Die Häuser Rathausstraße 19 und 21 in Niederbrechen. In das linke, größere (eine umgebaute ehemalige Scheune), will das Ehepaar zunächst einziehen, derweil das rechte sanieren.
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Die Häuser Rathausstraße 19 und 21 in Niederbrechen. In das linke, größere (eine umgebaute ehemalige Scheune), will das Ehepaar zunächst einziehen, derweil das rechte sanieren.

Ortskern entwickelt sich

Brechen: Zwei weitere Schmuckstücke in Sicht

  • vonPetra Hackert
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Das alte Rathaus und weitere Wohnhäuser im Ortskern von Niederbrechen präsentieren ihr schönes, saniertes Fachwerk. Nun möchte ein Ehepaar das ehemalige Schultheißen-Gebäude kaufen und sanieren.

Brechen -Die Gemeinde Brechen hat Glück: Seit Jahrzehnten kümmert sich der Architekt Stephan Dreier um die Dorfentwicklung - ehrenamtlich. Nicht nur, dass es sein eigenes Anwesen in der Nähe des historischen Fachwerk-Rathauses bestens in Schuss hält. Ihm gelingt es immer wieder, Häuser und Menschen zusammenzubringen. Meistens so: Er leistet die Vorarbeit, so dass die Gemeinde Anwesen erwerben kann, die nicht immer im besten Zustand sind. Nächster Schritt: Er sucht und findet potenzielle Bewohner. So auch jetzt. Die Häuser Rathausstraße 19 und 21 sind die nächsten in einer Reihe von Gebäuden, die sich positiv verändern könnten. In der Gemeindevertretersitzung stellte der Architekt vor, was möglich wäre.

Es geht um eine

große Investition

Ein Ehepaar aus Oestrich-Winkel im Rheingau beabsichtigt, das Gebäude Rathausstraße 19 zu kaufen. Damit hätte Dreier auf Anhieb gar nicht gerechnet. Denn: Von der Substanz her sei das Anwesen Nummer 21 das bessere Haus. Die Idee war, beide gemeinsam zu veräußern, damit das Ensemble positiv entwickelt werden kann. Eine Idee, die auch dem Ehepaar gefiele. Wären da nicht die hohen Kauf- und Investitionssummen.

Das Haus und die

ehemalige Scheune

Für beide Gebäude läge man in der Sanierung bei über einer Million Euro, schätzte Dreier. Das Ehepaar hat sich wegen der enormen Kosten dafür entschieden, zunächst das Haus Nummer 19 zu kaufen und zu sanieren, dafür sein eigenes Haus zu verkaufen und in Brechen in die Nummer 21 einzuziehen. Das ist das größere der beiden Gebäude, eine ehemalige Scheune aus dem 17. Jahrhundert, die im 18. Jahrhundert zum Wohnhaus umgebaut wurde.

Nummer 19 hat ebenfalls eine interessante Historie: "Es ist für die Ortsgeschichte kein unbedeutendes Gebäude, früher war es einmal das Haus des Schultheißen", erklärte Dreier. Es sei erfreulich, "für das größere Sorgenkind" einen Interessenten gefunden zu haben. Das Ehepaar kennt sich ein wenig aus, der Mann arbeitet im Wiesbadener Stadtbauamt. "Sie haben sich in das Haus verliebt", sagte Dreier. Eine Sanierung werde mindestens ein Jahr, realistischerweise eher anderthalb, dauern.

"Das Gebäude soll als Kulturdenkmal erhalten und mit der fachlichen Begleitung von Architekt Dreier im Sinne der bisherigen Ortskernsanierung in der näheren Umgebung saniert werden", erklärte Bürgermeister Frank Groos (parteilos). Dazu seien erhebliche Sanierungskosten in Höhe von etwa 650 000 Euro, zuzüglich der Kosten für den Kauf der Immobilie, erforderlich. "Dann wäre das Haus so saniert, wie wir es zum Beispiel vom alten Rathaus kennen."

Wird nicht saniert,

kauft die Gemeinde

Vorgesehen ist folgende Vorgehensweise: Das Ehepaar kauft das Gebäude Rathausstraße 19 und saniert es. Für die Dauer dieser Arbeiten zieht es ins Nachbargebäude 21 ein, auf Mietbasis. "Neben der Finanzierungsthematik wäre das auch für die Koordination des Bauablaufs von Vorteil, weil man sozusagen direkt neben der Baustelle wohnt", so Groos. Eine angemessene Miete muss noch vereinbart werden.

Wegen der enormen Investition habe sich das Ehepaar noch nicht festlegen können, ob es auch die Rathausstraße 21 kaufen kann. Im Mietvertrag sollte aber ein Vorkaufsrecht eingeräumt werden. In jedem Fall möchte das Ehepaar, dass etwa 30 bis 40 Quadratmeter der Außenfläche der Liegenschaft 21 der Nummer 19 zugeschlagen werden, denn dort gibt es keinen Garten. Es handelt sich um den Bereich hinter der Scheune in Richtung Pfarrgarten.

Die Gemeinde hat einschließlich Nebenkosten 37 000 Euro gezahlt, um Rathausstraße 19 zu erwerben. Für die gleiche Summe soll es auch verkauft werden. Sollte das Vorkaufsrecht für Nummer 21 in Anspruch genommen werden, sind als Verkaufspreis 130 000 Euro veranschlagt.

Falls nicht saniert wird, behält sich die Gemeinde im Kaufvertrag ein Rückkaufs- beziehungsweise Vorkaufsrecht vor. Die Gemeindevertretung hat dem einstimmig zugestimmt. Die Wertschätzung der Parlamentarier für Stephan Dreiers Vorarbeit formulierte CDU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Frei so: "Vielen Dank für das große Engagement, das seit Jahrzehnten prägend für den Ortskern ist."

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