Viele gute Ideen brachte Lukas Stillger in die Diskussion beim Jugendgipfel ein.
+
Viele gute Ideen brachte Lukas Stillger in die Diskussion beim Jugendgipfel ein.

Weiteren Ideenaustausch anstoßen

Wunsch: Überdachte Treffpunkte ohne Störung

  • vonGundula Stegemann
    schließen

Was bewegt Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Brechen? Bürgermeister und Jugendpflegerin hatten zum Online-Jugendgipfel eingeladen.

Brechen -Das Ergebnis des Gipfels vorweg: Offene Ohren, ein langfristig angelegter, niedrigschwelliger, unkonventioneller Austausch zwischen Jugendlichen und Gemeinde sowie eine entsprechende Umsetzung durch Projektgruppen - so könnte man das Fazit des Abends zusammenfassen. Und ganz konkret ging es bereits um einen überdachten öffentlichen Treffpunkt für junge Leute in ihrem Ort.

Wie können junge Leute ihre Interessen in die Politik der Gemeinde einbringen? Wie sehen sie ihre Situation in ihrem jeweiligen Ort, was wünschen sie sich - und was davon ist umsetzbar? Das hatten sich die Gemeindevertreter, insbesondere Bürgermeister Frank Groos und Madlen Wagner, Schulsozialarbeiterin und Jugendpflegerin der Gemeinde Brechen, gefragt und einen Online-Jugendgipfel initiiert.

Bereits bei der Begrüßung äußerte Frank Groos (parteilos) die Hoffnung, mit diesem Jugendgipfel einen regelmäßigen, gern auch formlosen, Gesprächs- und Ideenaustausch mit den Jugendlichen anstoßen zu können. Um schon mal einen Eindruck von den Anliegen der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu bekommen, hatte die Gemeinde im vergangenen Jahr eine Umfrage unter den Acht- bis 23-Jährigen gestartet, die Madlen Wagner an diesem Abend vorstellte. 46 junge Leute hatten sich daran beteiligt. Die größte Gruppe war mit 54 Prozent die der 15- bis 18-Jährigen. Das Fazit der Jugendpflegerin: "Kein Zweifel: Junge Menschen können und wollen sich beteiligen." Dies zeige sich in den Ergebnissen der Jugendumfrage - die Diskussionsgrundlage für den Abend.

85 Prozent hatten darin angegeben, dass sie gern in der Gemeinde leben. Allerdings hatte die Befragung auch gezeigt, dass die Jugendlichen seitens der Politik mehr Unterstützung wünschen. 86 Prozent gaben an, dass sie sich bei Freunden zu Hause treffen, gefolgt von Sportanlagen und gastronomischen Einrichtungen. Erst an vierter Stelle wurden Jugendräume und Jugendfreizeiteinrichtungen genannt. Im weiteren Verlauf der Befragungen äußerten die Jugendlichen ganz konkret, dass sie sich überdachte Treffpunkte wünschen, an denen sie ungestört sind.

"Unkompliziert und ohne Betreuung"

Angesichts der zumindest in Nieder- und Oberbrechen bestehenden Kinder- und Jugendeinrichtungen warf dieser Wunsch natürlich Fragen auf. Lukas Stillger konnte die Position der Jugendlichen erklären: Gedacht habe man dabei an so einen Treffpunkt wie am alten Sportplatz mit Hütte. "Wenn es so etwas im Ort geben würde, näher ran, wo man spontan hingehen könnte", sagt er. Die bestehenden Einrichtungen würden nicht aufgesucht, weil sie entweder Öffnungszeiten haben oder Treffen nur im Rahmen von Gruppenstunden stattfinden. "Es geht aber darum, dass wir uns einen frei verfügbaren Treffpunkt wünschen, an dem wir uns auch jederzeit spontan und etwas freier treffen können - unkompliziert und ohne Betreuung."

