Ein schmucker Neubau für die Werschauer Kleinkinder entstand vor 50 Jahren in der Hessenstraße. Das "Storchennest", wie der Kindergarten jetzt genannt wird, spielt eine wichtige Rolle im Leben des Dorfes.
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Ein schmucker Neubau für die Werschauer Kleinkinder entstand vor 50 Jahren in der Hessenstraße. Das "Storchennest", wie der Kindergarten jetzt genannt wird, spielt eine wichtige Rolle im Leben des Dorfes.

Der Bau eines neuen Kindergartens war das letzte große Bauprojekt der damals noch selbstständigen Gemeinde Werschau

In nur Vier Wochen! Kita-Bau in Rekordzeit

  • VonUrsula Königstein
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Vor 50 Jahren, am 19. November 1971, wurde der Grundstein dafür gelegt

Werschau -Als das Land Hessen zu Beginn der 1960er Jahre die Einrichtung von Mittelpunktschulen vorantrieb und viele kleinere Gemeinden teils freiwillig, teils unter leichtem Druck ihre Schulen schlossen, schickten die Werschauer ab Ostern 1965 die Schüler der Oberstufe in die Niederbrechener Schule. Die Grundschule mit ihren 34 Kindern konnte sich noch vier Jahre halten. Doch weil auf absehbare Zeit nicht mit der Bewilligung einer zweiten Lehrerstelle zu rechnen war, beschlossen die Mehrheit der Eltern und die Gemeindevertretung, die Schule aufzulösen. Der letzte Unterricht in der Werschauer Schule war am Freitag, 3. Oktober 1969, und seitdem ist die Niederbrechener Schule auch die Schule für Werschau. Mit den Kindern wanderte auch das gesamte Inventar samt Lehrmitteln nach Niederbrechen.

Die beiden Schulhäuser, das alte von 1883 und der Neubau von 1952, standen nun leer. Mit einem eiligen Beschluss konnten sich die Werschauer jedoch die Gebäude und die dazugehörigen Grundstücke sichern, die sonst in das Eigentum des Kreises Limburg als neuem Schulträger übergegangen wären. Rechtzeitig bevor das entsprechende Gesetz zum 1. Januar 1970 in Kraft trat, beschloss die Gemeindevertretung die Entwidmung des Schulkomplexes und sicherte sich so das alleinige Besitz- und Verfügungsrecht darüber.

Um aber wenigstens die Jüngsten des Dorfes zusammenzuhalten und einen weiteren Ort der Begegnung für die Bevölkerung zu haben, beschloss die Gemeinde als vordringliches Vorhaben, einen Kindergarten zu bauen. Ihm sollte ein längeres Leben beschieden sein als den ersten Versuchen der Kinderbetreuung durch die Nazis in den Kriegsjahren mit Unterbrechungen von 1941 bis 1944 sowie dem von der Kirchengemeinde mit Unterstützung der Zivilgemeinde 1945/1946 in der alten Schule betriebenen Kindergarten, der wegen der niedrigen Kinderzahl und zu geringen Einnahmen nach wenigen Monaten geschlossen wurde.

Kostenvoranschlag

von 200 000 Mark

Als Ort für den Kindergarten bot sich der nun leerstehende Schultrakt von 1952 in der Hessenstraße an. Diesem sollte ein Neubau in L-Form angegliedert werden. Zwar hätte im September 1970 bereits mit dem vom Architekten Erich Kramm geplanten Bau begonnen werden können, doch waren die Finanzen noch nicht geregelt. Der Kostenvoranschlag belief sich zunächst auf 200 000 Mark. Für 1972 stand ein Kredit in Höhe von 69 000 Mark bereit, und über Zuschüsse wurde mit Kreis und Land Hessen verhandelt. Jedoch hatte die Landesregierung im Hinblick auf die laufende Gebietsreform alle Zuschüsse blockiert, da sie ab 1971 für alle Neubauten wie Kindergärten, Krankenhäuser, Heime, Schwimmbäder und ähnliche Einrichtungen einen Planungsstopp verhängt hatte. Bis Juni, so der Erlass aus Wiesbaden, müsse die Gemeinde warten, ob sie überhaupt grünes Licht für den Kindergartenbau erhalten werde.

Im Mai 1971 sagte der Kreis endlich als erste Rate einen Zuschuss von 14 000 Mark zu, und nun konnte auch die Landesregierung überzeugt werden, den Bau des Kindergartens in einem Dorf mitzufinanzieren, in dem es bisher keine solche Einrichtung gab. Mit 105 000 Mark vom Land und schließlich 47 000 Mark vom Kreis sowie den Eigenmitteln der Gemeinden von 80 000 Mark war der Bau finanziell abgesichert, und die ersten Arbeiten konnten ausgeschrieben werden.

Bei der Grundsteinlegung am 19. November hob der damalige Erste Kreisbeigeordnete Karl-Heinz Blättel die beispielhafte Initiative der Gemeinde hervor, die innerhalb eines Jahres ein Feuerwehrfahrzeug angeschafft, die ersten Bäume für einen Schutzwald gepflanzt habe und nun den einzigen in diesem Jahr vom Kreis subventionierten Kindergarten baue.

Bürgermeister Gerhard Beck dankte dem Kreis für die Förderung dieses Beispiels kommunaler Zusammenarbeit, während Pfarrer Hubert Reich die Segensworte sprach. Dank des günstigen Wetters gingen die Bauarbeiten zügig voran, und schon vier Wochen später, am 17. Dezember, konnte das Richtfest für das "Storchennest" gefeiert werden. ursula königstein

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