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Brockseln und in Erinnerungen schwelgen

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Seit neun Jahren öffnet der Kultur- und Geschichtsverein Ellar am ersten Sonntag des neuen Jahres die Türen und lädt zum gemütlichen Brockseln ein.

Evamaria Gubisch-Heun füllt alle Zutaten in eine große Bowle-Schüssel und rührt alles kräftig um. Sofort zieht ein angenehmer, würziger Duft durch den Raum im Ludwig-Bös-Haus. Nach und nach trudeln die Gäste ein und es wird direkt darüber sinniert, ob die Brockselsuppe auch richtig zubereitet wurde.

Evamaria Gubisch-Heun hat Lebkuchen gebacken, ihn in kleine viereckige „Brockseln“ geschnitten und diese einige Tage in einem Korn-Zucker-Gemisch angesetzt. Die Lebkuchenstückchen sind gut durchgezogen.

Zu den Gästen zählt auch Gertrud Schmidtel, die seit drei Jahren aus Limburg zu diesem Treffen kommt. Evamaria Gubisch-Heun sieht sie und weiß sofort, dass dieser Besuch nicht mit leeren Händen kommt. Die Limburgerin hat immer eine eigene Brockselsuppe dabei. Im Gegensatz zur Ellarer Brockselsuppe ist ihre mit Original „Dauborner“ angesetzt und hat eine richtig dunkle Farbe, während die mit Korn angesetzte Suppe eher wie trübes Wasser aussieht. Diese Nassauisch-Westerwälder Silvesterspeise ist sehr beliebt und die älteren Damen und Herren kennen diese noch aus ihrer Kindheit. Gertrud Schmidtel las damals in der Zeitung über dieses Treffen und war neugierig, wie in Ellar die Brockselsuppe zubereitet wird. Schon ihr Vater hat diese Suppe immer angesetzt und bei ihr gehört sie jedes Jahr dazu. „Ich habe jetzt schon die Brocksel für den nächsten Winter geschnitten“, so Schmidtel, „und die werden nun in Leinensäckchen getrocknet.“ Nur richtig steinharte Brocksel würden eine gute Suppe ergeben. Und egal, wo sie um Silvester herum unterwegs ist, nimmt sie etwas dieser Speise mit. „Leute, die es nicht kennen, schauen immer etwas komisch“, weiß sie zu erzählen, „aber es kommt überall gut an.“ Für sie war es ganz ungewöhnlich, dass in Ellar die Suppe in Tassen eingeschenkt wird und jeder an seiner eigenen Tasse löffelt. „Bei uns kommt ein großer Topf auf den Tisch, aus dem sich jeder bedienen kann.“

Ein Gast hat alte Zeitschriften aus den 50er-Jahren mitgebracht, welche er bei einem Flohmarkt entdeckt hat. „Die Lesestunde“ ist von der deutschen Buchgemeinschaft herausgegeben worden und es wird eifrig darin geblättert. Auch alte Fotos machen die Runde und jeder weiß etwas zu erzählen. Während Anekdoten aus vergangenen Jahren oder der Jugendzeit ausgetauscht worden sind, löffeln alle nebenbei immer wieder von ihrer Brockselsuppe und die Tassen werden fleißig nachgefüllt. Manch einer versucht sich an alte Liedtexte zu erinnern und in der Runde kommt die Idee auf, diese niederzuschreiben, um sie zu erhalten. Die Gruppe lacht und plaudert, tauscht sich aus und hat einfach nur Spaß. Alle sind sich einig, dass die Brockselsuppe wieder sehr gut gelungen war.

(lh)

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