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Fast 20 Jahre Chef der Schule im Emsbachtal

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Ein letztes Mal abklatschen: Die Schülerschaft steht für ihren Schulleiter Bernd Steioff Spalier.
Ein letztes Mal abklatschen: Die Schülerschaft steht für ihren Schulleiter Bernd Steioff Spalier. © els

Es ist ganz klar, dass eine Ära zu Ende geht

Niederbrechen -Der obere Schulhof ist bereits dekoriert und es füllt sich zunehmend: Ehemalige Lehrkräfte, Eltern und Gäste versammeln sich, um Bernd Steioff offiziell zu verabschieden. Das aktuelle Kollegium ist damit beschäftigt, die zahlreichen Schülerinnen und Schüler in einem Spalier aufzustellen. Als Bernd Steioff an den Schülerinnen und Schülern vorbeiläuft, klatscht er jeden ein letztes Mal persönlich ab.

Als er die Bühne erreicht, bringen die Kinder und Jugendlichen einzeln Pflanzen nach vorne. Das entstehende Pflanzenmeer wird in einer bemalten Europalette zu einem modernen Beet sortiert. Im Anschluss singt die ganze Schulgemeinde "Alte Schule, altes Haus" von Rolf Zuckowski laut mit. Die Schülerinnen und Schüler klatschen im Takt mit und ein Hauch von Wehmut entsteht - Abschiede sind schwer.

In einer persönlichen Rede merkt Schulsozialarbeiterin Madlen Wagner an: "Mit dir geht auch unsere Schule", denn das Kollegium und die Lehrkräfte stehen vor einer großen Veränderung: Die Fusionierung von den Schulen in Niederbrechen und Niederselters rückt immer näher. Konrektorin Annette Ruberg-Neuser bedauert den Abschied von Bernd Steioff sehr: "Gerne hätte ich mit dir gemeinsam die 20 Jahre vollgemacht" und betont dabei die enge Zusammenarbeit im Schulleitungs-Team.

Neue Angebote etabliert

Unter der Prämisse "Wer etwas erreichen will, muss mutig sein, zu scheitern", hat Bernd Steioff seit der Übernahme der Leitung im August 2003 voller Tatendrang seine Schule mit Überzeugung ausgebaut, entwickelt und optimiert. Die Schule war ständig in Bewegung und immer daran interessiert, sich weiterzuentwickeln. Unter seiner Leitung hat sich die Anzahl der Lernenden zwischenzeitlich verdoppelt. Durch das "SCHuB-Projekt", das 2004 startete, erreichen bis heute mehr als 200 Lernende mindestens ihren Hauptschulabschluss, obwohl man sie vorher an benachbarten Schulen aufgegeben hatte. Im Jahre 2006 begann der Ausbau des Ganztagsprogramms, 2008 ist die erste Mensa entstanden, 2010 etablierte die Schule Französisch als zweite Fremdsprache. Persönlichkeitsentwicklung, Verbundklassen, Umgestaltung des Schulhofs - das waren wichtige Themen für Bernd Steioff, die stets gemeinsam mit dem Kollegium angepackt wurden.

Außerdem hat die Schule an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen und bemerkenswerte Platzierungen erreicht: So wurde sie 2007 als zehntbeste Schule Deutschlands, die Schülerinnen und Schüler zum Hauptschulabschluss führt, ausgezeichnet. Zudem erreichte die Schule 2009 den siebten Platz Deutschlands bester Schulen, die zur Ausbildungsreife führen, und 2018 gehörte sie zu den 50 besten Schulen im Wettbewerb des Deutschen Schulpreises.

Während der Corona-Pandemie stand auch der Schulleiter mit seinem Kollegium allerdings vor neuen Herausforderungen. Bernd Steioff schloss mehr oder weniger Frieden mit der von ihm gehassten digitalen Kommunikation. Konferenzen wurden online abgehalten und für die Schülerschaft wurden schnellstmöglich iPads angeschafft, um Lernen trotz Homeschooling zu ermöglichen. Auch in 2022 besticht die Schule im Emsbachtal durch ihren Gemeinschaftsgedanken und ihre Offenheit: Als eine der ersten Schulen im Kreis wird eine Willkommensklasse für ukrainische schulpflichtige Kinder eingerichtet.

Mit Bernd Steioff geht ein Schulleiter mit starker Persönlichkeit, der einen eigenen Standpunkt hat und seine Meinung ausdrücken kann. Dies zeigt sich nicht nur in seiner Rolle als Rektor, sondern auch in seinem politischen Engagement. Mit seiner Vision von Schule und Lehre waren die Schülerinnen und Schüler bei ihm immer an erster Stelle. "Ein guter Lehrer muss mehr sein als Dienst nach Plan", erläutert Benjamin Borsch, Personalratsvorsitzender des Kollegiums,und stellt noch einmal klar: "Der Geist, den Sie in Ihre Schule gebracht haben, wird bleiben." Jörg Sauer, Erster Kreisbeigeordneter, dankt dem offenen und engagierten Schulleiter für seine "hervorragende Arbeit an der Schule", bei der er einige Meilensteine erfolgreich erreicht hat. Allerdings ist für den Schulrektor noch nicht ganz Schluss. Sein letztes Dienstjahr wird er in Wiesbaden bei der hessischen Lehrkräfteakademie verbringen und zukünftige Schulleiter in ihrer Ausbildung unterstützen. Für die Schule im Emsbachtal zeichnet sich ab: Nach Bernd Steioff wird vieles anders werden.

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