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Marianne Schneider schließt die Schuhkiste, das letzte Einzelhandelsgeschäft von Burgschwalbach, zum Jahresende. 

Burgschwalbach

Letzter Einzelhändler macht dicht: Schuhkiste schließt nach 35 Jahren

Nach mehr als 35 Jahren schließt in Burgschwalbach die Schuhkiste. Es ist das letzte Einzelhandelsgeschäft in dem Dorf am Palmbach.

Marianne Schneider ist bekannt und beliebt - an der unteren Aar, im Aartal und darüber hinaus - aber insbesondere in der Palmbachgemeinde Burgschwalbach. Seit mehr als 35 Jahren führt sie als Inhaberin die Schuhkiste in der Bachstraße, doch damit ist nun am Jahresende Schluss. Schneider, 64 Jahre alt, geht in den Ruhestand und schließt damit die Pforten des letzten Einzelhandelsgeschäftes im Ort.

Die Händlerin sieht für sich keine Perspektive mehr - und die Auflagen vom Staat seien zudem gewaltig und für sie nicht mehr finanzierbar, sagt sie. "Ein elektronisches Kassensystem war die letzte Auflage, die in der Anschaffung über 5000 Euro kosten würde", sagt Marianne Schneider. "Das kann und will ich mir nicht mehr leisten." Das Fachgeschäft für Schuhe, Stoffe und Kleidung schließt daher zum Jahresende 2019. Der Räumungsverkauf mit Rabattangeboten hat längst begonnen. Marianne Schneider ist gelernte Großhandelskauffrau und hat den Laden 1984 eröffnet. Ihre Ware bewegte sich "im mittleren Preisniveau". Schuhe, Sportkleidung, Faschingsartikel, Stoffe - und seit einigen Jahren auch die tägliche Presse. Die "Schuhkiste" gewährleistete als letzter Einzelhandelsladen in der Palmbachgemeinde zumindest auch ein Stückchen die Nahversorgung. Damit ist nun Schluss. "Die Stammkunden sind älter geworden, und es kommen kaum mehr neue und jüngere hinzu", stellt Marianne Schneider fest. "Die junge Generation kennt meinen Laden gar nicht mehr", klagt Schneider. "Die kaufen doch alles im Internet."

Schneider ist seit rund 50 Jahren beruflich tätig, überwiegend im Groß- und Einzelhandel. Eine Sechs-Tage-Woche ist und war für sie nicht die Ausnahme, sondern die Regel. "Wenn wir zudem auf Märkten waren, haben wir auch noch sonntags gearbeitet", sagt sie. Wirtschaftlich sei sie mit ihrem Geschäft "immer klar gekommen", "weil wir Familienmitglieder eingesetzt haben und deren Arbeitszeit eben nicht berechnet wurde", erzählt Schneider.

Auch ein Brand im Jahr 2010 in ihren Räumlichkeiten, die etwa 50 Quadratmeter groß sind, habe sie nicht aus der Bahn geworfen. Das Ladenlokal lief im Parallelbetrieb in anderen Räumlichkeiten weiter. Da nun allerdings neue gesetzliche Anforderungen anstehen und der Gesetzgeber von ihr ein elektronisches Kassensystem mit Belegbuchung fordert, fasste Marianne Schneider den Entschluss: Jetzt ist Schluss! Eine Investition von Tausenden Euro will sie nicht mehr leisten. "Damit wird dem Einzelhandel die Pistole auf die Brust gesetzt. Filialisten können so etwas vielleicht stemmen, aber kleine Ladenlokale werden dadurch vor weitere Probleme gestellt", meint Schneider.

Ortsbürgermeister Ehrenfried Bastian bedauert genauso wie viele Kinder der Palmbachgemeinde, die hier günstig Süßigkeiten kaufen konnten, die Ladenschließung von Marianne Schneider. Er kann ihre Entscheidung aber verstehen. "Wir haben uns mit der Ortsgemeinde sogar Gedanken über die Anschaffung des Kassensystems gemacht", doch Marianne Schneider lehnte dankend ab. "Ich werde jetzt meine Rente genießen", sagt sie.

Von Christopher Kahl

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