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Die Theaterfreunde Oberweyer proben fleißig für den ?Super-Gau im TV?. Marlies Stecker (4.v.r.)

Theaterfreunde Oberweyer

Von der Bühne in den Regie-Stuhl

Seit fünf Jahren sucht Marlies Stecker für die Theaterfreunde Oberweyer die Stücke aus, verteilt die Rollen und studiert mit den Darstellern diese Stücke ein. Was für sie ein Sprung ins kalte Wasser war, hat sich inzwischen zu einer Routine entwickelt.

Marlies Stecker sitzt am Tisch, das Textbuch vor sich und hat die Darsteller genau im Blick. Gefällt ihr etwas nicht, hakt sie direkt ein und gibt Anweisungen, wie sie es sich vorstellt. Sitzt der Text noch nicht richtig, gibt sie Stichpunkte für den nächsten Satz. Mit ihren Ansagen entwickelt sich nach und nach das Stück.

Zum fünften Mal liegt die Regie in den Händen von Marlies Stecker. Als sie anfing, zu spielen, hatte sie nie daran gedacht, mal für die Aufführungen verantwortlich zu sein. Die Theaterfreunde gründeten sich vor 21 Jahren. Die ersten beiden Jahre besuchte sie die Aufführungen, bevor ihr der Gedanke kam, selbst mal mitzuspielen. Unter der Regie von Helga Dold spielte sie elf Stücke mit. Als Helga Dold aufhören wollte, fragte sie Marlies Stecker, ob sie sich vorstellen könne, die Regie zu übernehmen. „Ich hatte zuerst ein unsicheres Gefühl, ob ich es hinbekomme“, erinnert sie sich, „ich bin ins kalte Wasser gesprungen und hatte große Bedenken.“ Musste sie vorher nur ihren Text üben und sich auf ihre Rolle konzentrieren, war sie auf einmal für das gesamte Projekt verantwortlich. Das beginnt bei der Auswahl der Stücke, geht über die Besetzung der Rollen, die Umsetzung des Textes in ein Spiel und bei den Aufführungen souffliert sie sogar, wenn der Text mal hängt.

„Die größte Herausforderung ist die erste Leseprobe“, so Stecker, „denn da sehe ich, ob die Rollenverteilung passt.“ Ab Mai begibt sie sich auf die Suche nach neuen Stücken. Bei den Schauspielern fragt sie ab, wer alles beim nächsten Mal mit dabei ist. Insgesamt sind sie eine feste Gruppe aus zehn Darstellern. „Die Stücke müssen von der Besetzung her auch passen.“ Steht das Stück fest, dann geht es an die Proben. Stecker sieht sich jedoch nicht als jemand, der alles vorgibt. „Wir sind eine große Familie und jeder darf Kritik offen äußern“, so die Regisseurin, „als Team entwickeln wir das ganze Stück und am Ende wächst es zu einem Ganzen zusammen.“

In den 21 Jahren spielten die Theaterfreunde immer eine Komödie. „Die Leute kommen nach Oberweyer, um einen schönen Abend zu haben und abzuschalten.“ Und wenn das Publikum begeistert ist, dann haben auch die Darsteller Spaß. Dennoch hat Marlies Stecker auch einen kleinen Traum. „Ich würde gerne mal einen Krimi spielen“, sagt sie, „aber ich weiß nicht, ob dies angenommen wird.“ Daher habe sie sich noch gar nicht daran getraut, denn das Publikum will lachen und abschalten.

Das neue Stück „Super-Gau im TV“ ist sehr neuzeitlich. Für die Darsteller war es eine Herausforderung, denn teilweise müssen sie Denglisch sprechen oder mit einem amerikanischen Slang. „Wir haben ein Oberweyerer Denglisch, das auch das ältere Publikum versteht“, lacht Stecker. Insgesamt ist das Stück sehr farbenfroh und auch etwas für junge Leute. Bis es jedoch so weit ist, muss noch einiges an Arbeit in die Proben gesteckt werden. Und so hat sie für jeden ihrer Darsteller den passenden Satz parat, um ihn zu motivieren. „Liest du einen Brief vor? Mach das doch mal romantischer! Du bist zugekokst! Du bist fix und fertig!“, und ihre Darsteller nehmen die Anweisungen auf und setzen sie direkt um. Marlies Stecker ist nicht mehr nervös, denn mit den Jahren habe sich Routine und somit auch Sicherheit entwickelt.

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