Künstlerin Claudia Sárkány (Mitte) verwandelt die Schule im Emsbachtal für ein Jahr in ein großes Filmset.
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Künstlerin Claudia Sárkány (Mitte) verwandelt die Schule im Emsbachtal für ein Jahr in ein großes Filmset.

Kreativer Unterricht

Brechen: Schule verwandelt sich in Filmset

  • VonRobin Klöppel
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Mädchen und Jungen werden beim Projekt "Das fliegende Klassenzimmer" kreativ

Niederbrechen -Das Projekt "Das fliegende Klassenzimmer" der Crespo Foundation sowie des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst und des Hessischen Kultusministeriums gibt es seit drei Jahren. Dieses Jahr kommen landesweit lediglich drei Schulen in dessen Genuss. Eine davon ist die Schule im Emsbachtal in Niederbrechen. Gestern wurde das Konzept vorgestellt.

Die Kölner Filmemacherin und Performerin Claudia Sárkány lebt für ein Schuljahr dort drei Tage die Woche in einem extra für das Projekt auf dem Schulhof aufgestellten mobilen Haus mit Künstleratelier. Die Künstlerin hat mit den 410 Schülern der Schule mit Schwerpunkt kulturelle Bildung viel vor. Sie möchte mit den Mädchen und Jungen ein Performance-, Film- oder Serienkonzept entwickeln, das sich über das gesamte Schuljahr erstreckt und am Ende in eine glamouröse Kino-Vorführung mit Tickets, Snacks und rotem Teppich münden soll. Sárkány meinte, die Schüler könnten sie jederzeit in ihrem Haus besuchen und ihre Wünsche mitteilen. So gibt es schon Schüler, die bei ihr gerne Bewerbungsvideos drehen, Synchronsprechen üben oder Filme schneiden lernen möchten.

In dem gestern testweise aufgebauten Filmset konnten die Schüler schon sehen, was bei einem solchen Projekt auf Regie, Ton- und Lichttechniker sowie die Maskenbildner zukommt.

Sabine Abel aus Obertiefenbach, die die Masterarbeit ihres Studiums über die kulturelle Arbeit an der Schule im Emsbachtal schrieb, hatte das Team der Schule auf das Projekt "Das fliegende Klassenzimmer" aufmerksam gemacht. Claudia Sárkány erzählte, dass die Künstler des Projektes von Jahr zu Jahr wechselten. Sie lasse sich auch das erste Mal auf dieses spannende Projekt ein. Von daher ist die Kölnerin selbst neugierig, wie sich die Sache die kommenden Monate entwickeln wird.

Für das erste Halbjahr möchte sie immer mittwochs bis freitags in der Brecher Schule präsent sein. Den Rest der Woche ist sie in Köln, um dort weiter an einem eigenen Filmprojekt zu arbeiten. Sarkány berichtete, dass sie seit zehn Jahren Projekte mit Schülern mache. Normalerweise habe man dafür aber nur ein paar Stunden oder höchstens eine Woche Zeit. Sich etwas über ein komplettes Schuljahr entwickeln zu lassen, gebe viel mehr Möglichkeiten.

Landrat Michael Köberle (CDU) als Schirmherr betonte, dass der Kreis als Schulträger das Projekt sehr gerne genehmigt habe. "Denn in jedem Beruf ist Kreativität gefragt", sagte Köberle. Das Projekt werde dazu beitragen, junge Menschen für die Zukunft zu entwickeln. Köberle sagte: "Ich bin sehr gespannt, welche Eindrücke die Schüler aus diesem Projekt mitnehmen werden."

Kontakt mit der Kunst

Ob es künftig weitere Projekte dieser Art im Kreis geben werde, müsse man dann sehen. Der Kreis-Chef dankte der Crespo-Stiftung für diese gute Idee. Köberle dankte dem Team der Schule im Emsbachtal, dass es immer dazu bereit sei, neue Initiativen zu entwickeln. Lehrerin und Projektkoordinatorin Christiane Laux freut sich sehr, dass ihre Schule im Herbst den Zuschlag für das Projekt erhalten habe. "Es soll das Schulleben bereichern und die Schüler in intensiven Kontakt mit der Kunst bringen", sagte sie.

Friederike Schönhuth von der Crespo-Stiftung berichtete, dass das Projekt "Das fliegende Klassenzimmer" in den ersten Jahren bereits viele Wandlungen durchlaufen habe. Im vergangenen Jahr sei es durch die Corona-Zeit schwer gewesen, Dinge fürs aktuelle Schuljahr zu planen. So sei nicht direkt eine Vor-Ort-Besichtigung möglich gewesen, hätten die ersten Kontakte nach Brechen über Videoschalte stattgefunden. Von daher ist sie froh, dass es nun doch trotz Pandemie die Perspektive gibt, das komplette Schuljahr 20201/22 mit den Brecher Schülern arbeiten zu können. So toll wie hier habe das Künstlerzimmer noch nie gestanden, lobte sie.

Andrea Wandernoth vom Hessischen Kultusministerium erklärte, Spaß bringe man nicht unbedingt als Erstes mit Schulunterricht in Verbindung. Dieser solle aber in den Schulen mit dem Projekt mehr Einzug halten. Das Projekt solle "eine verrückte Perspektive ins Schulleben bringen". Die große Chance der Teilnahme an diesem Kooperationsprogramm sei, Kunst ins Leben einer Schule dauerhaft zu integrieren. Bei Künstlern wie Sárkány bekämen die Schüler Kreativität aus erster Hand vermittelt. Wandernoth hofft, dass die Schule in der kommenden Zeit zum großen Filmset werde. Wenn die Schule hierbei als Team zusammenarbeite, werde ein großartiges Ergebnis herauskommen.

Schulleiter Bernd Steioff meinte, es sei wichtig, Kunst in Hessen auch in die Fläche zu bringen. So strebe die Schule an, das Prädikat Kulturschule zu erreichen. "Heute haben wir hier einen Funken entzündet, der lange leuchten soll", so Bernd Steioff.

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