Autobahn

Wieso heißt es Werschauer Loch?

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Das Sommerloch wörtlich genommen – die NNP macht sich auf die Suche nach „Löchern“. Da gibt es so einige. Zum Beispiel das „Werschauer Loch“. Als eifriger Autobahnfahrer habe ich es schön öfters gespürt, es geht gewaltig talabwärts. Doch wer kann etwas dazu erzählen?

Die Brechener Historiker sind gut gerüstet. In allen Ortsteilen. In den Gesprächskreisen gibt es viele gute Themen, und wer Hintergrundinformationen zu etwas speziellem sucht, ist dort an der richtigen Adresse. Ich wende mich an Gregor Beinrucker: Weiß er mehr über das „Werschauer Loch“? Bestimmt, er überlegt. Und gibt weiter: Ullrich Jung ist der richtige Ansprechpartner. Immer wieder findet er historisch Interessantes. Weil er viel fragt, aufhebt, archiviert, geht es dabei nicht nur um Geschichte und Geschichten, sondern auch um Bilder. So steuert er gleich etwas seltenere Exemplare von der Autobahn bei – er hat Fotos, als sie gebaut wurde und vom Pfingstritt. Das könnte einen Zeitungsbericht gut bebildern.

Mit der Historie des Werschauer Lochs setzt er sich gleich mehrfach auseinander, überlegt, korrigiert. Hier nun die Endfassung. So muss es sein: „Wie bei vielen ,Autobahnlöchern‘ leitet sich deren Name vermutlich von der betroffenen Gemarkung ab“, sagt Jung. So verläuft die Autobahn A 3 ab der Brücke über die Landstraße L 3022 in Fahrtrichtung Frankfurt komplett auf Werschauer – in Fahrtrichtung Köln auf Niederbrechener Gemarkung. Eine Anbindung von Werschau nach Niederbrechen verlief früher im Wörsbachtal, noch 1873 ließ die Gemeinde Werschau den alten Dauborner Weg (Niederbrechen nach Dauborn) ausbauen.

„Am 18. September 1882 begann man mit dem Bau der Chaussee von Niederbrechen über Dauborn nach Kirberg, welche am 1. Januar 1884 bis Werschau befahren werden konnte“, berichtet Ullrich Jung. Das Wörsbachtal wurde bis zum Mittelalter von der uralten Fernstraße von den Niederlanden und Köln über Limburg nach Frankfurt und Süddeutschland durchquert. Durch den Bau der Autobahn von Köln nach Frankfurt, in den Jahren 1937 bis 1938, konnte das Tal auch von Fahrzeugen problemlos durchquert werden. Wegen des gestiegenen Verkehrsaufkommens wurde die Autobahn Anfang der 1970er Jahre dreispurig ausgebaut, 2014 bzw. 2015 wurde die Brücke über die L 3022 saniert.

„Heute verbinden viele mit dem Begriff einen

Unfallschwerpunkt

auf der A 3. Jedermann denkt dabei natürlich sofort an das schwere Busunglück am 25. Juli 1966, bei dem 34 zumeist jugendliche belgische Fahrgäste ums Leben kamen“, erinnert Jung.

Doch nicht nur dies: In der folgenden Zeit war das Werschauer Loch immer wieder ein

Unfallschwerpunkt

, besonders wenn Baustellen im Bereich zwischen Limburg und Bad Camberg waren. Aber auch langsam fahrenden Fahrzeuge an der Steigung Richtung Köln sind ein Grund für Auffahrunfälle.

Aus den Berichten der Feuerwehren ist zu entnehmen, dass auch heute noch regelmäßig Einsätze bei Verkehrsunfällen im Werschauer Loch erforderlich sind.

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