+
Eine Investorin möchte am Bayrischen Hof Wohnungen bauen. 23 bis 25 bezahlbare und nachhaltige Wohnungen sollen es sein.

Pläne liegen vor

Die Investorin Julia Beiderlinden möchte 23 bis 25 bezahlbare Wohnungen am bayrischen Hof bauen

Eine Investorin möchte am Bayrischen Hof Wohnungen bauen. 23 bis 25 bezahlbare und nachhaltige Wohnungen sollen es sein.

Bad Camberg - Wer erinnert sich noch an die Auseinandersetzungen und den Bürgerentscheid mit dem Ziel, den Verkauf des alten Schulgartens hinter dem Bayrischen Hof zu verhindern? Dort wollte die Frankfurter Gesellschaft zur Projektentwicklung von Immobilien (GPI) ein Parkhaus für die nebenan geplante Wohn- und Geschäftsanlage errichten. 1996. Oder an den Frankfurter Immobilienkaufmann Jan Turbiner, der ein Jahr später plante, die Altstadt-Arkaden mit oder ohne Schulgarten zu verwirklichen? Ein Parkhaus auf den "Pfortenwiesen" kam ins Gespräch. Das waren die letzten realistischen Pläne für das Areal des Bayrischen Hofs, ehemaliges Bad Camberger Kino und Tor zur Altstadt am Untertorturm.

Nichts davon wurde Realität, viele politische Debatten wurden geführt. Mehr als zwei Jahrzehnte später kommt Bewegung in die Sache. Investorin Julia Beiderlinden (Beiderlinden GmbH und Co. KG Kronberg) und Wolfgang Kunz (Planungsbüro Kubus Wetzlar) stellten am Dienstagabend in einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und Planungs- sowie des Haupt- und Finanzausschusses ihre Ideen zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor.

Bayrischer Hof Bad Camberg: "Nicht exklusiv, sondern finanzierbar"

Erklärtes Ziel: bezahlbarer, nachhaltiger, bedarfsorientierter Wohnungsbau. "Nicht exklusiv, sondern finanzierbar", wie Julia Beiderlinden sagte. Dies für sehr unterschiedliche Zwecke von Ein-, Zwei- und Dreizimmerwohnungen bis hin zur 120-Quadratmeter-Wohnung für Familien. Die Parkplatz-Frage: Wieder sind die "Pfortenwiesen" als Parkraum angedacht. Außerdem brachte Kunz eine mögliche Anordnung von Parkflächen vor dem Gebäude ins Gespräch - falls die jetzige B 8 an dieser Stelle rückgebaut und im Zuge der B-8-Umgehung zur Einbahnstraße werden könnte.

Letzteres brachte kritische Nachfragen der Parlamentarier. Wäre die Einbahnstraße eine Bedingung? Julia Beiderlinden verneinte: "Es wäre gut, Kurzzeitparkplätze vor dem Gebäude anzulegen. Man könnte das Projekt aber auch ohne diese Parkplätze realisieren."

Nötig wird Parkraum werden, wobei Beiderlinden den Weg von den Pfortenwiesen über den Aufzug der Volksbank hoch zur B 8 nicht als hinderlich betrachtet: "Es ist nah und barrierefrei. Außerdem finde ich nicht, dass dort unten Parknot herrscht." Unrealistisch sei der Gedanke an eine Tiefgarage nahe der Wohnbebauung. "Ich werde keine Tiefgarage bauen. Das tötet das Projekt sofort rein wirtschaftlich."

Noch ist das alles Zukunftsmusik, denn die ersten Ideen und Skizzen, die die Investorin im Ausschuss präsentierte, gehen einer tiefergreifenden Planung - und möglichen Verkaufsoptionen - voraus. Das Gelände gehört jetzt der Stadt Bad Camberg. Der Magistrat hatte im Mai 2017 von seinem Vorverkaufsrecht für den Bayrischen Hof Gebrauch gemacht, seitdem zehn mögliche Investoren kontaktiert, denen das Stadtbauamt die Machbarkeitsstudie für eine mögliche Entwicklung zugeleitet hatte. 

Der Bayrische Hof könnte umgebaut werden

Einzig Julia Beiderlinden setzte sich intensiver mit dem Objekt auseinander. Bei mehreren Besprechungs- und Ortsterminen mit dem Bauamt und Bürgermeister Jens-Peter Vogel wurde ein mögliches Entwicklungskonzept gefertigt, erläuterte Stadtbauamtsleiterin Bärbel Stillger: "Hierfür wurden als belastbare Grundlage für alle Planungsüberlegungen vorab noch tiefergreifende Baugrunduntersuchungen und erdstatische Berechnungen erstellt. Im Zuge eines Planungsgespräches mit dem Kreisbauamt wurde auch das Bauplanungs- und Bauordnungsrecht vorab geprüft."

"Ich baue seit 25 Jahren", sagte Julia Beiderlinden, die als Mitinhaberin des Bauunternehmens Jöst in Bad Camberg bereits beim Hagebaumarkt und Federal-Mogul initiativ geworden war. Für den Umbau des Areals Bayerischer Hof stellte sie gemeinsam mit Wolfgang Kunz drei Gebäudekörper in Holzbauweise vor, wobei 23 bis 25 Wohneinheiten entstehen könnten, genehmigungsfähig nach Paragraf 34 des Baugesetzbuchs - also in Anlehnung an die umgebende Bebauung.

Dies bedeute eine Zwei- bis Dreigeschossigkeit der Gebäude und eine Höhe von etwa neun Metern (ohne die Stützmauer). Eine Erschließung zu den Treppenhäusern könne über den hinteren Bereich an der Stadtmauer erfolgen. Wichtig seien Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit, Stichworte: Generationenwohnen, barrierefreie Wege, klimaneutrale Gebäude. Außerdem müsse die Erlebbarkeit der Stadtmauer sichergestellt werden. Ziel: Die alte Stadtmauer freilegen und eine Gasse erhalten, die öffentlich begehbar wird, vom Untertorturm bis zu den Treppenanlagen den Abstand zur Wohnbebauung herstellt.

Ja, Dienstleistungen waren ursprünglich auch einmal vorgesehen, bestätigte Wolfgang Kunz. Nur sei dies mit Blick auf Ziel- und Quellverkehr anspruchsvoller, auch bezogen auf die Stellplätze. Kunz: "Das könnte das Wohnen stören, daher zuerst einmal die Konzentration auf das reine Wohnen."

Von Petra Hackert 

Lesen Sie auch:

Der Bayrische Hof in Bad Camberg gehört wieder der Stadt - Investoren bekunden Interesse: Michael Traut recherchiert die Besitzverhältnisse des Bayerischen Hofs.

Stadt Bad Camberg kauft den Bayrischen Hof: Der Kompromiss zeichnet sich ab: Die Stadt Bad Camberg wird von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen und den „Bayrischen Hof“ für 70 000 Euro erwerben.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare