Mario und Kristin Bangert sind mit ihren Kindern Luis, Lenny und Luna (von links) aus Mittenaar angereist, um Himbeeren und Erdbeeren zu pflücken.
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Mario und Kristin Bangert sind mit ihren Kindern Luis, Lenny und Luna (von links) aus Mittenaar angereist, um Himbeeren und Erdbeeren zu pflücken.

Viel Andrang zwischen Limburg und Brechen

"Die beste Qualität vor der eigenen Haustür"

  • Tobias Ketter
    VonTobias Ketter
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Im Bergerfeld bei Niederbrechen können Himbeeren gepflückt werden. Es gibt nur wenige solche Angebote in der Region.

Brechen -Normalerweise ist auf den Wegen im Bergerfeld zwischen Niederbrechen, Lindenholzhausen und Mensfelden nicht viel los. Meist sind dort nur einige Fußgänger, Radfahrer und Traktoren unterwegs. Doch derzeit ist dies anders. Nahe des Lindenhofs stehen Tag für Tag Dutzende Autos und mehrere hundert Personen mit Körben in der Hand sind auf den Feldwegen zu sehen. Der Grund für das rege Treiben ist das Himbeerfeld von Ingrid Hülskemper-Toews und Burkhardt Toews. Auf einer gut zwei Hektar großen Fläche kann man die Früchte selbst pflücken und zum Preis von 7,90 Euro pro Kilogramm mit nach Hause nehmen.

Momentan sei aufgrund des starken Andrangs jede Menge zu tun, sagt Hülskemper-Toews. Täglich kämen zahlreiche Stammkunden aus der Region vorbei. "Wir empfangen aber auch immer wieder Leute, die eine weite Wegstrecke zurücklegen, um bei uns Himbeeren zu pflücken", sagt Burkhardt Toews. Beispielsweise seien während der aktuellen Saison Menschen aus Frankfurt, Koblenz, Siegen und Marburg angereist. "Die Bürgerinnen und Bürger haben einfach Spaß daran, ihre Früchte selbst zu pflücken", begründet das Ehepaar die hohe Nachfrage.

Noch bis Ende Juli oder Anfang August können auf dem Bergerfeld fleißig Beeren gepflückt werden. Dann ist die Saison zu Ende. "Insgesamt 30 bis 35 Erntetage gibt es pro Jahr. Aufgrund des kühlen Frühlings hat sich der Start diesmal etwas nach hinten verschoben", erklärt Hülskemper-Toews. Während jeder Schicht sind sechs Mitarbeiterinnen im Einsatz. Zusätzlich gibt es noch drei angestellte Pflückerinnen. Wer also keine Lust hat, selbst zu ernten, kann sie auch am Verkaufsstand erwerben. "Wir sind ein eingespieltes Team. Alle Mitarbeiterinnen kommen aus der Region und sie sind seit einigen Jahren mit dabei."

Pflückern wird ein

Bereich zugewiesen

Und was müssen die Kunden beim Pflücken beachten? Laut den Betreibern sei es ratsam, flache Behälter mitzubringen, in denen die Früchte nicht eingedrückt werden. Für Leute, die spontan vorbeikommen, gibt es aber auch Gefäße für kleines Geld zu kaufen. Bevor die Pflücker auf das Feld gehen, bekommen sie eine kurze Einweisung. "Wir teilen ihnen dann bestimmte Bereiche zu, wo sie eigenverantwortlich pflücken dürfen", so das Ehepaar.

Ein guter Service sei den Betreibern besonders wichtig. "Wir nehmen unsere Gäste an die Hand und zeigen ihnen wie alles funktioniert." Es müsse unter anderem dringend darauf geachtet werden, dass nur reife Früchte von den Sträuchern genommen werden. Kinder sind auf der Anlage willkommen. "Wir wollen, dass die Heranwachsenden lernen, dass Früchte nicht einfach im Supermarkt wachsen", so Hülskemper-Toews. Es sei wichtig, den Mädchen und Jungen einen guten Umgang mit der Natur beizubringen.

