Assistiert vom Ersten Beigeordneten Philipp Saufaus pflanzte der damalige Bürgermeister Gerhard Beck vor 50 Jahre den ersten Baum des Werschauer Schutz- und Erholungswaldes. Der Eiche war leider nur ein kurzes Leben beschieden.
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Assistiert vom Ersten Beigeordneten Philipp Saufaus pflanzte der damalige Bürgermeister Gerhard Beck vor 50 Jahre den ersten Baum des Werschauer Schutz- und Erholungswaldes. Der Eiche war leider nur ein kurzes Leben beschieden.

Mehr als 47 000 Bäume gepflanzt

Brechen: Wie Werschau sich einen Wald schuf

  • VonUrsula Königstein
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Seit 50 Jahren schützt der Werschauer Schutz- und Erholungswald das Dorf vor Lärm und Abgasen von der Autobahn

Werschau -Der Eiche, die vor einem halben Jahrhundert, am 8. Oktober 1971, als erster Baum gepflanzt wurde, war kein langes Leben beschieden. Sie wurde nach nur ein Jahr abgeknickt. Aber die anderen rund 47 000 Bäume des Waldgürtels oberhalb von Werschau sind im Laufe der Jahre gut gediehen und schützen das Dorf vor Lärm und Abgasen des Verkehrs auf der Autobahn und inzwischen auch der Schnellbahn.

Schutz vor Lärm und Abgasen

Schon seit 1969 hatte die Gemeinde den Plan verfolgt, einen Grüngürtel um das Dorf zu schaffen und einen Wald als Schutz gegen Lärm und Abgase von der Autobahn und als Naherholungsgebiet in der ansonsten waldlosen Gemarkung anzulegen. Bei der Bevölkerung stieß das Vorhaben nicht nur auf Begeisterung, doch fand es bei den zuständigen Behörden ungeteilte Zustimmung.

Ziel der Aufforstung war, wie es die zuständige hessische Forstbehörde rückblickend formulierte, die Entstehung eines naturnahen standortgerechten Laubmischwaldes mit artenreichen Waldrandflächen. Im Zuge eines Umlegungsverfahrens konnte die erforderliche Fläche von rund 18 Hektar Größe ausgewiesen werden. Die Gemeinde hatte, so der damalige Bürgermeister Gerhard Beck, Rücklagen für die Aufforstung gebildet und auch einen Zuschuss von rund 10 000 Mark erhalten.

In den Wochen vor dem offiziellen Pflanzungsbeginn hatten schon etliche Werschauer im Alter von zwölf bis 70 Jahren bei freiwilligen Arbeitseinsätzen an freien Samstagen Pflanzlöcher gegraben und über 500 Meter Verbindungswege angelegt. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und zahlreicher Gäste pflanzten Bürgermeister Beck und der Erste Beigeordnete Philipp Saufaus besagte Eiche als ersten Baum ein, währende Pfarrer Hubert Reich den Segen spendete. Mit guter Unterstützung durch die Forstbehörden und vor allem den damaligen Forstamtmann Karl Schmidt aus dem benachbarten Dauborn brachte in den folgenden Wochen eine feste Aufforstungstruppe mit sechs Forstarbeitern, acht Frauen, vier Gemeindearbeitern und, stundenweise, einigen Kindern über 47 000 Bäume in die Erde, Laub- und Nadelbäume von Buchen bis Weißerlen, von Lärchen bis Fichten, von Ahorn bis Wildkirschen, Douglasien und Robinien, um nur diese zu nennen. Auch an einige Weihnachtsbäume wurde gedacht. Beim Richtfest für den neuen Wald und den damals im Bau befindlichen Kindergarten, zu dem alle Beteiligten eingeladen waren, hob Forstamtmann Schmidt insbesondere den Einsatz der acht Werschauer Frauen hervor, ohne die die Aufforstung nicht so schnell habe gelingen können.

Wegenetz ausgebaut

Vor allem in den ersten Jahren war die Pflege des jungen Forsts, die sich der im Zusammenhang mit der Waldbegründung gebildete Allgemeine Umweltschutzverband zur Aufgabe gemacht hatte, sehr arbeitsintensiv. Neben den Schutz- und Pflegemaßnahmen für die Bäume wurde das Wegenetz ausgebaut, Ruhebänke aufgestellt, eine Schutzhütte gebaut und vieles andere mehr getan. Damit aber nicht genug. Zur 750-Jahr-Feier von Werschau wollte der Allgemeine Umweltschutzverband dem Dorf 750 Bäume, Ahorn, Douglasien und Kirschen, schenken, die im ehemaligen "Sollsgraben" gepflanzt werden sollten. In einer beispiellosen Aktion pflanzten dann die Mitglieder des Umweltschutzverbands und viele andere Helfer insgesamt 4500 neue Bäume, die von der Gemeinde Brechen finanziert wurden. 1989 wurde vom Umweltschutzverband der frühere Dreschplatz aufgeforstet, 1993 wurden auf einer Windwurfflächen 2000 Bäume gesetzt. Als Ausgleichsmaßnahme für die durch den Schnellbahnbau in Anspruch genommene Waldfläche wurde oberhalb der Bahntrasse in der Nähe des Sportplatzes auf 14,5 Hektar Land ein Laubmischwald angelegt. Dabei galt besonderes Augenmerk der Ansiedlung einer vielfältigen Tierwelt.

Den Werschauer Wald hat nach der Auflösung des Allgemeinen Umweltschutzverbands, dessen Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender der frühere Bürgermeister Gerhard Beck war, nun der Obst-, Gartenbau- und Verschönerungsverein in seine Obhut genommen.

Ausführlich dokumentiert wird die 50-jährige Geschichte und Entwicklung des Werschauer Schutz- und Erholungswald in der neuen Broschüre des Gemeindearchivs Brechen von Ullrich Jung und Gerhard Beck, die zum Waldjubiläum erschienen und zum Preis von drei Euro im Rathaus in Niederbrechen sowie bei Ullrich Jung in Werschau, Hessenstraße 4, erhältlich ist.

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