24. Oktober 2018: Die Gründungsvereinbarung der Pfarrei Heilig Geist Goldener Grund/Lahn ist unterzeichnet. Der Zusammenschluss der neun Pfarreien geschieht nicht ohne Widerspruch. Villmar hat nicht unterschrieben. Vorne links Pfarrer Ernst-Martin Benner, vorne rechts Marc Schütz. Dahinter stehen die damaligen PGR-Vorsitzenden und stellvertretenden Veraltungsratsvorsitzenden der (damaligen) Pfarreien Arfurt, Aumenau, Kirberg, Langhecke, Nieder- und Oberbrechen, Runkel und Werschau.
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24. Oktober 2018: Die Gründungsvereinbarung der Pfarrei Heilig Geist Goldener Grund/Lahn ist unterzeichnet. Der Zusammenschluss der neun Pfarreien geschieht nicht ohne Widerspruch. Villmar hat nicht unterschrieben. Vorne links Pfarrer Ernst-Martin Benner, vorne rechts Marc Schütz. Dahinter stehen die damaligen PGR-Vorsitzenden und stellvertretenden Veraltungsratsvorsitzenden der (damaligen) Pfarreien Arfurt, Aumenau, Kirberg, Langhecke, Nieder- und Oberbrechen, Runkel und Werschau.

Streitigkeiten

Limburg-Weilburg: Es knirscht in der Pfarrei Heilig Geist

  • vonPetra Hackert
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Vor gut zwei Jahren wurde die neue Pfarrei Heilig Geist Goldener Grund gegründet - Jetzt ist der Vorstand des Pfarrgemeinderats zurückgetreten

Brechen/Villmar/Runkel/Hünfelden -Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der Vorstand des Pfarrgemeinderats (PGR) Heilig Geist Goldener Grund Ende November zurückgetreten, also der Vorsitzende Marc Schütz und seine beiden Stellvertreterinnen Britta Schmidt und Dörte Schneider. Die drei bleiben weiterhin Mitglieder des PGR. Zwei weitere Mitglieder, Britta Schaaf-Roth und Stephanie Laubach, sind aus dem Gremium ausgetreten. Auch die jeweiligen Nachrücker in den Kirchorten Oberbrechen und Langhecke verzichten auf ihr Mandat.

Warum? "Auslöser war eine ultimative Forderung einer Gruppe im PGR nach einem umgehenden Sitzungstermin, inklusive vorgeschriebener Tagesordnung. Das, obwohl der Vorstand einen Tag zuvor informiert hatte, dass eine digitale Sitzung in Vorbereitung ist. Und der Ton hat auch zur Musik beigetragen", sagt der bisherige Vorsitzende Marc Schütz. Dies sei jedoch nur der Tropfen gewesen, der nach fast einem Jahr von sich verschärfenden Auseinandersetzungen das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Es gebe nach wie vor ältere Konflikte, die ab und zu noch aufflackerten, aber es kamen in Coronazeiten neue hinzu. Der Abstand und manchmal fehlende direkte Austausch habe zu Missverständnissen beigetragen. Und: "Im PGR gab es dieselbe Bandbreite an Meinungen, wie in den Medien und der Gesellschaft. Dabei wurden die alten Konflikte manchmal instrumentalisiert", sagt Schütz.

Das Werden der neuen, größeren Pfarrei mit neun Kichorten in Brechen, Villmar, Runkel und Hünfelden war bereits von Konflikten begleitet. Dabei ging es auch um den Sitz der neuen Pfarrei in Brechen oder Villmar. Am Ende wurde es Brechen.

Aus neun mach eins

Die neun Kirchorte, drei in Brechen (St. Maximin Niederbrechen, Heilige Sieben Brüder Oberbrechen, St. Georg Werschau), drei in Villmar (St. Peter und Paul Villmar, St. Josef Aumenau, St. Marien Langhecke), zwei in Runkel (Mariä Heimsuchung Runkel, St. Lambertus Arfurt) einer in Hünfelden (St. Marien Kirberg) sowie die Berger Kirche und das Johanneshaus in Steeden sollten in der neuen Pfarrei zusammengeführt werden. Die priesterliche Leitung übernahm Pfarrer Ernst-Martin Benner. Feierlich begründet wurde die neue Pfarrei am 27. Januar 2019 in einem Gottesdienst in St. Maximin mit Bischof Georg Bätzing und einem anschließenden Empfang.

