Firmenbesuch

Bürokratische Hürden abbauen

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Die FDP-Landtagskandidaten und der Bewerber um den Posten des Landrats haben sich im Gaudernbacher Bauunternehmen Feickert umgesehen. Dessen Inhaber erzählte den Politikern offen, wo der Schuh drückt.

Wer die Vorteile der Digitalisierung für sich privat oder sein Unternehmen nutzen will, der sollte am 28. Oktober die FDP und ihre Kandidaten wählen. Das raten zumindest die heimischen Bewerber der Liberalen, Marion Schardt-Sauer und Armin Müller, sowie Landratskandidat Dr. Klaus Valeske. Diese besuchten jetzt die Baufirma Feickert in Gaudernbach.

Inhaber Rudolf Feickert, der das 1947 begonnene Werk seines Vaters Walter fortsetzt, hat aus einem Familienbetrieb ein bundesweit tätiges Unternehmen mit vier Standorten, insgesamt 350 Mitarbeitern und 30 Auszubildenden gemacht.

Er schilderte den Liberalen offen seine Probleme: Die Firma kann über ihr Computersystem mittlerweile genau sehen, welche Maschinen wie lange im Einsatz sind, wo Öl nachgefüllt werden muss, eine Wartung oder Reparatur nötig ist. Wenn der Mitarbeiter vorher weiß, welchen Fehler er beheben muss, wird Zeit und Geld gespart. Doch das Problem ist, dass das Funknetz in Deutschland laut Feickert nicht optimal ist. Seine Mitarbeiter hätten nicht von überall aus sofort Zugriff.

Hier kommen Marion Schardt-Sauer, Armin Müller und Klaus Valeske ins Spiel. Denn wenn die FDP in verantwortliche Positionen komme, dann werde sie sich schleunigst darum kümmern, „dass zukunftsfähige Betriebe auch zukunftsfähig arbeiten können“, sagen sie. Schardt-Sauer ist wütend, dass es mit der Bürokratie in der Verwaltung übertrieben wird. So kann die Firma Feickert nicht, wenn es einmal eilt, kurzfristig einen Schwertransport auf die Autobahn bekommen. Ein Antrag auf Genehmigung brauche mittlerweile mindestens zwölf Wochen Vorlaufzeit, berichtete der Gaudernbacher Unternehmer. „So kann es nicht funktionieren“, sagte Schardt-Sauer. Feickert ärgerte sich ebenso, dass Kommunen in der Regel den billigsten Anbieter bei Ausschreibungen bevorzugen würden. Der Unternehmer ist der Meinung, dass Qualität und Zuverlässigkeit mehr Berücksichtigung finden müssten. Schardt-Sauer stimmte ihm zu. Die Kommunen hätten durchaus Spielraum, doch kaum jemand in einer Verwaltung wolle sich Ärger und Arbeit einhandeln.

Feickert findet es auch unfair, dass aktuell Kommunen Ausschreibungen zurückhalten, wie er sagte, um Preise zu drücken. Dabei hätten die Baufirmen in der jüngsten Hochkonjunktur keine überteuerten Angebote abgegeben, sondern „endlich mal faire Preise“ genommen. Feickert selbst könnte es gelassen sehen, da er nach eigenen Angaben bis Frühjahr 2019 mit Aufträgen ausgelastet ist. Doch ihm gehe es um die Branche insgesamt, die es zudem schwer habe, qualifizierte Kräfte zu finden. Mittlerweile habe die Baubranche ein so negatives Image, dass sich oft nur die Jugendlichen mit den schlechtesten Abschlüssen bewerben. Der Gaudernbacher hätte eine Idee, wie bessere Azubis gelockt werden könnten: In der ersten Hälfte der Ausbildung sollten regional Grundkenntnisse vermittelt werden. Danach könne zentral unterrichtet und Spezialisierung angeboten werden. Kreislandwirt Müller sagte, im Bauernverband sei es gelungen, mit einer ähnlichen Veränderung die Zahl der Auszubildenden in der Landwirtschaft in Hessen zu vervierfachen. Auch er will sich der Entbürokratisierung annehmen. Als Landwirt hat er „moderne Verwaltung“ hautnah erlebt: Etwa bei der Planung eines neuen Stalls in seinem Betrieb. Obwohl das Unternehmen Ställe bundesweit baugleich fertige, habe die Verwaltung für Müllers Stall eine zusätzliche 11 500 Euro teure Statikprüfung gefordert. Und den Betrieb seines Mähdreschers müsse er auch jedes Jahr neu beantragen, erzählte der Landwirt weiter kopfschüttelnd.

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