Neben den Himbeeren können im Bergerfeld in diesem Jahr auch erstmals Erdbeeren auf einer 0,5 Hektar großen Fläche gepflückt werden. Außerdem wachsen schwarze und rote Johannisbeeren auf dem Feld. "Diese ernten wir aber ausschließlich selbst und verkaufen sie dann an Ort und Stelle", berichtet Burkhardt Toews.

Vor dem Kauf

probieren

Der Erwerb von regionalen Früchten bringe den Angaben des Ehepaars zufolge viele Vorteile mit sich. "Die Menschen haben sozusagen die beste Qualität vor der eigenen Haustür und sie bekommen bei uns auch die Gelegenheit, die Himbeeren sowie Erdbeeren vor dem Kauf zu probieren", sagt Ingrid Hülskemper-Toews, die bereits zum 15. Mal Himbeeren zum Selbstpflücken anbietet. Darüber hinaus falle bei regionalen Früchten der umweltschädliche Transport weg, so dass auch etwas für den Klimaschutz getan werde.

Einige Rezept-Tipps hat die Geschäftsfrau auch parat: "Die Himbeeren eignen sich hervorragend zum Einkochen von Marmelade. Aber auch auf Blattsalat mit süßem Dressing schmecken sie sehr gut." Oder wie wäre es mit einer gefrorenen Himbeere in einem Glas Sekt? Dies sei laut Hülskemper-Toews besonders bei den Frauen sehr beliebt.

Mario Bangert ist mit Gattin Kristin und den drei Kindern Luis, Luna sowie Lenny von Mittenaar im Lahn-Dill-Kreis zum Bergerfeld gefahren, um Erdbeeren und Himbeeren zu pflücken. Mehrere volle Körbe transportiert die Familie zum Auto. "Wir sind durch Bekannte auf das Himbeerfeld aufmerksam gemacht worden. Der Service hier ist super", sagt Mario Bangert. Auch deshalb möchte er im kommenden Jahr wiederkommen. Es sei außerdem eine tolle Möglichkeit, um den Kindern zu zeigen, wie die Früchte wachsen.

Herr Wiederhold aus Lindenholzhausen kommt rund zweimal pro Woche vorbei, um Himbeeren zu pflücken. "Ich esse die Früchte meist einfach so, wie sie sind", sagt er. Einige Portionen verschenke Wiederhold auch an Freunde und manchmal nutze er die Himbeeren zum Backen von leckeren Obstkuchen. "Die Atmosphäre vor Ort ist fantastisch. Man trifft viele nette Leute."

Keine Kühlung, Lagerung

und kein Transport

Nicht nur Ingrid Hülskemper-Toews und Burkhardt Toews freuen sich über die hohe Nachfrage. Auch Marco Hepp, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, begrüßt den vermehrten Konsum regionaler Früchte. Das Einsparen von Energiekosten für die Kühlung sowie die Lagerung und die nicht vorhandenen Transportwege seien große Vorteile. Darüber hinaus könne eine hohe Qualitätsstufe sichergestellt werden.

"Die Selbstpflückfelder sind eine gute Möglichkeit, den Kontakt zwischen Produzent und Verbraucher herzustellen und damit auch gegenseitige Vorbehalte abzubauen", sagt Hepp. Man könne durchaus von einem verhaltenen Trend hin zur "Selbsternte" sprechen. Nach seinen Aussagen gibt es aber im Kreis Limburg-Weilburg nur ein Himbeerfeld für Selbstpflücker. Erdbeeren könnten hingegen auch noch bei "Heckelmanns Erdbeerwelten" in Ahlbach und Eschhofen von den Kunden gepflückt werden. tobias ketter

Vorher schauen, ob geöffnet ist

Wer in den kommenden Tagen das Himbeerfeld besuchen möchte, sollte sich vorher unbedingt erkundigen, ob es geöffnet hat. "Aufgrund der hohen Nachfrage könnte es vorkommen, dass das Feld leer gepflückt wird", sagt Hülskemper-Toews. "In einem solchen Fall müssten wir schließen, damit die Früchte nachreifen können." Die Öffnungszeiten werden auf der Homepage des Himbeerfeldes zweimal täglich aktualisiert. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.das-himbeerfeld.de oder unter 01 75-5 43 22 77.

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