rauchschwalben, weiß der Ortsbeauftragte für Vogelschutz. Thorsten Schmitt überreichte den Egenolfs denn auch zusammen mit Nabu-Vertreter Herbert Friedrich die Plakette.

Friedrich weiß, dass es für die Schwalben Gift war, als in den Dörfern der Region immer mehr Kleinlandwirte verschwanden. Dadurch ging die Rauchschwalbenpopulation zurück, da diese bevorzugt in Stallungen brütet. Selbst weiter vorhandene offene Ställe ohne Vieh verließen die Schwalben nach spätestens drei Jahren, weil die Vögel dort, wie der Nabu-Vertreter weiß, kein Nistmaterial sowie Futter in Form von Insekten mehr vorfanden.

Roger Egenolf berichtet, dass in seiner Reitanlage vor vier Jahren die ersten Rauchschwalben aufgetaucht seien. "Das war ein Viertel der Anzahl der Schwalben, die wir heute auf der Anlage haben", sagt der in der Region bekannte Springreiter. Was für die Schwalben die Reitanlage Egenolf offenbar als Standort reizvoll gemacht habe, sei der Bau der modernen Paddox-Boxen gewesen. Da könnten, so Egenolf, die eingestellten Pferde raus und rein wie sie wollen.

Nester auch

in Nebengebäuden

Damit können die Schwalben auch ungehindert ein- und ausfliegen, was bei Stallungen mit geschlossenen Türen nicht der Fall wäre. Mittlerweile seien es schon derart viele Rauchschwalben auf dem Hof, dass die jüngeren Schwalben bereits damit anfingen, die Nebengebäude mit Nestern zu besetzen.

Herbert Friedrich denkt auch, dass die hohen Decken der Stallungen in Oberbrechen ein Glück für die Schwalben seien. Denn früher sei feststellbar gewesen, dass die Schwalben eher in Kuhställen gebrütet und Pferdeboxen eher gemieden hätten. Denn Pferde würden auch mal hochbocken und seien somit für Jungvögel eher als Kühe eine Gefährdung.

In Oberbrechen existiert dagegen ein friedliches Miteinander. Die Schwalben können in Ruhe auf den Holzbalken unter der Decke ihre Nester bauen und setzen sich auch mal frech auf die offenen Türen neben die Pferde. "Wir müssen nur unsere Reiter warnen, aufzupassen", sagt Roger Egenolf. Denn in den Pferdstallungen kann Schwalbenkot von der Decke geflogen kommen. Und auch draußen auf die parkenden Autos, wenn die Schwalben auf der Jagd seien.

Thorsten Schmitt sagt, dass es verboten sei, unliebsame Schwalbennester zu entfernen. Das gelte genauso für die Mehlschwalbe, die gerne an Wohnhäusern Nester baue.

Leider sei die Art auch zurückgegangen, als wasserabweisender Putz eingeführt worden sei. An diesem hätten sich die Nester nicht mehr gehalten. Von daher sind Herbert Friedrich und Thorsten Schmitt froh, wenn es schwalbenfreundliche Gebäudeeigentümer wie die Egenolfs gibt, die die Schwalbenvermehrung sogar noch fördern. Dadurch habe sich der Bestand wieder erholt, weiß Friedrich. Wenn die Schwalben flügge seien, würden sie ebenso wie die Altvögel für den Winter wieder Richtung Südafrika ziehen und im kommenden Jahr zurückkehren.

Der Nabu-Repräsentant sagt, dass jeder Bürger andere oder sich selbst für die Auszeichnung "Schwalbenfreundliches Haus beim Nabu vorschlagen könne. Mehr Infos über die Aktion auf www.nabu.de.

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