Trotz der Startschwierigkeiten habe man sich bemüht, konstruktiv zusammenzuarbeiten, sagt Marc Schütz. Dies sei zu Beginn auch vielversprechend gewesen. Doch im Laufe der Zeit habe sich die Gesamtsituation verschlechtert. Es gebe zu viele, die sich im Pfarrgemeinderat ausschließlich als Vertreter ihres Kirchortes verstünden. Hinzugekommen seien unklare Dienstanweisungen aus dem Bischöflichen Ordinariat. "Zunächst hatten explizit der PGR-Vorstand zusammen mit dem Pastoralteam die Leitung. Die Formulierungen beim Übergang zur Einbeziehung des PGR waren vage", nennt Schütz ein Beispiel. Auch: "Zunächst sollte eine Höchstgrenze an Besuchern von Gottesdiensten in den einzelnen Kirchen berechnet und veröffentlicht werden. Der Übergang zur Definition von Hausständen und deren Abstand und somit flexibleren Obergrenzen war und ist unklar." Beides habe dazu geführt, dass die Verantwortung vor Ort lag, was aber auch heißt, dass dort unterschiedliche Interpretationen aufeinandertrafen. "Dann gab es im PGR diejenigen, die am liebsten wieder sofort den Regelbetrieb - das Wort wurde exakt so verwendet - inmitten der Pandemie haben wollten und jene, die vorsichtiger waren und/oder auch den vielen alternativen Angeboten und Initiativen Raum lassen wollten." Kirchorte, die zunächst Bedenken hatten, überhaupt Ordner zu finden und deswegen nur wenige Gottesdienste anbieten wollten, hätten genau dies später dem Vorstand zum Vorwurf gemacht.

Eine Reihe von Missverständnissen

Es habe eine Reihe von Missverständnissen oder Fehlinterpretationen gegeben. "Einerseits wollten die Ortsausschüsse so viel wie möglich Spielraum, andererseits sollte der PGR alles möglichst genau regeln, damit es vor Ort keine Diskussionen gäbe, mit denen sie und die Ordner überfordert seien. Manche wollten jede personelle Ressource des Teams für möglichst viele Angebote und noch das vorgearbeitete detaillierte Hygienekonzept dazu - aber Verantwortung sollte dann der Pfarrer oder der PGR - eben andere tragen."

Vieles sei kulminiert. "Meist war es so, dass unterschiedliche Interpretationen oder Missverständnisse - in bewegten Zeiten wie diesen sicherlich nicht ungewöhnlich - zu großen Problemen ganz grundsätzlicher Art stilisiert wurden."

Jetzt stellt er fest: "Ich habe das Gefühl, dass mich der Spagat zwischen denen, die ständig fordern und denen, die verunsichert sind und sich zurückziehen, sowie zwischen dem Pastoralteam und der ständig fordernden Fraktion im PGR - deren Anliegen ich oft auch nachvollziehen kann - fast zerreißt." Dabei habe er, der selbst gut 30 Jahre im Niederbrechener Pfarrgemeinderat aktiv gewesen war, hier mitwirken wollen in einer Kirche der Veränderung "und einbringen, was mich als Glaubender und Teil dieser Lebensgemeinschaft Kirche bewegt".

Wie geht es weiter? Unter Moderation des Diözesansynodalamtes hat die angekündigte digitale Sitzung des Pfarrgemeinderats bereits stattgefunden. "Dringende Themen wurden dort beraten und auch entschieden. Für weitere kleinere anstehende organisatorische Aufgaben hat sich dort niemand bereit erklärt", so Schütz. Einige Mitglieder hätten erklärt, dass sie sich unter den derzeitigen Umständen einfach eine Neuwahl eines neuen Vorstands nicht vorstellen könnten. Alles, was mit Verwaltung, Vermögen und Personal zu tun habe, werde vom zuständigen Verwaltungsrat der Kirchengemeinde normal weiter geführt. In ihm sind Mitglieder aus acht Kirchorten vertreten.

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