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Mehr Kontrollen ? das wünschen sich manche Brechener.

Viele ärgerliche Situationen

Parken ist in der Gemeinde Brechen ein Problem

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Autofahrer, die anderen Prügel androhen, keine Chance, aus der eigenen Einfahrt zu kommen, egoistisches Parken: Das ist in Brechen keine Seltenheit. Nur einige Erfahrungen, die beim Verkehrsforum zur Sprache kamen.

Wenn er aus seiner Einfahrt fahren will, kommt er nicht auf die Limburger Straße. Zu viel Verkehr. Deshalb stellt Heinz-Dieter Basquitt sein Auto frühzeitig auf den Parkstreifen am Straßenrand. Der ist dann zwar belegt, obwohl er es nicht sein müsste. Dafür kann Basquitt seinen Wagen relativ problemlos in den fließenden Verkehr einfädeln. Aber er muss sein Auto beizeiten auf den Streifen stellen. „Wenn Du nicht früh genug draußen bist, hast Du keine Chance. Dann kommst Du nicht mehr auf die Straße“, erzählt er. Das ist kein Einzelfall. Weitere Anlieger der Limburger Straße in Niederbrechen kennen das so.

In den Straßen rund um die Kirche in Oberbrechen werde geparkt, als ob es keine Regeln gebe, berichtet Ismail Erden. „Feuerwehr-Fahrzeuge kämen da nicht mehr durch. Ich weiß nicht, ob das den Leuten bewusst ist. Oft komme ich nicht aus meiner Einfahrt, weil alles zugeparkt wird.“ Wenn man jemanden darauf anspreche, führe das zu Ärger. „Mir wurden schon Prügel angedroht. Meine Toleranzschwelle ist erreicht“, sagt Erden.

Als Bürgermeister Frank Groos einen Falschparker fotografierte, wurde er sofort angesprochen: „Warum machen Sie das?“ – „Ich habe gesagt, was soll ich denn tun? Wenn ich nichts mache, dann heißt es, der Bürgermeister hat die Hände im Säckel und schaut weg. Wenn ich etwas tue, ist es auch ärgerlich.“

Nur drei Beispiele, die zeigen: Brechen hat ein Verkehrsproblem. Vorrangig mit dem Parken. Oliver Moschner-Schweder formuliert es so: „Wir haben eine ganz eigene Parkraumbewirtschaftung: Wo ein Auto stehen kann, da steht eins.“

Alles Aussagen aus dem Verkehrsforum der Gemeinde am Mittwochabend in der Niederbrechener Kulturhalle. Die Kommune weiß, dass sie etwas tun muss und hat sich externe Hilfe geholt. Karin Weber vom Büro für Stadt- und Verkehrsplanung in Darmstadt ist gerade dabei, die Dinge zu strukturieren. Will heißen: Gemeinsam mit ihren Mitarbeitern war sie mehrere Tage vor Ort, hat sich die Parksituation in den drei Ortsteilen angeschaut. Nächster Schritt ist das Gespräch mit den Bürgern, zu dem jetzt 120 Interessierte gekommen sind. Am Anfang werden Erfahrungen ausgetauscht, dann kleine Arbeitsgruppen gebildet, um in die Analyse zu gehen. Am Ende wird ein Verkehrskonzept stehen, an dem die Brechener mitgewirkt haben. Das ist nicht einfach, wissen auch die Beteiligten. Rüdiger Abel berichtet: „Ich habe schon über 100 Unterschriften gegen die Raserei in der verkehrsberuhigten oberen Rathausstraße gesammelt.“ Die Leute haben gerne unterschrieben. Doch geändert hat sich nichts. Oder doch? Seit der Parkplatz „Festplatz“ kostenfrei ist, habe sich die Situation im Bereich der Turnhalle entschärft, sagt Christel Poppe. Sie wohnt dort und hat es selbst erlebt. Andere steuern weitere Negativ-Beispiele an. Auszüge daraus:

  Umgehung: Die Ampel an der Kreuzung der B 8 zur Villmarer Straße in Niederbrechen werde umfahren sobald nur zwei Autos bei Rot davor stünden. Die Nebenstraßen erhielten mehr Verkehr. Es sei zu eng und es werde zu schnell gefahren.

  Geschäfte: Oft blockierten Dauerparker die wenigen Parkplätze direkt vor den Geschäften, die für Kunden oder Anlieferungen nötiger gebraucht würden.

  Bürgersteige: An einigen Stellen werde komplett ignoriert, dass dort das Parken verboten ist. Manche Trottoirs werden auf der ganzen Breite zugeparkt.

  Garagen: Einige werden als Abstellraum genutzt, während das Auto auf der Straße steht.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Heiko Ewald, Vorsitzender der Bürgerinitiative Pro-B-8-Umgehung bestätigt eine ganze Reihe der Beobachtungen und verteilt Aufkleber, die zum Umdenken auffordern sollen. Denn was nützen die schönsten Regeln, wenn sie nicht befolgt werden?

Die Erfahrung hat auch Edmond Heinrichs gemacht. „Ich bin oft zu Fuß unterwegs, und die Falschparker stehen überall“, sagt er. Und ergänzt: Oft höre er, man wolle „eben nur mal kurz . . .“ Er habe auch schon gefragt, warum sich jemand auf den Bürgersteig stelle statt auf die Straße, wo es erlaubt ist. „Aber die Autos brauchen doch Platz“, sei die Antwort gewesen. Die, die fahren, sind gemeint. „Was ist denn wichtiger, der Fußgänger oder der Autofahrer?“, fragt Heinrichs. Eine Bemerkung, mit der er immer wieder angeeckt sei.

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