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Wenn alle mitspielen, kann Großes gelingen: Dank der Kooperation mit der Gemeinde ist der Turnverein Niederbrechen jetzt Einsatzstelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr (von links): Bürgermeister Frank Groos, Ann Kristin Bäbler, Chiara Stillger und Dagmar Schmitt-Merkl.

Freiwilliges Soziales Jahr

Chiara bringt Bewegung in die Kita

18 Jahre jung, Abitur in der Tasche, sportbegeistert – Chiara Stillger stehen viele Türen offen. Entschieden hat sie sich aber erst einmal für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bereich Jugend und Sport in Niederbrechen.

Die wenigsten erinnern sich bewusst an ihren ersten Tag im Kindergarten. Chiara Stillger sicher auch nicht – aber ihren ersten Tag im Niederbrechener Kindergarten St. Maxim als „Freiwillige“, den wird sich bestimmt so schnell nicht vergessen. Etwa zehn Kinder mit Luftballons wuseln durch den Bewegungsraum, angeleitet werden sie von einer Erzieherin: „Und jetzt den Ball ganz hoch werfen und wieder einfangen und dabei immer weiter laufen.“ Oder: „Klemmt den Ball vorsichtig zwischen die Beine und geht damit durch den Raum.“ Noch ist Chiara eher Zuschauerin, später assistiert sie der Erzieherin beim Zielwerfen durch die Ringe. Und noch später trifft man sie auf dem Außenspielgelände inmitten spielender Kinder. „Schubst Du mich auch mal an?“ Die Kinder haben schnell Zutrauen zu der 18-Jährigen gefasst und freuen sich über die junge „Neue“.

38,5 Stunden pro Woche

Allerdings müssen sich die Kinder und die Erzieher die junge Dame mit den anderen Niederbrechener Kindergärten und dem Turnverein Niederbrechen teilen. Chiara Stillger macht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bereich Jugend und Sport. Darauf gebracht hat sie Dagmar Schmitt-Merkl, Vorstandsmitglied des Turnvereins Niederbrechen. Grundgedanke war, eine Übungsleiterin für den Verein zu gewinnen. Schmitt-Merkl hatte sich informiert, ob der Verein eine FSJ-lerin beschäftigen könne, und musste allerdings recht bald feststellen, dass der Verein allein als Einsatzstelle nicht in Frage kommt. Bedingung für eine solche Stelle ist eine wöchentliche Arbeitszeit von 38,5 Stunden. Allein mit Trainingsstunden am Nachmittag für Kinder und Jugendliche kamen die natürlich nicht zusammen.

Aber in einer Gemeinde wie Brechen könnte ja durchaus noch mehr Bedarf an Unterstützung im sozialen Bereich sein. Schmitt-Merkl sprach mit Bürgermeister Frank Groos (parteilos) und stieß auf offene Ohren. Schnell war die Idee einer Kooperation zwischen Gemeinde und Turnverein geboren. Mehr Bewegung ist längst auch in den Kindergärten ein wichtiges Thema, entsprechende Angebote sind in den Tagesablauf fest integriert. Ein junger, sportbegeisterter Mensch als Unterstützung für die Erzieher fand Bürgermeister Groos eine hervorragende Idee. Zumal diese Bewegungsstunden in den Kindergärten aus Sicherheitsgründen immer mit zwei Erwachsenen abgehalten werden sollen. Keine Frage, dass Ann-Kristin Bäbler als zentrale Leitung für die Kindertageseinrichtungen ebenfalls von dieser Kooperation-Möglichkeit begeistert war.

Eine Hürde blieb allerdings noch: Der Turnverein Niederbrechen musste einen Antrag stellen, um anerkannte Einsatzstelle für das FSJ zu werden. Natürlich war das „ein bisschen Arbeit“, sagt die Vereinsvorsitzende, „allerdings eine mit sehr hohem Nutzen“, fügt sie strahlend hinzu. Denn die Bewilligung wurde erteilt, der Turnverein ist auch für die nächsten Jahre anerkannte Einsatzstelle für junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr im sportlichen Bereich absolvieren wollen.

Alle Türen stehen offen

Die ersten Wochen liegen nun hinter Chiara Stillger, ihre Entscheidung hat sie noch nicht bereut. Morgens bringt sie in den vier Kindertageseinrichtungen die Jüngsten auf Trab, am Nachmittag unterstützt sie die Trainerinnen und Trainer des Turnvereins bei der Jugendarbeit. Der Tag ist bestens ausgefüllt. Da sie aber den Job im Heimatort machen kann und keine zeitraubenden Wege zurücklegen muss, bleibt auch noch ein bisschen Freiraum für das eigene sportliche Engagement. Leichtathletik, Volleyball und Fußball sind neben dem Musizieren im vereinseigenen Orchester nur einige ihrer Aktivitäten. Dass der Job mit immerhin 300 Euro entlohnt wird, ist dabei auch nicht zu verachten. Und nach diesem Jahr Praxis im Umgang mit Kindern und Jugendlichen wird die ehemalige Marienschülerin sicher leichter entscheiden können, wie der weitere Werdegang aussehen soll. Vielleicht ein Sportstudium? Oder eine Ausbildung zur Erzieherin? Aber wie gesagt – der Niederbrechenerin stehen dann erst recht alle Türen offen.

von GERTRUD BRENDGEN

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