nps_Luftaufnahme2_061020
+
Diese Luftaufnahme (Mitte 1950er Jahre) von der Hessenstraße zeigt im Vordergrund das Anwesen Georg Hilfrich mit Haus, Scheune und Stallung. Angrenzend das alte Schulgebäude von 1883 (Backsteinbau) mit dem Anbau von 1952 (verputzt), alte Stallung, Schulgarten sowie Schulhof. fotos: gemeindearchiv brechen

Blick zurück

Werschau: Schule als Mittelpunkt des geistigen Lebens im Dorf

In der Werschauer Pfarrchronik (1712 - 1960) ist dokumentiert, wie im Jahr 1952 die umgebaute Schule in Werschau eingeweiht wurde. Wir erinnern an sie in unsere Serie "Vergessen Plätze"

Ein Schulgebäude gibt es in Werschau nachweislich schon seit 1694. Von 1723 bis 1828 werden die Schüler in einem Raum über dem Backhaus in der Ringstraße 29 (früher Hintergasse 66) unterrichtet. Von 1828 bis 1883 findet der Unterricht im Haus in der Hauptstraße 17 (früher Untergasse 43) statt.

Da dieses Schulhaus aus dem Jahr 1827 baufällig und zu klein und für die Folge nicht mehr zu gebrauchen ist, wird 1876 das alte Schulhaus als nicht mehr seinem Zweck entsprechend verworfen und der Bau eines neuen außerhalb des Dorfes an die Chaussee nach Dauborn beschlossen. Die Umsetzung sollte so bald wie möglich in Angriff genommen werden. Am 13. August 1883 wird das neue Schulhaus in der Obergasse 23 vom Hochwürdigen Herrn Pfarrer Hügehen zu Diez feierlich eingeweiht. Der eigentlichen kirchlichen Einsegnung geht ein feierlicher Gottesdienst voraus, an dem sich die ganze Gemeinde mit wenigen Ausnahmen beteiligt. Nach Ablauf der Ernteferien, am 20. August 1883, wird der Unterricht im neuen Schulhaus begonnen.

Großzügige Renovierung

1938 wird durch die Bemühungen von Herrn Bürgermeister Josef Göbel eine großzügige Renovierung des Schulhauses vorgenommen. Der Schulsaal wird neu hergerichtet und durch den Einbau eines großen Fensters werden bessere Lichtverhältnisse geschaffen. Flur und Treppenhaus werden erneuert, die schadhafte Außeneinfriedung ausgebessert und neu verputzt.

Auch die Lehrerdienstwohnung wird vorteilhaft verändert. Eine Hauswasserleitung wird eingerichtet, die beiden kleinen Zimmer links werden zu einem geräumigen und zu einem Haus-Klosett mit Bad umgebaut. Der Stall in der Scheune wird zu einer Waschküche umfunktioniert.

Am 26. Oktober 1952 wird der im Jahre 1951 begonnene Anbau an die alte Schule eingeweiht. Der Neubau enthält einen großen Schulsaal, einen Nebenraum und ein Lehrerzimmer sowie einen Werkraum im Kellergeschoss.

"Die Einweihungsfeier begann mit einer Predigt und Andacht in der Kirche, bei der das neue Schulkreuz, ein Geschenk der Kirchengemeinde an die Schule, kirchlich geweiht wurde", schreibt Pfarrer Gelhard in der Werschauer Pfarrchronik (1712-1960). "In den ersten Bänken hinter den Kindern nahmen Herr Landrat Jäger von Limburg, Herr Schulrat Scholz von Limburg, beide überzeugte Katholiken, sowie der Baurat und Lehrer aus der Nachbarschaft Platz", ist weiter in der Pfarrchronik zu lesen. In der Kirche sei um Gottes Schutz und Segen für die neue Schule gebetet worden, die ein entscheidender Erziehungsfaktor in der Gemeinde sein sollte.

Kulturelle Veranstaltungen

Von der Kirche zur Schule ging es dann in einer Prozession - mit dem gestifteten Schulkreuz an der Spitze. Es wurde dabei das Lied "Sing o Zunge, rühm o Seele" gesungen. "Danach weihte ich liturgisch die neue Schule ein", schreibt Pfarrer Gelhard weiter in der Pfarrchronik. "Herr Lehrer Schmitt von Werschau sprach, dass die Schule der Mittelpunkt des geistigen Lebens im Dorfe sei. Sie sei geeignet für kulturelle Veranstaltungen jeder Art. Landrat Jäger übermittelte die Glückwünsche der Regierung und der Kreisverwaltung und sprach sich für die Erhaltung und Erziehung unter dem Kreuze aus. Unser Gesangverein ,Frohsinn' umrahmte die Feier mit schönen Liedern."

Der Anbau dient ab diesem Zeitpunkt bis zur Eröffnung des Dorfgemeinschaftshauses im Jahre 1967 auch als Veranstaltungsraum für Werschau. Der Werkraum im Keller wird lange Jahre auch als Jugendraum genutzt. 1965 werden die Kinder der Oberstufe von der Grund- und Hauptschule in Niederbrechen übernommen.

Am 3. Oktober 1969 findet letztmalig Unterricht in der Werschauer Schule statt. Die Kinder der Klassen eins bis vier besuchen von 6. Oktober 1969 an die Schule in Niederbrechen. Gerhard Beck, letzter Lehrer von Werschau, unterrichtet von diesem Zeitpunkt in Niederbrechen. Die Werschauer Schule wird am 4. Oktober 1969 aufgelöst.

Das alte Schulgebäude von 1883 wird im Sommer 1972 abgebrochen, der Anbau wird zu einem Kindergarten umgebaut. Viele ältere Leute haben beim Abriss geschimpft, dass man einen solch schönen Backsteinbau abreißt. Aktuell gibt es seitens der Gemeinde Überlegungen, wegen Platzmangel einen neuen Kindergarten an anderer Stelle zu errichten. Ullrich Jung

Hier ist die Schule vor dem Abriss zu sehen. Das Foto entstand im Frühjahr 1972.
Der Kindergarten in der Hessenstraße 17: Der Anbau der ehemaligen Schule ist seit Oktober 1972 in den Kindergarten integriert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare