1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Brechen

Kulinarisch unterwegs auf Schusters Rappen

Erstellt:

Kommentare

Auf dem Weg zur Johanneskapelle: Alle Generationen machten mit bei "Brechen geht rund".
Auf dem Weg zur Johanneskapelle: Alle Generationen machten mit bei "Brechen geht rund". © volz

Handwerkskunst und Handwerkstradition prägen den Goldenen Grund

Brechen -Brechens Lebensmittelerzeuger arbeiten Hand in Hand - der Region verbunden, der biologischen Herstellung verpflichtet. Entlang gut ausgeschilderter Wanderwege stellten sich bei "Brechen geht rund" zahlreiche Betriebe mit ihren Produkten sowie Vereine und Initiativen vor. Die gesamte Gemeinde Brechen war in Bewegung und zeigte sich von einer sehr angenehmen Seite - eine weitere gelungene Veranstaltung anlässlich des Doppeljubiläums zum 1250-jährigen Bestehens der beiden Brechen, Ober- und Niederbrechen.

Zeitgleich eröffneten Christel Höhler-Heun (CDU), Vorsitzende der Gemeindevertretung, die kulinarische Wanderung auf dem "Hydepark" Niederbrechen und Bürgermeister Frank Groos (parteilos) am Brunnenplatz in Oberbrechen. Christel Höhler-Heun stellte die Brechener Partnerstadt, Le Barp im französischen Département Gironde vor, ehe es auf den durch Christof Schneider und Thomas Frank geplanten Wanderweg ging. Auf dem Barmbacher Hof informierte die Familie Heun über Produkte und deren Herstellung. 1993 wurde auf ökologischen Landbau umgestellt und konsequent nach dessen Richtlinien bewirtschaftet. Der Betrieb siedelte 1960 aus dem Niederbrechener Ortskern aus. Christian Heun, Agrarbetriebswirt, führte interessierte Besucher durch Hof und Stallungen des Familienbetriebs, aktuell werden hier 60 Kühe sowie 18 Schweine gehalten. In Hofladen und "Milchtankstelle" können Heuns Produkte direkt erworben werden, darunter auch Brot aus eigenem Getreide, gebacken von Bäcker Roth in Oberbrechen. Wanderer konnten unter Brot mit Hausmacher Wurst und veganen Brotaufstrichen wählen.

Etwas unterhalb des Rathauses beeindruckte Johannes Hoppe, Gesellschafter der Kelterei Hoppe, mit köstlichen Getränken und seinem Einsatz für die heimischen Streuobstwiesen und somit die Natur insgesamt. Selbst bei einer früheren Pflanzaktion mit Obstgehölzen der Hanauer Baumschule Köhler war es ihm wichtig, dass die gut 100 angebotenen Sorten nicht zeitgleich blühen und somit andauernde Nahrung für Bienen böten. Die Kelterei wurde 1953 durch Paul Hoppe gegründet. Dieser heiratete zuvor in den letzten Weinbaubetrieb in Niederbrechen ein, der Brecher Wein wuchs überwiegend auf den Hängen des heutigen Naturschutzgebiets "Eich" am nördlichen Ortsausgang. Johannes Hoppe übernahm 1984 die Leitung des Betriebs mit einer Gesamtkapazität von gut 3 Millionen Litern Apfelsaft und Apfelwein, gelagert in riesigen Edelstahltanks. 1992 wurde in eine Obstpresse investiert.

Export nach

Sachsenhausen

Insgesamt sei die Branche sehr kapitalintensiv. Der Familienbetrieb wird durch einen Mitarbeiter unterstützt, einen Nachfolger gibt es bisher nicht. Seit gut 40 Jahren schenkt der Sachsenhäuser "Apfelwein-Wagner" seinen Gästen Brechener Köstlichkeiten ein, Hoppe ist dessen Hauslieferant. Der heimische Betrieb, der individuell auf die Ansprüche seiner Kunden eingehen kann, ist in der Lage, an einem Tag im Zwei-Schicht-Betrieb bis zu 100 Tonnen Äpfel zu keltern. Hoppes sind bio-zertifiziert. Im Auftrag arbeitet der Familienbetrieb für die Staatsdomäne Gladbacher Hof (Aumenau), die Firma Egenolf (Faulbach) und beliefert die Domäne Mechtildshausen in Wiesbaden. Die in 2010 übernommene Kelterei Schmidt in Bad Camberg konnte nicht weitergeführt werden.

Nach steilem Anstieg zur Berger Kirche gab es Stärkung im Schatten des besonderen Bauwerks an einem besonderen Ort mit Blick weit in den Goldenen Grund. Der Freundeskreis Berger Kirche kümmerte sich um seine Gäste. Die romanische Saalkirche wurde im Jahre 910 erstmals erwähnt, der umgebende Ort Bergen ist seit dem 14. Jahrhundert verschwunden.

Mit einer ansprechenden Ausstellung zu seiner Tätigkeit wartete der Arbeitskreis historisches Brechen auf, Lydia Arten stand Rede und Antwort. Der weite Weg zum Schützenhaus Oberbrechen des Schützenvereins Hubertus wurde belohnt mit köstlichen Würstchen und Getränken. Zweifelsohne schönster Rastplatz der Brecher Wanderer und Gästen aus der ganzen Region war der Stand an der Johanneskapelle oberhalb von Brechen.

Hier hatten Oberbrechens alteingesessener Bäcker Roth, Britta und Mario Roth, unterstützt von Freunden, einen ansprechenden Stand inmitten blühender Rapsfelder mit grandioser Fernsicht aufgebaut. Neben gebackenen Köstlichkeiten aus heimischem Getreide gab es auch "Flüssig Brot", einen feinen Brand aus Roths Brot. Die Bäckerei Roth ist seit 1894 im alten Ortskern Oberbrechens ansässig, Mario Roth legte 1998 seine Meisterprüfung ab, heute wird in einer 100 Quadratmeter großen Backstube produziert. Der Bäckerei Roth, die auch mit zwei Filialen in Niederbrechen vertreten ist, wurde die "Hessenbäcker"-Lizenz des Hessischen Bäckerinnungsverbandes erteilt, ein Qualitätszeichen der handwerklich geführten Bäckereien in Hessen.

Auch hat das Gourmet-Journal "Der Feinschmecker" die Brechener Bäckerei Roth zu dem 600 besten Bäckereien Deutschlands ausgewählt. Sie setzen auf Grundstoffe aus der Region. Das ist wohl ein Qualitätsgarant, der bezeichnend für die Brechener Lebensmittelerzeuger ist. Hinzu kommt der Einsatz der Familienbetriebe: Handwerkskunst und Leidenschaft.

Unzählige Teilnehmer der kulinarischen Wanderung wünschten sich eine baldige Wiederholung dieses Fests. Bürgermeister Frank Groos kann sich mit dem Gedanken anfreunden. Allerdings würde er eine Frequenz von zwei bis vier Jahren empfehlen. Frank Groos, und nicht nur er, zeigte sich begeistert vom Erfolg dieser Veranstaltung im Rahmen des Jubiläums der Ortsteile Ober- und Niederbrechen, die sich beide auf die gleiche Urkunde ihrer Ersterwähnung berufen - in der wurde nicht unter Ober- und Niederbrechen unterschieden.

Bernd-Rainer Volz

Auch interessant

Kommentare