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Unterzeichnung der Gründungsvereinbarung: Vorne links Pfarrer Ernst-Martin Benner, damals priesterlicher Leiter und ab Sonntag Pfarrer der neuen Pfarrei, rechts Marc Schütz, damals Vorsitzender des Pastoralausschusses und seit vergangener Woche Pfarrgemeinderatsvorsitzender. Dahinter die damaligen PGR-Vorsitzenden und stellv. Verwaltungsratsvorsitzenden der (damaligen) Pfarreien Arfurt, Aumenau, Kirberg, Langhecke, Nieder- und Oberbrechen, Runkel und Werschau.

Bislang schwierigste Bildung 

Der schwierige Weg zur Gründung der neuen Pfarrei Heilig Geist

Es war ein langer und holpriger Weg bis zum Ziel und die bislang schwierigste Bildung einer Pfarrei neuen Typs im Bistum Limburg. Am Sonntag feiert die neue Pfarrei „Heilig Geist Goldener Grund / Lahn“ nun ihre Gründung. Anlass, um nach vorne und zurückzuschauen.

In der vergangenen Woche hat sich der neue Pfarrgemeinderat (PGR) konstituiert. Zum Vorsitzenden wurde Marc Schütz gewählt, Stellvertreter sind Britta Schmidt und Marten Fuchs. Für die Finanz- und Vermögensverwaltung wählt der PGR den Verwaltungsrat. Außerdem bestätigt er auch die Ortsausschüsse, die in den einzelnen Kirchorten das kirchliche Leben weiterführen, und die Sachausschüsse, die sich zu Themen wie Liturgie oder Jugend auf Pfarreiebene bilden sollen.

Zu „Heilig Geist“ gehören die ehemaligen Pfarreien St. Lambertus Arfurt, St. Josef Aumenau, St. Marien Kirberg, St. Marien Langhecke, St. Maximin Niederbrechen, Hl. Siebenbrüder Oberbrechen, Mariä Heimsuchung Runkel, St. Peter und Paul Villmar und St. Georg Werschau. In ihr leben rund 11 000 Katholiken in Brechen, Hünfelden, Villmar sowie Teilen von Runkel, Selters und Weinbach.

Auch die Mutterkirche der Region, die Berger Kirche, gehört dazu; ebenso das Johanneshaus in Steeden. Die Pfarrei ist Träger von zwei Kindertageseinrichtungen in Villmar und Arfurt, sechs katholischen öffentlichen Büchereien und zehn Gemeindezentren. Darüber hinaus ist sie als mittelbare Trägerin auch an zwei Einrichtungen der Caritas in ihrem Gebiet beteiligt – dem Seniorenzentrum Mutter-Teresa-Haus und der Wohngruppe der Obdachlosenhilfe des Walter-Adlhoch-Hauses. Das Gemeindeleben bereichern auch die zahlreichen Chöre und musikalischen Gruppen, engagierte KAB-, KJG– und KFD-Ortsvereine und verschiedene Gremien und Initiativen.

Mutig in die Zukunft

„Die Christen wollen ihren Glauben im Goldenen Grund und an der Lahn auch in der neuen Pfarrei bewahren und neu beleben sowie im Vertrauen auf das Wirken des Heiligen Geistes mutig die Zukunft gestalten“, sagt Marc Schütz.

Es war eine bewegte Geschichte, die mit der Errichtung des Pastoralen Raumes Villmar-Brechen im Oktober 2014 begann. Damals wurden die beiden Pastoralen Räume Brechen-Hünfelden und Villmar-Runkel, noch auf Vorschlag des bereits nicht mehr im Amt befindlichen Bischofs Tebartz-van Elst zu einer neuen Einheit zusammengefasst. Nach einem Vorschlag von 2012 sollte dieser Raum zur neuen Pfarrei St. Peter und Paul Villmar fusionieren.

Schon früh Widerstand

Gegen das „Bauchgefühl des Bischofs“ formierte sich vor allem in Niederbrechen Widerstand. Im Dekret des Apostolischen Administrators Weihbischof Manfred Grothe wurde im Juni 2014 zwar der Pfarreisitz Villmar erneut bestätigt, gleichzeitig aber auch ermöglicht, einen zweiten Dienstsitz zu errichten und auch bei der Verortung der Pfarrkirche und dem Pfarreinamen Spielräume zu eröffnen.

Dies nutzte eine Pfarrversammlung in Niederbrechen und bat für die größte Pfarrei um einen zweiten Dienstsitz und um die Erklärung des „Doms zum Goldenen Grund“ zur Pfarrkirche der neuen Pfarrei.

Im Frühjahr 2016 kam neue Bewegung in den Konflikt. Eine Kommission des Bischöflichen Ordinariates (BO) hatte sich im Vorfeld der Umsetzung der Beschlüsse alle in Frage kommenden Räumlichkeiten in Villmar, Nieder- und Oberbrechen angeschaut. Dem Pastoralausschuss wurde vorgeschlagen, dass die drei betroffenen Verwaltungsräte gemeinsam einen unabhängigen Gutachter bestellen sollten. Aufgrund dieser Studie zu möglichen Räumlichkeiten für das zentrale Pfarrbüro und das priesterliche Wohnen sollte das BO einen Vorschlag machen.

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Der Vorschlag des Ordinariates auf Basis dieses Gutachtens wurde im November 2016 im Pastoralausschuss beraten und mit großer Mehrheit wurde den Empfehlungen zum zentralen Pfarrbüro in Oberbrechen und dem priesterlichen Wohnen in Niederbrechen gefolgt. Zur Pfarrkirche sollte die Mutterkirche der Region, die Berger Kirche, erwählt werden.

Gegen diese Entscheidung formierte sich nun in Villmar Widerstand. Die Katholiken dort hatten Sorge um die Zukunft des ortsbildprägenden Ensembles aus Pfarr- und Schwesternhaus und Pfarrkirche. In der Folge lehnte das Ordinariat die Berger Kirche als Pfarrkirche ab, bestätigte aber die weiteren Beschlüsse. Im März 2017 fand unter großer Anteilnahme der Auftakt des Pfarreiwerdungsprozesses in Mensfelden statt, bei der zwölf Projektgruppen gebildet wurden.

Über 90 Vorschläge

Der Pastoralausschuss beschloss die weiteren Dienstsitze Kirberg, Runkel und Villmar. Das Gremium einigte sich auch einvernehmlich auf ein weiteres Vorgehen zum Pfarreinamen und zur Verortung der Pfarrkirche. Zum Pfarreinamen gingen über 90 Vorschläge ein, aus denen im Dezember 2017 „Heilig Geist Goldener Grund / Lahn“ ausgewählt wurde. Im Mai 2018 wurde die Pfarrkirche St. Maximin beschlossen. Auch hier war ein halbes Jahr Beschäftigungszeit mit Kriterienkatalogen und Besichtigungen vorausgegangen. Kurz vor Abschluss dieses letzten Entscheidungsprozesses erklärten die Villmarer Vertreter im Rahmen der Visitation durch Weihbischof Dr. Löhr im April ihren „Ausstieg“ aus dem Pfarreiwerdungsprozess.

An der einstimmigen Verabschiedung der von den Projektgruppen erarbeiteten Gründungsvereinbarung nahmen sie nicht mehr teil. Die Hoffnungen, dass mit der Einigung des Bistums und der Pfarrei Villmar über den Verkauf des Pfarrhauses an die Gemeinde Villmar und der Renovierung des Schwesternhauses sich der Konflikt beruhigt, scheinen sich dennoch nicht zu erfüllen.

(pm)

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