Rita Mirbach (von links), Andrea Dill-Dreier, Leo Vanecek und Renate Holk kritisieren die Fällung des Götterbaumes an der Kirche von Niederbrechen.
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Rita Mirbach (von links), Andrea Dill-Dreier, Leo Vanecek und Renate Holk kritisieren die Fällung des Götterbaumes an der Kirche von Niederbrechen.

Anwohner kritisieren Pfarrei in Niederbrechen

Wirbel um gefällten Götterbaum an der Kirche

  • VonTobias Ketter
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Verwaltungsrat begründet Abholzung mit Astbruch und Pilzbefall

Die Pfarrei Heilig Geist Goldener Grund/Lahn hat einen rund 80 Jahre alten Götterbaum abholzen lassen. Er stand auf dem Gelände der Kirche St. Maximin in Niederbrechen. Der Verwaltungsrat der Pfarrei begründet die Fällung mit Astbruch und der damit verbundenen Gefahr für die Bürgerinnen und Bürger. Einige Anwohner kritisieren die Maßnahme. Sie bemängeln fehlende Transparenz und widersprüchliche Aussagen der Verantwortlichen.

"Wir hätten den Baum natürlich lieber stehen lassen. Doch aufgrund von Astbruch, Pilzbefall und einer ausgeprägten Fäulnis waren wir zum Handeln gezwungen", teilt der Verwaltungsrat der Pfarrei mit. Der Götterbaum sei im Inneren bereits weitestgehend hohl gewesen. Dies zeige auch eine biologische Untersuchung von einem Fachagrarwirt der Baumpflege und Baumsanierung, die vor der Abholzung durchgeführt worden sei. "Besonders im oberen Teil hat sich die Fäulnis ausgebreitet. Weiter unten, also an der Schnittstelle, ist diese nicht zu erkennen", so der Verwaltungsrat.

Insgesamt 2320 Euro hat die Abholzung gekostet. "Das ist sicherlich viel Geld. Allerdings ging es schlichtweg nicht anders. Der Götterbaum musste nämlich aufgrund der Gefahr schnellstmöglich gefällt werden", berichtet der Verwaltungsrat, der nach einer Abstimmung die Maßnahme beschlossen hatte. Derzeit werde geprüft, welche Baumart für eine Ersatzbepflanzung auf dem Kirchengelände von Niederbrechen in Frage komme.

Einige Bürgerinnen und Bürger, die nahe der Kirche wohnen, können die Entscheidung des Verwaltungsrates nicht nachvollziehen. "Es gibt ein paar Widersprüche", sagt Anwohnerin Renate Holk. Zunächst sei ihr mitgeteilt worden, dass der Baum wegen einer Stromleitung, die vom Pfarrhaus hin zur Kirche verläuft, und aufgrund von Beschwerden aus der Nachbarschaft entfernt werden müsse. "Während der Baumfällarbeiten war dann plötzlich von dem Pilzbefall die Rede", so die Frau aus Niederbrechen. "Es herrschte großes Entsetzen, als wir erfahren haben, dass der Baum abgeholzt wird." Er sei eine ortsprägende Pflanze gewesen. Holk kritisiert darüber hinaus die fehlende Transparenz der Pfarrei. Zunächst habe niemand über das Vorgehen Bescheid gewusst. "Warum hat die Kirche so heimlich gehandelt", fragt sich die Anwohnerin.

"Willkürliche

Entscheidungen"

Auch Andrea Dill-Dreier stört, dass die Maßnahme nicht kommuniziert wurde. "Als ich von den Baumarbeiten erfahren habe, dachte ich erst, er werde einfach zurückgeschnitten." Auf Nachfrage sei die Anwohnerin dann über die bevorstehende Fällung informiert worden. Warum dies geschehe, habe ihr allerdings niemand sagen wollen. "Die Kirchengemeinde trifft einfach willkürliche Entscheidungen", so Dill-Dreier. Eigentlich solle sie doch die Schöpfung wahren, anstatt Leben zu nehmen. Die Frau aus Niederbrechen möchte sich in Zukunft dafür einsetzen, dass andere Bäume in der Gemeinde "unter Schutz gestellt werden". So könne man eventuell weitere unnötige Abholzungen verhindern.

Der Verwaltungsrat der Pfarrei kann nicht nachvollziehen, dass sich die Anwohner wegen fehlender Transparenz beklagen. "Wir haben vermehrt mit den Bürgerinnen und Bürgern gesprochen und ihnen erklärt, warum der Götterbaum entfernt werden muss", heißt es in einer Stellungnahme. Laut Frank Groos, Bürgermeister der Gemeinde Brechen, habe auch die Verwaltung der Kommune keine Kenntnis von den Baumfällarbeiten gehabt. "Es handelt sich allerdings um ein Anliegen der Kirchengemeinde. Deshalb müssen wir nicht informiert werden", sagt Groos. Es sei freilich bedauernswert, dass ein ortsprägender Baum abgeholzt werden musste. "Allerdings kenne ich die Hintergründe, die dazu geführt haben, nicht", so der Bürgermeister von Brechen.

Die verärgerten Anwohner haben nach der Fällung Kontakt zu Leo Vanecek, ehemaliger Vorsitzender des Umweltausschusses von Limburg und Stadtältester, aufgenommen. Daraufhin schaute sich der Biologe die Schnittstelle des abgeholzten Götterbaumes etwas genauer an. "Es hat sich meiner Meinung nach um einen völlig intakten Baum gehandelt. Der angebliche Pilzbefall ist wohl nur eine Schutzbehauptung", sagt Vanecek. Selbst wenn es in der oberen Hälfte doch einen Pilzbefall gegeben habe, sei das Bittereschengewächs noch zu retten gewesen. "Man hätte dann eine sogenannte baumchirurgische Maßnahme machen können", erklärt der Umweltschützer. Er riet den Anwohnern, sich die Aufzeichnungen der biologischen Untersuchung, die vor der Fällung durchgeführt wurde, zeigen zu lassen. tobias ketter

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