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Am Sonntagmorgen wurde mit Diakon Gemeinder im Freien der Festgottesdienst gefeiert.

Corona-Kirmes

Niederbrechen: Der Kirmesjahrgang macht das Beste draus

  • vonRobin Klöppel
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Die jungen Leute würden gerne nächstes Jahr noch einmal richtig feiern.

Niederbrechen – So viele junge Menschen wie gestern waren schon lange nicht mehr beim Festgottesdienst zur Niederbrecher Kirmes zu sehen. Insgesamt 300 Gläubige kamen Sonntag zum Open-Air-Gottesdienst am Seniorenzentrum Mutter-Teresa-Haus. Eine Personenbegrenzung hat es nicht gegeben, da draußen Platz genug vorhanden war, um alle Interessierten unter Einhaltung der Corona-Bedingungen platzieren zu können. Danke ist dafür auch den Ortsvereinen zu sagen, die der Pfarrgemeinde ihre Sitzbänke dafür problemlos geliehen hatten.

Stimmung wie ein Schalke-Fan

Bürgermeister Frank Groos (parteilos) sagte: "Corona kann uns vielleicht die Veranstaltungen nehmen, aber nicht die Kirmes." Groos berichtete, dass er nach dem Gespräch mit einem Brecher Fußballfreund am Freitag im Rathaus mit Stimmung am Boden wie ein Schalke-Fan nach Hause gegangen sei. Kein Rockabend, kein Empfang, kein Frühschoppen. Alles hatte Corona dieses Jahr Niederbrechen genommen - und es war kein Peter Neururer in Sicht, der todesmutig mit seiner mentalen Stärke die Pandemie hätte stoppen können. Doch auf einmal sah Frank Groos in seinen Augenwinkeln die Fahnen, die immer mehr Brecher Bürger zu Ehren der Brecher Kirmes hissten, die Bäumchen, die der aktuelle Kirmesburschenjahrgang gestellt hatte. Und auf einmal wusste der Bürgermeister, dass er doch da ist am Wochenende im Dorf, der Geist der Kirmes. Der Geist, den Brechen niemand nehmen kann, egal was die Corona-Bestimmungen sagen. Groos weiß: "Kirmes ist nicht nur, sich in der Sektbar abzuschießen, auch wenn das auch dazu gehört. Die Kirmes ist im Herzen, ein Gefühl".

Der Brecher Verwaltungschef lobte die Kirmesburschen und -mädchen, die in Corona-Zeiten das Beste aus ihrer Kirmes gemacht hätten.

So haben sie Samstag die Eltern aufgesucht und ihnen ein Ständchen gebracht, gestern begleitet vom Blasorchester des örtlichen Turnvereins noch einen kleinen Umzug Richtung Hydepark gestartet. Wie zu hören war, soll den diesjährigen Niederbrecher Kirmesburschen die Chance gegeben werden, 2021 nochmal richtig Kirmes halten zu dürfen. Dafür wollen die eigentlich für 2021 vorgesehenen Jungs ein Jahr nach hinten gehen und sich mit dem kommenden Jahrgang zusammenschließen. Diakon Heinz Gemeinder sagte in seiner Predigt, dass der eigentlich richtige Ort, um ein Kirchweihfest zu begehen, natürlich die Kirche "St. Maximin" sei. Doch dort hätten nur 76 Personen den Gottesdienst mitfeiern können und darum habe man sich für einen Freiluftgottesdienst entschieden.

Der Gottesdienst mitten im Ort

So werde die Kirmes diesmal mitten im Ort gefeiert, dort, wo die Bürger lebten. Der "kleine Virus" Corona habe alles verändert. Das, was vorher undenkbar gewesen sei, sei plötzlich denkbar. Die Menschen müssten sich im Alltag vielen Schutzmaßnahmen stellen, sagte Gemeinder. Gerade gehe die Zahl der Infektionen wieder stark nach oben. Deutschland sei weiterhin mitten in einer Krise. Der Diakon sagte offen, dass auch die Kirche mitten in einer Krise stecke, das nicht erst seit Corona-Zeiten. Gemeinder riet den Gläubigen, sich für Jesus frohe Botschaft zu entscheiden. Diese sei ein gutes Fundament, auf das man sein Leben aufbauen könne.

Heinz Gemeinder erklärte, man solle sich nicht an alten kirchlichen Traditionen, sondern an Jesus Worten orientieren. Eine Veränderung zum Positiven in der Kirche werde nicht vom Papst kommen und auch nicht vom Limburger Bischof, sondern von uns, der Basis. Wenn diese wieder Ausstrahlung besitze, werde die Kirche auch wieder leuchten und mitten im Ort bleiben. Gemeinder kritisierte, das in der heutigen Zeit teilweise in der Kirche miteinander umgegangen werde, dass andere nichts damit zu tun haben wollten. Jesus dagegen habe andere nicht ausgegrenzt, sondern die Ausgegrenzten mitten in die Gesellschaft zurückgeführt. Es müsse ein positiver Geist in der Kirche geschaffen werden, der dazu führe, dass heutige Kirchenkritiker wieder zu ihr dazugehören wollten. robin klöppel

Die Kirmesburschen- und -mädchen lassen sich die Freude an ihrer "Corona-Kirmes" nicht vermiesen.

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