+
Die Integration von Carsten Sven Oehne (im Fahrersitz) ist gelungen. Vor dem Fahrzeug, von links: Lehrgangsleiter Peter Bill, Sabine Schäfer vom Landeswohlfahrtsverband und Geschäftsführer Belal Hassoun.

Beruflicher Neustart

Carsten Sven Oehne: Wieder fest „im Sattel“

Carsten Sven Oehne konnte nach einem folgenschweren Unfall seinen Beruf nicht mehr ausüben. Nach Reha und Umschulung gilt er als rehabilitiert. Der Neustart ist gelungen.

Von jetzt auf gleich kann sich das Leben komplett verändern und Menschen vor völlig unerwartete Herausforderungen stellen. Ob durch eine Krankheit oder einen Unfall, das bisherige Berufsleben kann oftmals nicht wie gewohnt fortgesetzt werden, sodass Betroffene um ihre berufliche und finanzielle Existenz bangen müssen. Viele Menschen geraten dadurch in Frustration und Ratlosigkeit, wie das Leben von nun an sinnvoll fortgesetzt werden kann, und suchen dabei oft vergeblich um Hilfe.

Für eine Umschulung ist es bei den meisten Betroffenen auf Grund ihres Alters oder ihrer Qualifikation schon zu spät, was die Berufswahl sehr einschränkt. Gerade für Menschen mit handwerklicher Ausbildung, bei der eigentlich körperlicher Einsatz gefordert ist, sind Arbeiten am Schreibtisch oder im Büro zunächst unvorstellbar.

Hilfe und Unterstützung bietet in solchen Fällen das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V. (BWHW) mit seinen 50 Standorten und 800 Mitarbeitern in ganz Hessen. Neben den Niederlassungen in Limburg und Diez ist das BWHW auch in Montabaur ansässig, wo für durch Krankheit oder Unfall arbeitsunfähige Menschen ein spezieller berufspraktischer Lehrgang (BLR) angeboten wird. In dieser von der Deutschen Rentenversicherung und den Berufsgenossenschaften geförderten neunmonatigen Rehabilitation werden neben grundlegender Allgemeinbildung und EDV-Training auch Praktika in völlig anderen Berufsfeldern ermöglicht, die den Betroffenen bisher fremd waren. „Perspektiven für neue berufliche Möglichkeiten aufzeigen“, so beschreibt Lehrgangsleiter Peter Bill einen wichtigen Teil seiner Arbeit, die im Optimalfall die Integration in den Arbeitsmarkt trotz Krankheit zum Ziel hat. Darüber hinaus werden Rehabilitanden auch bei rechtlichen Fragen oder Behördengängen unterstützt und es wird gemeinsam Kontakt zu Arbeitgebern aufgenommen, die in bestimmten Fällen mit einem Eingliederungszuschuss rechnen können.

Ein hoffnungsvolles Beispiel für die berufliche Rehabilitation ist Carsten Sven Oehne, der zunächst viele Jahre mit Freude seiner Tätigkeit als Kfz-Mechaniker und Maschinenführer in der chemischen Industrie nachging. Auf Grund eines folgenschweren Unfalls, der die Schulter schwer schädigte, konnte er seinen Beruf nicht mehr ausüben und musste zunächst Krankengeld beziehen.

Nach längerer Therapie und diversen Tätigkeiten im Sicherheitsdienst und in der Gastronomie musste er Arbeitslosengeld II beantragen. Zwei erneute Operationen der Schulter ergaben keine wirkliche Verbesserung seines Gesundheitszustandes und erforderten den erneuten Bezug von Krankengeld. Durch diese vom Unfall und der Erkrankung an Diabetes stark beeinträchtigte berufliche Laufbahn und einen aus dem Unfall resultierenden langwierigen Rechtsstreit entstanden bei Carsten Sven Oehne Misstrauen gegenüber dem „sozialen Gefüge“, Frustration und ein geringes Selbstwertgefühl sowie existenzielle Finanzsorgen.

Im September 2016 begann er, zunächst mit Vorbehalten, die berufliche Rehabilitation beim BWHW. Er konnte sich selbst keine berufliche Zukunft oder grundlegende Umorientierung vorstellen. Doch durch großes Engagement und zielführende Mitarbeit im Reha-Kurs bekam er bei einer Autoverwertung schließlich einen Praktikumsplatz und konnte dort seine Ideen und Impulse im Betrieb einbringen. Mit Hilfe von Lehrgangsleiter Peter Bill, Förderungen der Deutschen Rentenversicherung, dem Landeswohlfahrtsverband und der Bezuschussung von Arbeitsgeräten und Transportmitteln für eine angemessene Arbeit war in der Autoverwertung ein geeigneter Arbeitsplatz gefunden.

Das BWHW betreut Betroffene wie Carsten Sven Oehne auch nach der erfolgreichen Integration in das Arbeitsleben. Der berufspraktische Lehrgang beginnt jeweils im März und im September. Neben Theoriewochen, in denen zum Beispiel Bewerbungsunterlagen erstellt werden, sieht der Kurs auch Praktikumsphasen vor, die den Rehabilitanden völlig neue berufliche Perspektiven eröffnen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare