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Anwohner der Beethovenstraße zeigen: Die Straße ist stark befahren, nicht nur von Anliegern. Links im Bild Meik Kausch.

Beethovenstraße

Anlieger haben die Belastung, die Straße wird kaputt gefahren und zahlen sollen sie auch

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Die Anwohner der Beethovenstraße ärgern sich: Die Straße ist als Anliegerstraße gekennzeichnet. Doch Lkws, Wohnmobile, Autos mit weit entfernten Nummernschildern nutzen sie als Schleichweg zur Umgehung der Bahnhofstraße und der B8. Eine stetige Belastung und teuer für die Anlieger, die jetzt die Sanierung der kaputten Straße mit bezahlen sollen.

Bad Camberg - Die Anwohner der Beethovenstraße sind nicht alleine. Mehrere Straßen im sogenannten Dichterviertel sind betroffen: Ortskundige nutzen das Wohngebiet als Umgehung der stark befahrenen B 8. Aber auch andere. "Wir oft wenden Wohnmobile hier, weil sie das Navi hineinführt. Dann merken sie irgendwann, dass es falsch ist und fahren zurück. Oft nachts um 2, 3 Uhr", sagt Meik Kausch. Er wohnt in der Beethovenstraße und hat sich bei dieser Zeitung gemeldet, nachdem die Stadtverordnetenversammlung das Thema Zweitausbau von Straßen diskutiert hat. Denn: Die Sanierung der Straßen steht an. Wer soll das bezahlen?

Neuregelung steht an

Die schwarz-grüne Landesregierung überlässt den Kommunen die Entscheidung, wie sie die Gebührenordnung neu regeln. Die SPD in der Bad Camberger Stadtverordnetenversammlung hatte daher angeregt, die Anlieger nicht mehr zur Kasse zu bitten, es auf alle umzulegen - so wie es auch die Landes-SPD propagiert. CDU und Grüne in Bad Camberg sehen das anders. Ein Gegenargument: Als Ersatz für die Umlage zum Beispiel die Steuern zu erhöhen, hört sich einfacher an, als es ist. Damit steigen auch andere Umlagen, wie die an den Kreis. Es könnte für alle sehr teuer werden. Welche Möglichkeiten gibt es noch? Unterschiedliche Finanzierungsmodelle und Kostenbeteiligungen sind denkbar. Die Stadtverwaltung und die im Stadtparlament vertretenen Fraktionen, CDU, SPD, Grüne, sind gehalten, eine gute Lösung zu finden.

Deshalb melden sich die Anlieger der Beethoventraße jetzt zu Wort. Sie wollen sich nicht vor Zahlungen drücken, aber eins ist für sie klar: So, wie es zurzeit geregelt ist, kann es nicht bleiben. Denn: Nach dem aktuellen Stand der Dinge müssten bei einer reinen Anliegerstraße die Anlieger 75 Prozent der Kosten tragen, die Stadt 25, hat sich Anwohner Peter Mors erkundigt. Da könnten fünfstellige Summen zusammenkommen.

Warum ärgert das die Betroffenen so sehr? Der Hintergrund ist für jeden, der eine Zeitlang an der Straße steht, offensichtlich: Der starke Verkehr und dessen Folgen passen nicht zu einer reinen Anliegerstraße, auch wenn die Beethovenstraße offiziell so ausgewiesen ist. Der Zustand der Fahrbahn hat sich verschlechtert. Furchen sind erkennbar, der Teerboden hat sich stellenweise abgesenkt. "Der Untergrund der Straße ist nicht geeignet für diese Belastung und diese Tonnagen. Deshalb reißen die Straßen, und das wirkt sich auch auf die Häuser aus. In der St.-Georgen-Straße ist der Bürgersteig bodengleich. Das ist aber nicht für die Rollstuhlfahrer abgesenkt, sondern plattgefahren", sagt Peter Mors.

Problem ist bekannt

"Es ist die geduldete Umgehung der B 8", betätigt auch Kai Trost. Und: "Jede Stunde kommt der Stadtbus, laut Fahrplan 13 Mal am Tag, und das in einer Anliegerstraße?" Waltraut Trost ergänzt: Sie habe sich schon öfters an die Stadtverwaltung gewandt und zur Antwort bekommen: "Wir kennen das Problem der Beethovenstraße." Meik Kausch zählt eine ganze Latte von Dingen auf, die die Anlieger beeinträchtigen: "Es beginnt mit einem unzumutbar hohen Verkehrsaufkommen, verbunden sowohl mit permanenter Missachtung der Rechts-vor-Links-Regelung von Fahrzeugen entlang der Lisztstraße, als auch mit enormen Geschwindigkeitsüberschreitungen, nicht nur zu Stoßzeiten, durch Fahrzeuge aus dem gesamten Bundesgebiet und halb Europa. Weiterhin kommen zum einen der Anlieferverkehr, meist zur Mittagsruhe, durch Lkw im ,Sträßchen' hinzu und zum anderen Sattelzüge, überwiegend aus Osteuropa, die nach dem Abladen am Anfang des Mühlwegs bis zur Haydnstraße zum Wenden fahren. Am schlimmsten ist allerdings der nächtliche Durchgangsverkehr auf einem landwirtschaftlichen Weg mit getunten Auspuffanlagen und zweitaktgetriebenen Fahrzeugen, welche eine enorme Geruchsbelästigung freigeben und dermaßen laut sind, dass sich die Nutzer während der Fahrt anbrüllen müssen, um sich halbwegs verständigen zu können." Besonders an Wochenenden und Feiertagen seien lautstarke Diskussionen von Zweiradfahrern über die tatsächliche Verkehrsführung des Radwegs R 8 zu hören. Die Radler seien oft mit hoher Geschwindigkeit, unter Missachtung jeglicher Straßenverkehrsordnungs-Regeln, ohne die Verkehrslage zu berücksichtigen gegen die Einbahnstraße unterwegs. Anderen Verkehrsteilnehmern werde es sehr schwer gemacht, eine Kollision zu verhindern - das gelte besonders für Autofahrer, die aus der St.-Georgen-Straße kommen. Ein weiteres nicht unerhebliches Problem bestehe in der nächtlichen Parksituation, da weder ein Rettungswagen, geschweige denn Feuerwehrfahrzeuge, passieren könnten.

Hinzu komme das aggressive Verhalten von Schleichweg-Nutzern: "Hier wird wild gestikuliert und gehupt", beschreibt Kausch die Situation, wenn man es als echter Anlieger nicht schnell genug schaffe, in seine Einfahrt zu fahren. Und: Wenn er bei der Gartenarbeit aus dem fahrenden Auto mit Müll beworfen werde und beim Rasenmähen sehe, was sich da alles angesammelt habe, sei das nicht lustig. Die anderen Anlieger können das bestätigen.

Mehr Rücksicht

Noch ein Aspekt: Kinder und Senioren. "Wenn ich mit meiner Tochter hier mit dem Dreirädchen fahre, halte ich jedes Mal die Luft an", sagt Lena Jedmowski. Wenn er die Straße kehrt, dann stellt er seinen gelben Eimer immer gut sichtbar hin, bemerkt Jakob Kausch. Der 84-Jährige hat festgestellt: "Auf meinen gelben Eimer achten die Autofahrer, auf mich nicht."

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