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Zum Wohl: Reinhold Königstein macht aus seinem Obst preisgekrönte Brände.

Geistvolles aus Niederbrechen

Der Mann mit den Goldenen Diplomen

  • vonRobin Klöppel
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Reinhold Königstein ist bekannt für seine exquisiten Branntweine

Reinhold Königstein ist ein Meister der Edelbrand- und Likörveredlung. Der 81-Jährige aus Niederbrechen hat bei der vergangenen nassauischen Branntwein-Prämierung gleich mit sechs eingereichten Produkten das Goldene Diplom errungen. Das unter 300 eingereichten Proben. Prämiert wurden die Produkte Williamsbirne, Mirabelle, Weinbergpfirsich-Brand, Zwetschgenwasser, Obstler aus Äpfeln und Birnen sowie Kirschwasser.

Während bei der Herstellung vieler Industrieprodukte laut Königstein mit Aromastoffen gearbeitet werde, sei bei ihm alles reine Natur. Das Obst stammt alles aus dem Garten des Brecheners, wo 100 Obstbäume stehen. Der Rohbrand für seine Produkte wird in der Aarbergener Brennerei Höhler produziert.

96-prozentiger Industriealkohol

Das Obst wird nach Königsteins Rezepturen mit 96-prozentigem Industriealkohol angesetzt und bleibt vier bis acht Wochen bei gleichbleibender Temperatur von 15 Grad stehen. In dieser Zeit zieht der Alkohol die Farb- und Aromastoffe raus. Dann wird die Mischung mit destilliertem Wasser auf 20 Prozent Alkohol runtergesetzt und abgefüllt. Durch den Sauerstoffeinfluss verändert sich das Ursprungsprodukt. Die Aromastoffe kommen heraus - reifer, harmonischer Likör ist das Ergebnis.

Dass Reinhold Königstein eine besondere Leidenschaft für hochwertige alkoholische Getränke hat, liegt in der Familie. 1936 gründete Vater Wilhelm in Niederbrechen seinen Betrieb als Küferei. Denn die vielen Winzer aus dem Rheingau hatten wenig Geld, brauchten aber Weinfässer zur Lagerung ihres besonderen Stöffchens. Königsteins Vater produzierte diese wie auch Sauerkrautständer und Fleischbütten. Als Bezahlung für seine Arbeit bekam der Brechener dann oft Wein, den er, wie der Sohn sagt, privat und an regionale Gaststätten vermarktete. Zu diesen Zeiten sei wohl jede zweite Gaststätte im Goldenen Grund von Wilhelm Königstein mit Wein versorgt worden, erinnert sich der Nachfolger an seine Jugend zurück.

Morgens um fünf Uhr

in die Bahn

Damals seien in Gaststätten von den Gästen auch noch viel Schnäpse und Weinbrände mehr als heute konsumiert worden, weiß Königstein. So fing es in Brechen mit dem Getränkehandel Königstein an. 1947 bis 1960 bezeichnet der 81-Jährige dabei als "goldene Jahre". Zu den Kunden der Küferei gehörte beispielsweise die Marke Söhnlein-Sekt.

Reinhold Königstein nahm viel Stress dafür in Kauf, um später einmal das Unternehmen des Vaters übernehmen zu können. Morgens um fünf Uhr musste er jeden Morgen in Brechen als junger Mann mit dem Zug los, um von dort nach Wiesbaden und dann weiter nach Geisenheim ins Rheingau zur Uni zu fahren. Die Mühe hat sich für ihn gelohnt, denn nach erfolgreichem Abschluss der Prüfungen durfte er sich diplomierter Weinbautechniker und Küfer nennen.

"Wenn man Wein verkauft, sollte man auch das nötige Fachwissen darüber haben", sagt der frühere Getränkehändler, der auch heute als rüstiger Senior noch häufig im lange an Tochter Christel übergebenen Geschäft im Runkeler Gewerbegebiet Kerkerbach anzutreffen ist. Dass dies heute ein reiner Getränkehandel ist, hat damit zu tun, dass Holzfässer aus der Mode gerieten. Die Weinanbauer arbeiten mittlerweile fast nur noch mit Edelstahlfässern, die sich leichter reinigen und füllen lassen. Da braucht es keinen Küfer mehr, der sie repariert. Reinhold Königstein bedauert, dass auch die Zeiten für kleinere Winzer hart geworden seien, viele Geschäfte den Bach runter gingen oder nur überleben könnten, wenn sie zusammen Winzergenossenschaften gründeten. Reinhold Königstein musste auch sehen, wie es weitergeht, als er euphorisch als Lagerort für seinen Weinhandel in den 1980-.er Jahren den Niederbrecher "Mühlenkeller"erwarb, aber in diesem Moment nicht bedachte, dass die Gemeinde Brechen sechsstellige Kosten für den Anschluss des Geländes an die Wasserversorgung und das Kanalnetz verlangen würde. Über Jahre stritten sich Gemeinde und Unternehmer darüber. Was zur Folge hatte, dass der überzeugte Brechener Königstein seinen Firmensitz nach Runkel verlegte. "Die Kundschaft war ja sowieso aus dem ganzen Kreis und nicht nur aus Brechen", so der Rentner. Trotzdem lebt er mit seiner Familie weiterhin gerne in Niederbrechen, genießt seine hochprozentige Leidenschaft, ist aber froh, nicht auf die Einnahmen aus dieser angewiesen zu ein. "Früher war beispielsweise in Dauborn jedes zweite Haus ein Brennerei", erinnert sich Königstein zurück. Doch zum einen sei die Nachfrage gesunken, weil die junge Generation andere Alkoholika favorisiere. Zum anderen seien die Preise durch den Weltmarkt immer weiter nach unten gegangen. Wer da als hauptberuflicher Brenner über die Runden kommen wolle, müsse viel über Direktvermarktung an den Mann bringen. Durch die Corona-Zeit, wo viele Leute mehr daheim konsumierten, sei die Chance dafür derzeit aber da. Auch wenn Reinhold Königstein selbst das Problem nicht kennt und seine eigenen Erzeugnisse über das Geschäft seiner Tochter komplett verkauft bekommt, ist die Produktion für ihn eher eine interessante Freizeitbeschäftigung als notwendige Einnahmequelle. Seine Rezepte will der Profi natürlich nicht preisgeben. Aber er verwendet bewusst vollreifes Obst, besondere Sorten und kann auch über die Sauerstoffzufuhr beeinflussen, dass seine Erzeugnisse, wie er sagt "besonders elegant schmecken".

ROBIN KLÖPPEL

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