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Wäre es der Tod für den Bahnhof, wenn die Autos nicht mehr direkt davor parken dürften?

Es gibt Ärger

Bad Camberger Bahnhof wird barrierefrei - mit üblen Konsequenzen für die Autofahrer

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Die geplante barrierefreie Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes in Bad Camberg sorgt aufgrund des geplanten Wegfalls der Kurzzeitparkplätze weiter für Ärger.

Bad Camberg - Thomas Maurer, Inhaber der Sport-Insel im Bahnhof, machte seinen Bedenken in der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses sowie des Ortsbeirates Kernstadt Mittwochabend deutlich Luft. "Der Bahnhof wäre dann tot. Die Kunden sind nicht bereit, weiter zu laufen", so der Geschäftsmann zum möglichen Wegfall von Parkplätzen. 

Er übergab an Bürgermeister Jens-Peter Vogel und Stadtverordnetenvorsteher Heinz Schaus (beide SPD) eine Unterschriftenliste, auf der seinen Angaben nach 2000 Bad Camberger für den Erhalt der Parkplätze unterschrieben hätten. Maurer erläuterte, dass seine Poststation, sein Fahrkartenverkauf, Reisebüro und Kiosk einen Zulauf von zirka 1000 Personen pro Tag hätten. In dem Bereich befinde sich zudem noch ein stark frequentierter Geldautomat, so dass die acht Parkplätze an dieser Stelle unbedingt erhalten bleiben müssten.

Der Geschäftsmann beklagte sich auch, von der Stadt nie über die Umgestaltungspläne informiert worden zu sein. Vor sechs Wochen erst habe er zufällig durch den Hinweis eines Bekannten davon erfahren. Bauausschuss und Ortsbeirat bitten die Bad Camberger Verwaltung und Planer nun, sich vor der nächsten Ausschusssitzung kommenden Dienstag nochmal mit Maurer zu treffen und nach einem Kompromiss zu suchen.

Bald Baubeginn

Die Zeit eilt, weil der Umbau des Bahnhofvorplatzes eigentlich schon am 28. Juni beginnen soll. Bernd Schlösser, Vorsitzender des Vereins "Kurstadt Bad Camberg barrierefrei", findet es wichtig, dass gehbehinderte Bürger am Bahnhof künftig barrierefrei einsteigen können. Er glaubt, dass Thomas Maurer mit seiner Argumentation völlig überzieht, er keine Kunden verlieren würde, wenn die Kundschaft nur wenige Meter mehr zum Parkplatz laufen müsse. Schlösser sagte, dass die Leute, die nicht laufen wollten, sowieso jetzt schon illegal in den Bushaltebucht anhalten und schnell raus springen würden. Das werde sich sicher auch in Zukunft nicht ändern.

CDU-Fraktionschef Daniel Rühl und Grünen-Fraktionsvorsitzender Dieter Oelke bemängelten die schlechte Kommunikation der Verwaltung mit den Fraktionen, so dass nun unnötig erheblicher Zeitdruck aufgebaut worden sei. Bauamtsleiterin Bärbel Stillger merkte an, dass die Planungen noch ihr Vorgänger zusammen mit Bürgermeister Wolfgang Erk (SPD) begonnen habe und sie dafür nicht verantwortlich sei. Wenn der Baubeginn durch weitere Beratungen in Bad Camberg verzögert werde, sei das problematisch, weil nicht nur in Bad Camberg die Bushaltestellen barrierefrei umgebaut werden sollten und die Arbeiten bei den Baufirmen zeitlich eng getaktet seien. Rühl sagte, dass die barrierefreie Umgestaltung der Haltestellen ja gesetzlich vorgeschrieben und völlig unstrittig sei.

Bordsteine anheben

Markus Rinnert vom Verkehrsbetrieb Lahn-Dill-Weil machte noch einmal deutlich, warum der Umbau vor dem Bahnhof nötig sei. Die Bussteige müssten angehoben werden, damit die Gäste barrierefrei in die Niederflussbusse einsteigen könnten. Um dies gewährleisten zu können, müssten die Bordsteine von 16 auf 20 Zentimeter angehoben werden. Es müsse, so Rinnert, eine "Nase" zum Drehen in die Buseinfahrt gebaut werden, damit die Busse genau parallel zum Bürgersteig stehen würden. Vor dem Bahnhof ist künftig weiter für zwei Linienbusse Platz. Für die Stadtlinie soll es aber einen zusätzlichen eigenen Stopp geben, weil es aktuell teilweise zu Engpässen komme, wenn drei Busse gleichzeitig vor Ort seien, meinte der Planer.

Es geht um wenige Meter

Es sollten zudem Kapazitäten für einen möglichen künftigen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs geschaffen werden. Dagegen hätte sicher keiner etwas, wenn dadurch eben nicht die Kurzzeitparkplätze am Bahnhof verlegt werden sollten. Jan Subat vom städtischen Bauamt betonte aber: "Hier geht es nur um 20 Meter." Der Vertreter des Verkehrbetriebes meinte aber, von acht Kurzzeitparkplätzen falle lediglich einer weg. Der neue Standort werde sich einspielen. Wenige Meter zu laufen sei den Kunden zumutbar. Der Planer hält auch wenig von dem Alternativvorschlag, Busankünfte zu verlegen, um die Verkehrssituation an den Bushaltestellen zu entzerren. Busse, die nicht an die Bahnzeiten angepasst seien, würden keine gute Resonanz erzielen.

Bürgermeister Vogel glaubt nicht, dass, wenn noch weitere zwei Wochen diskutiert werde, eine Lösung gefunden werden könne, die jedem gerecht werde. Diehl findet es aber wichtig, die Anregungen noch mal zu besprechen, "auch wenn am Ende nicht alles geht, was einer will". Von jedem erwarte er aber in der Diskussion Kompromissbereitschaft, so der Ausschussvorsitzende. Frank Weller (SPD) sagte: "Das alles hätten wir von einem Jahr diskutieren sollen." Gegenüber der geplanten neuen Kurzzeitparkplätze könnten aber noch zusätzliche eingerichtet werden. Ebenfalls geplant ist, die Bike-&-Ride-Anlage neu zu gestalten und eine Überquerungshilfe für Fußgänger zum gegenüberliegenden Bushalt zu schaffen. Wellers Idee, den Übergang ohne Bordstein für die Bürger ebenerdig und somit sicherer zu gestalten, fand der Planer nicht sinnvoll. Denn über die Fahrbahnerhöhung müssten dann ständig die Busse drüber. Das sei für im Bus im Gang stehende Passagiere durchaus gefährlich.

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