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Der große Kurhaus-Saal ist kaum wiederzuerkennen. Der Blick vom Foyer zeigt den völlig entkernten Raum.

Arbeiten

2,22 Millionen Euro -  Kurhaus-Sanierung wird teurer

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In Bad Camberg soll die Kurhaus-Sanierung mindestens 2,22 Millionen Euro (netto) kosten. Bis zum Jahresende soll alles fertig sein. 

Bad Camberg - Der große Saal des Kurhauses ist nicht mehr wiederzuerkennen: Die Decke ist geöffnet, die Schächte für Belüftung und Elektronik sind zu sehen. Wände, bis auf die Steinmauern kahl, umschließen den nackten Boden: Jetzt geht es ans Eingemachte in Sachen Brandschutz.

"Das Kurhaus wurde im Bereich der Säle, des Foyers und der Fluchtwege nahezu komplett entkernt", erläutert Stadtbauamtsleiterin Bärbel Stillger. Beim Brandschutz sind einige Auflagen zu erfüllen. Zum einen müssen Materialien rückgebaut werden, die den notwendigen Anforderungen nicht genügen. Weiter geht es um die Ertüchtigung von Brandabsschnitten wie die Holzfaltwand der Säle zum Foyer hin oder die Holzglaswand zwischen Hallenbad und Foyer oder Clubraum und Foyer.

Bad Camberg: Kurhaus-Biergarten bleibt offen

Ein Teil der Erneuerung wurde seit 2017 im laufenden Betrieb geleistet. Nach Fastnacht wurde das Kurhaus in diesem Jahr geschlossen. Auch der Clubraum musste nach März schließen, ebenso das Restaurant. Letzteres wird erst am Ende der Sanierung wieder eröffnet. Die Bewirtschaftung des Biergartens läuft für die Gäste wie gewohnt seit Beginn der Saison reibungslos. Bosco Tomic und sein Team sind im Einsatz. Die öffentlichen Toiletten befinden sich in Containern vor dem Gebäude. Die Kurverwaltung im Kurhaus ist an gewohnter Stelle zu finden, ebenso die Stadtbibliothek, die weiterhin zu den gewohnten Zeiten offen steht.

Der Zeitplan ist eng gestrickt: Bis Dezember soll die Sanierung abgeschlossen werden. Bereitgestellte Haushaltsmittel für die Jahre 2017 bis 2019: 2,22 Millionen Euro netto.

Ob dieser Kostenrahmen eingehalten werden kann, ist noch nicht absehbar. Zu den notwendigen Brandschutzmaßnahmen, der Ertüchtigung der Lüftungsanlage, der Dachsanierung einschließlich Blitzschutz sowie den begleitenden Sanierungs- und Renovierungsarbeiten sind nicht vorhersehbare Asbestsanierungen hinzugekommen. Der Magistrat hat die allgemeinen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten während des Baus erweitert (Toiletten, Theken, Parkett). Auch sind noch nicht alle Aufträge vergeben, erklärt Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD).

Die Asbestsanierung betrifft die alten Leitungen und Verkleidungen, zeigt Bauamtsleiterin Bärbel Stillger. Technisch wird sich in Sachen Elektronik/Belüftung einiges ändern. "Die alte Anlage war, bezogen auf heutige Normen, völlig überdimensioniert. Die Durchmesser waren unter anderem noch auf die Nutzung mit Rauchern angelegt", sagt Bürgermeister Vogel. Es habe keine Wärmerückgewinnung gegeben, und die Kältemaschine war defekt. Das heißt: Im Sommer konnte die Lüftungsanlage nicht genutzt werden. Das wird sich ändern.

Bad Camberger Kurhaus: Sprachalarmierung ELA 

ELA lautet das Stichwort in Sachen Elektrotechnik. Das ist kein Name, sondern die Abkürzung für die Elektroakustische Sprachalarmierung, mit der das Kurhaus flächendeckend ausgestattet wird - einschließlich einer ausfallsicheren Verkabelung und Lautsprechertechnik. Induktionsschleifen sorgen für eine Optimierung der Akustik besonders für Menschen mit Hörbehinderungen. Die Beleuchtung wird künftig in moderner LED-Technik erfolgen, in den Sälen und im Foyer atmosphärisch schaltbar. Die Dachsanierung einschließlich Blitzschutz beinhaltet auch die Sanierung der Dachränder und Attika. Neue Dachöffnungen (RWA-Oberlichter für den Rauch- und Wärmeabzug) müssen ebenfalls aus Brandschutzgründen eingebaut werden.

Nichts mit dem Brandschutz, wohl aber mit dem Gesamteindruck des Gebäudes, haben die Bereiche zu tun, die der Magistrat zusätzlich in die Sanierung mit aufgenommen hat: So sollen die Toiletten im Foyer saniert werden. Auch das alte Holz-Treppengeländer im Foyer wird erneuert, ebenso die Theke und die Garderobe, schließlich noch das Parkett im Saal. Derzeit wird noch geprüft, ob es möglich ist, einen Lift einzubauen, der die unterschiedlichen Geschossebenen verbindet. Zurzeit erfolgt der behindertengerechte Eingang zum oberen Geschoss über den hinteren Bereich (an der Stadtbibliothek).

Kurhaus-Restaurant: Küche wird saniert

Im Kurhaus-Restaurant steht ebenfalls die Brandschutzertüchtigung im Vordergrund. Dazu gehört der Rückbau eines Lastenaufzugs, im Bereich von Brandabschnitten müssen Öffnungen geschlossen werden, es gilt, zweite Fluchtwege anzulegen. Auch die Küche wird saniert. Der Magistrat hat die Neuverpachtung des Restaurants ab 1. Januar 2020 beschlossen.

Der größte Teil der Arbeit wird für die Besucher anschließend nicht mehr zu sehen sein. Allerdings nicht ganz: "Insbesondere das Foyer und die Säle werden nach der Sanierung nicht nur funktional und sicherheitsrelevant ertüchtigt sein, sondern auch in einem frischen, modernen Design in Erscheinung treten", sagt die Stadtbauamtsleiterin.

Dazu gehören auch neue Wandbeläge (zum Teil Panelverkleidungen), die neue Akustikdecke, das neue Parkett, die Beleuchtung. Die Arbeiten für die gesamten Baumaßnahmen sind planmäßig bis Ende des Jahres getaktet. "Die Aufträge sind weitestgehend für den gesamten Bauablauf erteilt", so Stillger. Das Hallenbad soll wie auch in den letzten Jahren wieder ab Mitte Oktober öffnen.

Die alte Anlage war, bezogen auf heutige Normen, völlig überdimensioniert. Die Durchmesser waren unter anderem noch auf die Nutzung mit Rauchern angelegt.

Von Petra Hackert

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