Anna Maria Kremer war eine der Besucherinnen der Berger Kirche. Die Limburgerin wollte Besinnung und Ruhe finden.
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Anna Maria Kremer war eine der Besucherinnen der Berger Kirche. Die Limburgerin wollte Besinnung und Ruhe finden.

Ostern in Brechen

Die Berger Kirche einmal anders erleben

  • vonRobin Klöppel
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Werschauer Gotteshaus wurde in der Karwoche und an den Osterfeiertagen immer wieder umgestaltet.

Brechen -Einige 100 Menschen hat die Berger Kirche in der Karwoche und am Osterwochenende angelockt. Dorthin konnten sie zur Besinnung und zum Gebet kommen. Die Gruppe "Gottesdienste anders" hatte das Gotteshaus in der Karwoche und an den Ostertagen jeden Tag anders gestaltet. Besucherinnen und Besucher durften sich dort sogar an die Tafel des Abendmahls setzen und so Jesus hautnah erleben.

Gemeindereferent Andreas Albert von der Pfarrgemeinde Heilig Geist/Goldener Grund ist schon lange der Meinung, dass viele der Menschen, die sich von der Kirche abgewendet haben, alles andere als Ungläubige sind. Diese Christen würden sich schlichtweg von der Art des Glaubenslebens der katholischen Kirche nicht mehr angesprochen fühlen. Laut Statistiken würden in seiner Gemeinde nur noch sieben Prozent der Kirchenmitglieder in den Gottesdienst gehen. In der Corona-Zeit seien es noch weniger, weiß Albert. Es kämen vielleicht noch ein Viertel der Menschen, die vor 20 Jahren in die Kirche gekommen seien. Albert: "Viele Kirchen sind mittlerweile mehr Museum als Kirchen. Ich möchte Kirche lebendig, aktiv und interaktiv gestalten, auf die 93 Prozent der Menschen zugehen, die nicht mehr kommen." Kirche müsse wieder mehr auf die reale Lebenssituation der Menschen eingehen, fordert der Gemeindereferent.

Älteste Kirche

der Region

Während der Corona-Krise machen Gottesdienste in der Berger Kirche wenig Sinn, weil dort unter den aktuellen Abstandsregeln nur fünf Gläubige mitfeiern dürften. Andreas Albert will aber, dass gerade an den Feiertagen weiterhin alle interessierten Gläubigen in der Berger Kirche Einlass finden können. Sie sei ja schließlich mit einem Alter von 1250 Jahren das älteste Gotteshaus der Region und habe eine besondere Atmosphäre, die viele Menschen liebten, sagt er.

Also wurde aus der Not heraus im vergangenen Jahr erstmalig in der Karwoche und an Ostern die Aktion in der Berger Kirche gestartet, die zur dauerhaften Einrichtung werden soll. "Trotzdem würden wir hier nächstes Jahr zusätzlich natürlich auch gerne wieder Gottesdienste feiern", so der Gemeindereferent. Vergangenes Jahr hat Andreas Albert erstmals in der Karwoche die Kirche täglich umgestaltet. 2020 seien Hunderte von Menschen gekommen. Am diesjährigen Palmsonntag seien, wie Andreas Albert weiß, 250 Gäste da gewesen und hätten sämtliche 300 gesegnete Palmzweige mit nach Hause genommen.

Das letzte Abendmahl

am Gründonnerstag

Der Gründonnerstag stand diesmal unter dem Motto "Das letzte Abendmahl, Fußwaschung, Verrat, Verleumdung, Gefangennahme". Jesus durchlebte dabei alle Gefühle, von Liebe bis zu Verrat. Karfreitag stand die Aktion unter der Überschrift "Sein Kreuz, mein Kreuz. Jeder von uns muss sein eigenes Kreuz tragen, aber mit der positiven Botschaft: Wir nehmen unser Kreuz aus dem Kreuz". Karsamstag hieß es: "Stille und die Leere und die Frage: Wie geht's weiter?" An den Ostertagen stand die Aktion dann unter dem Motto "Freut Euch! Halleluja. Aus der Verzweiflung ist wieder Licht und Hoffnung geworden. Denn wo mehrere Menschen in seinem Namen versammelt sind, ist Gott immer bei ihnen."

Wie Andreas Albert berichtet, kamen drei verschiedene Gruppen von Menschen während der vergangenen Woche zur Berger Kirche nach Werschau. Zum einen diejenigen, die gezielt zur Aktion wollten. Dann jene, die die Berger Kirche schon lange lieben und sie immer wieder gerne aufsuchen. Die dritte Gruppe waren dann Feiertagswanderer und -radfahrer, die teilweise zufällig unterwegs von der Aktion mitbekommen und dann hier eine Pause eingelegt hätten. Von denen, die letztes Jahr noch zufällig gekommen seien, seien einige dieses Jahr dann gezielt wiedergekommen.

Wiederkommen lohnt sich, weil die Berger Kirche, wie Albert betont, jedes Jahr anders gestaltet werden solle. Angefangen hat er damit 2020 alleine. Dieses Jahr habe die Aktion aber ein Team vorbereitet, in das jeder seine eigenen Ideen eingebracht habe. Albert verrät, dass er ein sehr positives Feedback von den Besuchern bekommen habe. Sie hätten sich gefreut, dass sie in die Kirche kommen können, wann sie wollten, hier Besinnung finden und Kirche vor allem hautnah erleben konnten. Eine Frau habe ihm erzählt, dass sie sich spontan an den Abendmahlstisch gesetzt habe. Neben Jesus am Tisch zu sitzen, sei für sie eine unglaublich intensive Erfahrung gewesen, so der Gemeindereferent.

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