Damit fand Lukas Stillger bei den anwesenden Vertretern der Gemeinde und Vereine sowohl Gehör als auch Verständnis, unter ihnen auch Christel Höhler-Heun, Vorsitzende der Gemeindevertretung. Madlen Wagner hatte bereits vorher einige Modellbeispiele recherchiert, die sie bei ihrer Präsentation auch den Teilnehmern zeigte. Bürgermeister Frank Groos sah prinzipiell gute Chancen zur Realisierung, natürlich müsse man schauen, wo genau und in welchem zeitlichen Rahmen solche Treffpunkte in allen drei Ortsteilen realisierbar seien. Die Idee an sich werde den Fachausschüssen und der Gemeindevertretung zur Beratung vorgelegt, der Zeitpunkt sei angesichts des Jahresbeginns günstig, so dass man bis zur Verabschiedung des nächsten Haushalts im September eine entsprechende Planung vorangetrieben haben könnte.

Diskutiert wurde aber auch, wie es generell mit der Mitwirkung und Beteiligung der Jugendlichen am Gemeindeleben weitergehen könnte. Weitestgehend einig war man sich darin, dass ein langfristiger Austausch zwischen den Jugendlichen und Vertretern von Gemeinde und Vereinen gewünscht ist: Ob in einem förmlichen Gremium wie einem Jugendparlament wurde zwar angesprochen, blieb aber am Ende offen. Wichtiger schien allen Beteiligten, dass der Austausch stattfindet, niedrigschwellig und formlos, dass Ideen entwickelt und aufgegriffen werden, das Für und Wider gegenüberstellt wird und man gemeinsam möglichst einen Konsens findet. Frank Groos und Madlen Wagner betonten, dass jedem Jugendlichen ihre Türen offen stehen und auch jeder Jugendliche selbst sie ansprechen kann. Lukas Stillger wies darauf hin, dass es wichtig ist, dass die Meinung der Jugendlichen auch langfristig gefragt ist und das Ganze nicht nach der Umfrage und dem Jugendgipfel verhallt. Groos versicherte, dass ein solches Gesprächsangebot, diese Art der Zusammenkünfte, keine Eintagsfliege bleiben soll. Lukas Stillger regte an, dass nicht nur die Gemeinde auf ihrer Seite einen Ansprechpartner stellen sollte, sondern auch die Jugendlichen jemanden haben sollten, einen Jugendsprecher, ähnlich wie Klassen- oder Schulsprecher in der Schule. Wenn man in der Schule eine Idee oder ein Problem als Jugendlicher hat, gehe man ja auch nicht gleich zum Schulleiter. "Eine Plattform aus Jugendlichen ist wichtiger als eine Plattform für Jugendliche."

Vorbereitung für 1250-Jahr-Feier

Angerissen wurden zum Thema der Mitwirkung der Jugendlichen bei der Gestaltung der Gemeinde auch die Vorbereitungen zur 1250-Jahr-Feier. Denn einige Jugendliche hatten in der Umfrage auch angegeben, dass sie sich gern ehrenamtlich einbringen würden. Dies wurde von Vereinen und Gemeinde sehr begrüßt. "Mit App und Homepage sind wir ja eigentlich gut aufgestellt", so Groos. Auch in den sozialen Medien sei man vertreten. "Solche Anfrage könnten wir noch verlinken, um entsprechende Kontakte zu vermitteln", sagte er.

Alles in allem waren Groos und Wagner zufrieden mit der Beteiligung am Jugendgipfel und den Diskussionen. "Natürlich wären mehr Teilnehmer schön gewesen", so Groos. "Aber mit den Vertretern aus Gemeinde und Vereinen, der KJG und einigen Jugendlichen hat sich ein guter Querschnitt beteiligt. Ich sehe es als gelungenen Auftakt, auf dem man aufbauen kann."

Eine Zusammenfassung der Diskussion beim Jugendgipfel ist ab nächster Woche einsehbar unter www.gemeinde-brechen.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare