1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Brechen

Er ist für Menschen mit Beeinträchtigungen da

Erstellt:

Kommentare

Gut vernetzt: Klaus Kremer soll Inklusionsbeauftragter in der Gemeinde Brechen werden.
Gut vernetzt: Klaus Kremer soll Inklusionsbeauftragter in der Gemeinde Brechen werden. © Andreas Müller

Klaus Kremer soll Inklusionsbeauftragter in Brechen werden

Brechen -Die Gemeinde Brechen könnte bald eine der ersten im Landkreis Limburg-Weilburg sein, die einen Inklusionsbeauftragten hat. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung haben die Parlamentarier eine Satzung für diese Einrichtung beschlossen. Auch ein Name wurde in der Sitzung bereits gehandelt: Klaus Kremer. In einem Gespräch mit Bürgermeister Frank Groos (parteilos) hatte der 58-jährige Diplom-Verwaltungswirt bereits seine Bereitschaft signalisiert, dieses Ehrenamt ausüben zu wollen.

Die Voraussetzungen, die Kremer mitbringt, könnten kaum besser sein. Seit 1980 arbeitet er in der Agentur für Arbeit, seit 1994 ist er Teamleiter einer Abteilung, die für Schwerbehinderte, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Menschen mit Lern-, Körper- oder geistigen Behinderungen zuständig ist. Auch Ersteingliederungen gehören zum Arbeitsfeld seines Teams. Weiterhin ist Kremer seit 2016 Vorsitzender des Sozialverbandes VdK Deutschland, Ortsverband Brechen. Der VdK ist mit zwei Millionen Mitgliedern der größte Sozialverband Deutschlands. Er vertritt sozialpolitische Interessen und setzt sich für einen starken Sozialstaat, eine tragfähige gesetzliche Sozialversicherung und soziale Gerechtigkeit ein.

Der Ortsverband Brechen hat derzeit etwa 420 Mitglieder. "2019 hat der VdK einen sozialpolitischen Forderungskatalog aufgestellt", sagt Kremer. Dieser Katalog beinhaltet unter anderem eine möglichst flächendeckende Einrichtung kommunaler Integrationsbeauftragter. Eine Bedarfsermittlung sei bereits erfolgt, berichtet Kremer.

Jan Kieserg, Pressesprecher des Landkreises Limburg-Weilburg, hat auf Anfrage mitgeteilt, dass in der jüngsten Sitzung des Kreistages die neuen Satzungen für die Beiräte beschlossen wurden, unter anderem auch für den Inklusionsbeirat. Dieser werde sich nun konstituieren. Kieserg weiter: "Bis dahin steht unser Fachdienst Hilfe zur Pflege und Eingliederungshilfe im Sozialamt bei Fragen zur Verfügung." Welche Kommunen bereits einen Inklusionsbeauftragten haben, konnte nicht ermittelt werden. "Das liegt in der Verantwortung der Städte und Gemeinden", so Kieserg.

Kremer hat bereits über den VdK eine Schulung zu diesem Thema absolviert, um sich für seinen Auftrag bestens zu rüsten. "Ich möchte Ansprechpartner vor Ort für die Bürger sein, ein Netzwerk aufbauen, mir anhören, wo es Probleme gibt", führt Kremer aus. Zwar könne er keine Rechtsberatung leisten, will sich aber für eine behindertengerechte Infrastruktur stark machen.

Kleine Dinge,

große Wirkung

"Behindern verhindern" ist ein wichtiges Stichwort für ihn. Beispiele hierfür sind barrierefreie Zugänge zum Rathaus, der Kirche oder auch zu Bushaltestellen. "Da kann man oft schon mit kleinen Dingen eine große Wirkung erreichen", ist sich Kremer sicher. Schwieriger sei das Thema barrierefreier Zugang zu Bahnhöfen oder Zügen der Bahn. "Gerade darauf sind ja Menschen angewiesen, die beispielsweise nicht Auto fahren können oder dürfen". Er weist auf oft nicht barrierefreie Unterführungen hin oder auf die Fußgängerbrücke am Bahnhof Oberbrechen. "Da kommt kein Rollstuhlfahrer ohne Hilfe rauf", weiß er. Und auch der Einstieg in die Züge von der Bahnsteigkante aus sei schwierig, gar gefährlich. Aber mit der Bahn müsste man da wesentlich "dickere Bretter bohren".

Im Gespräch mit Kremer wird deutlich, dass eine Begriffsbestimmung von "Behinderten" schwierig ist. "Im öffentlichen Verkehr können auch Nichtbehinderte behindert werden", sagt er. Als Beispiele nennt er zu enge oder zugeparkte Bürgersteige, auf denen jemand mit Kinderwagen oder Rollator nicht vorbeikommt, ohne auf die Straße auszuweichen. Interessant auch seine Frage: "Warum brauchen wir öffentliche Toiletten für Männer, Frauen und Behinderte? Warum reichen nicht zwei für Männer und Frauen, die so groß konstruiert sind, dass sie auch jemand mit einem Rollstuhl befahren und nutzen kann?" Behinderte Menschen würden sich oft diskriminiert fühlen, weil sie anders behandelt werden als "Nichtbehinderte". "Wo ist die Schwelle zur Diskriminierung?", fragt er. "Inklusion ist eine Haltungssache", ist er überzeugt.

"Sein Amt in der Gemeinde Brechen wird Klaus Kremer im April 2022 antreten", teilt Bürgermeister Groos auf Anfrage mit. Zunächst sollen immer am ersten und dritten Donnerstag eines Monats, von 15 bis 18 Uhr, Sprechstunden angeboten werden. Zur besseren Planung werden Terminwünsche zunächst vom Bürgerbüro, (0 64 38) 91 29-23/-24/-25) immer bis montags vor der Sprechstunde angenommen und an Klaus Kremer weitergeleitet. Die Gemeinde wird noch eine E-Mail-Adresse einrichten und über das neue Angebot auf ihrer Homepage informieren.

Die Beratung soll barrierefrei in einem Büro im Erdgeschoss erfolgen. In der zweiten März-Woche soll die offizielle Bestellung von Klaus Kremer mittels Urkunde durch den Gemeindevorstand erfolgen. Bürgermeister Groos ist dankbar, dass dieses wichtige Thema in seiner Gemeinde nun auf den Weg gebracht wurde: "Mir ist das ein sehr wichtiges Thema und ich bin sehr froh, dass sowohl Gemeindevorstand als auch Gemeindevertretung die Einrichtung eines Inklusionsbeauftragten einstimmig unterstützen." andreas e. Müller

Auch interessant

Kommentare