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Die Befürchtungen sind groß: Die Würgeser machten ihrem Unmut über die geplante Halle für türkische Hochzeiten Luft.

Unmut in Würges

Bürger machen mobil gegen Halle für türkische Hochzeiten

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Verkehrschaos, Lärm und Wildpinkler – die Angst der Würgeser vor einem „Eventzentrum für türkische Hochzeiten“ ist vielfältig. Beim einer Versammlung im Gemeindezentrum taten knapp 200 Bürger ihren Unmut kund und übergaben eine Unterschriftenliste.

Die Würgeser bräuchten keine Angst zu haben, von der Eventhalle werde keine inakzeptable Belastung ausgehen, versprach der Frankfurter Investor Abidin Yasar. Der Schwiegersohn des in Oberselters lebenden Bauherren Arif Isik versuchte bei einer Bürgerversammlung im Gemeindezentrum, die Angst vor einem Zentrum für türkische Hochzeiten in der Pfarrer-Neubig-Straße zu zerstreuen.

Die Zufahrt zur Halle sei nicht an Wohnhäusern vorbei, sondern direkt von der B 8 aus. Parkplätze werde es auch genügend geben: 80 Stellplätze für Gäste seien vom Kreisbauamt gefordert und bereits in den Planungen nachgewiesen, weitere Parkplätze eines Nachbarbetriebes könnten mitgenutzt werden. Bauherr Arif Isik stellte auch klar, dass das Eventzentrum mit dem vorgeschriebenen Lärmschutz ausgestattet werde. „Wir haben eine Klimaanlage. Also bleiben auch im Sommer die Fenster zu“, betonte Investor Abidin Yasar. Lärm könne folglich nicht nach draußen dringen. Auf die Frage, warum er überhaupt ein Eventzentrum schaffen wolle und nicht mit den türkischen Hochzeiten ins bestehende Gemeindezentrum gehe, antwortete Yasar, dass seine Gäste eine große Tanzfläche erwarteten, der Raum im Gemeindezentrum sei zu klein.

Er erwarte, dass die Eventhalle zu 90 Prozent für türkische Hochzeiten genutzt werde, die Nachfrage in der Region sei groß, sagte Yasar. Auf die Frage, was er gegen Wildpinkler unternehmen würde, konterte der Investor: „Wahrscheinlich dasselbe, wie sie bei Veranstaltungen im Gemeindezentrum auch.“ Auf dem Gelände seien ausreichend Toiletten vorhanden. Der Investor rechnet mit höchstens einer Hochzeit pro Woche , in der Regel werde bis Mitternacht gefeiert. Da in den Sommerferien und in der Fastenzeit in der Regel keine türkischen Hochzeiten stattfinden, sei die Zahl der Events pro Jahr überschaubar.

Einige Bürger zweifelten das an. Schließlich wolle der Betreiber ja Gewinn mit einem Eventzentrum machen, somit habe er Interesse an möglichst vielen Veranstaltungen pro Jahr. Außerdem gebe es Gerüchte, dass im Gebäude noch ein Fitnessstudio untergebracht werden solle – das bedeute weitere Fahrzeugbewegungen durch Kunden. Isik betonte, die tägliche Lärmbelästigung, die von den Autos der B 8 ausgehe, sei für die Würgeser deutlich größer als der Lärm, den die Besucher der Eventhalle machen würden.

Die Familie sei nicht bereit, die Pläne aufzugeben, da sie – nach positiven Signalen des städtischen Bauamtes und von Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) – schon eine halbe Million Euro in das Projekt investiert habe. Bürgermeister Vogel allerdings erwiderte, dass er die Gespräche anders in Erinnerung habe. Er habe die Familie Isik bereits im Sommer 2017 darauf hingewiesen, dass sie mit größerem Widerstand von Bürgerseite rechnen müsse. Die Stadt haben dem Bauherren gar nichts versprechen können, weil sie für die Genehmigung überhaupt nicht zuständig sei, das sei der Kreis. Bauamtsleiterin Bärbel Stillger bescheinigte dem Architekten der Familie Isik eine große Kooperationsbereitschaft mit der Stadt. In vorbildlicher Weise habe er beispielsweise die Nachfrage nach 80 Parkplätzen in seinen Planungen realisiert.

Investor Abidin Yasar sagte, dass alle Bedingungen für die Genehmigung erfüllt würden. Er könne verstehen, dass es erst einmal Bedenken gegen neue Projekte gebe. Aber ob die Eventhalle wirklich störend sei, könnten die Anwohner erst nach der Eröffnung beurteilen.

Offenbar ist Abidin Yasar nicht der einzige, der den Bedarf für einen Ort für türkische Hochzeiten erkannt hat. Im Bad Camberger Gewerbegebiet plane ein anderer muslimischer Investor eine weitere Eventhalle, sagte Bürgermeister Vogel. Für die Würgeser eine gute Alternative: Ein Projekt außerhalb des Ortes mit direkter A 3-Anbindung sei weniger störend, als eine Halle in der Nähe der Würgeser Wohnbebauung, sagte ein Bürger. Die anwesenden Bürger glaubten jedenfalls nicht, dass die Hochzeitsgäste ihre Ruhe nicht stören.

Ortsvorsteher Klaus Wagner (CDU) erklärte, dass die Verkehrssituation in Würges bereits jetzt sehr angespannt sei. Wenn dann vielleicht mehr als 400 Gäste zu einer Hochzeit kämen, sei mit etwa 100 bis 150 zusätzlichen parkenden Fahrzeugen zu rechnen. Und wenn dann noch zeitgleich eine Veranstaltung im Gemeindezentrum stattfinde, werde das in den umliegenden Straßen zu einem großen Problem.

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