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Simone Deutschmann erklärt die Kräuter, wie hier den Muskatellersalbei.

Kneipp-Erlebnistag

So lässt sich ein guter Tag verbringen

Der Kneipp-Erlebnistag bietet Anregungen für Körper und Seele. "Kunst im Park", viele Mitmach-Angebote und Informationen rund um die Gesundheit gehören dazu.

Bad Camberg - Der Tag ist lang, eine Erfrischung tut not, Antje Martin hilft: Immer schön im Storchenschritt schreiten wir ihr hinterher durchs Kneipp-Tretbecken am Kräutergarten. Drei Runden durch das Wasser, dann herausspaziert, die Tropfen mit den Händen abstreichen, Beine und Füße bewegen. "Und, was fühlen Sie?", fragt die Kneipp-Erzieherin der Kinderoase. "Erfrischt!", lautet die Antwort. "Nur an den Beinen?" - "Nein, der Kopf ist frei. Ein gutes Gefühl!" Der Selbsttest zeigt die gesunde Wirkung des Kneipp'schen Wassertretens, und die Expertin erklärt: Durch das kalte Wasser ziehen sich die Adern zusammen. Beim Herausgehen dehnt sich alles wieder, durch die Bewegung sogar noch etwas mehr als vorher, viel mehr Sauerstoff wird transportiert. Daher das gute Gefühl des "Kneipp'schen Bohnenkaffees". Man sollte im Arbeitsalltag öfters einen haben. "Können Sie doch", meint die Erzieherin. Wer nicht gerade ein Kneipp-Tretbecken um die Ecke hat, könne sich mit einer Waschbütt voll Wasser behelfen. "Wir machen das zu Hause auch."

Daniela Reefschläger und Michael Müller testen es gleich an Ort und Stelle. Die Erfurterin und der Hamburger sind zur Kur und machen ihre ersten Erfahrungen mit dem Wassertreten. Obwohl: "Ich habe es schon einmal gemacht", bemerkt der 48-Jährige nach kurzem Nachdenken. "Nur völlig falsch." Mit "einfach durch das Wasser rasen" ist es nicht getan. Man sollte schon ein wenig Zeit mitbringen und richtig schreiten. Das dauert schließlich auch nicht lange. Während Antje Martin Wassertreten und Armbäder erklärt, was man übrigens immer mit zwei Stunden Abstand voneinander machen sollte, hat sich eine kleine Menschentraube um Doris Zöll gebildet. Gemeinsam mit Susanne Wenz-Erk präsentiert die Aktive der Kneipp-AG in "Wir für Bad Camberg" den Camberger Lehm, das ortstypische Heilmittel. Leider wird die Anwendung derzeit nicht praktiziert. Antje Martin hat sie noch am eigenen Leib im Kur- und Gesundheitszentrum (Kurmittelhaus) erfahren. Sie hofft wie viele andere, dass es sie wieder geben wird. Schließlich ist der Lehm das ortstypische Heilmittel. Man kann ihn kaufen und selbst verwenden. Nur in einer Praxis gibt es die Anwendung derzeit nicht.

Mia lässt sich einen Lehmwickel am Arm anlegen. Wie fühlt es sich an? "Kalt und feucht", stellt die Zwölfjährige fest. "Das soll jetzt eine halbe Stunde draufbleiben. Der Lehm zieht die Giftstoffe heraus und wirkt gegen Entzündungen." Das hat das Mädchen gelernt, und das wissen alle, die auf die heilsame Wirkung des Lehms schwören.

Was gehört noch zu den Kneipp'schen Lehren? "Die Kräuterkunde", weiß Simone Deutschmann und führt die Besucher durch den wunderschön erblühten Kräutergarten. Der Muskatellersalbei schimmert strahlend weiß. "Er hilft gegen Appetitlosigkeit und Darmbeschwerden", erläutert die Phytotherapeutin und Kräuterfrau. Wer ein Dutzend Kräuter kenne, könne sich gut helfen, sagt sie und verweist auf Sebastian Kneipps Spruch: "Die Natur ist die beste Apotheke."

Auf fünf Säulen gründet die Kneipp-Therapie. Die Besucher des Kneipp-Erlebnistags können an diesem Sonntag alles selbst erleben und genießen. Wasser, Pflanzen, Bewegung, Ernährung sind leicht erkennbar. Die Ordnungstherapie etwas schwerer, und dabei ist sie so wichtig. Harmonie, Ausgeglichenheit, Entspannung gehören dazu. Das erleben alle, die die ökumenische Morgenandacht im Musikpavillon besuchen, anschließend dem Kurorchester unter Leitung von Julia Treinies lauschen, sich von Franz-Martin Wenz' charmant vorgetragenen kleinen Anekdoten ein Lächeln ins Gesicht zaubern lassen. Schon ist der Tag gerettet!

Bei den Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, zu dem die Initiative "Kur-Bewegungspark" animiert, "Kunst im Park" mit den heimischen Künstlern, vielen Tipps an zahlreichen Ständen lernen die Gäste die Kurstadt von ihrer schönsten Seite kennen. Das meint auch Kurdirektor Bodo Schäfer, der einlädt, alles selbst auszuprobieren, wie es auch Altbürgermeister Wolfgang Erk (SPD), Vorsitzender des Vereins "Wir für Bad Camberg", tut. "Bürgermeister Jens-Peter Vogel und Stadtverordnetenvorsteher Heinz Schaus vertreten Bad Camberg gerade beim Hessentag in Bad Hersfeld", sagt Schäfer. Die Hessentagsgruppe ist aus dem Programm der jährlichen Festzüge nicht wegzudenken. Immer wieder gute Werbung für eine gesunde Sache!

VON PETRA HACKERT

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